Marianne Nentwich

Zu sehen in:
Der jüngste Tag
Besuch bei dem Vater
Aus dem Leben der Marionetten
Der Talisman
Marianne Nentwich
Kammerschauspielerin, Ensemblemitglied

Marianne Nentwich wird in den Medien gerne als First Lady der Josefstadt bezeichnet. "Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass ich eine der letzten aus dem legendären Josefstadt-Ensemble der 60er-Jahre bin. Als ich kam, gab es Vilma Degischer und Leopold Rudolf, Ursula Schult und Erik Frey und viele andere, und jede Rolle, bis in die kleinste, war aus dem Ensemble hochkarätig zu besetzen." Sie selbst ist gleich in ihrer ersten Rolle, in der musikalischen Komödie Ein schöner Herbst, neben Leopold Rudolf auf der Bühne gestanden.
Seit 1964 ist sie "Josefstädterin", nach einer ganz kurzen Zeit als Fernsehsprecherin im damaligen Österreichischen Rundfunk. Ursprünglich hatte die junge Schauspielerin nicht vorgehabt, ihr ganzes künstlerisches Leben an einem Theater zu verbringen. Aber durch den Wunsch nach Familie und Kindern blieben die wenigen Versuche eines Theaterwechsels nur halbherzig. Heute sieht Marianne Nentwich diese für die heutige Zeit außergewöhnlich lange Anwesenheit an einem Haus wieder mit anderen Augen, als etwas sehr Positives.
Innerhalb kürzester Zeit spielte Marianne Nentwich sich in die erste Reihe der "Josefstädter" mit heute bereits über 100 Premieren in klassischen bis modernen Rollen. Der Wechsel vom poesievollen Jungmädchentyp ins charakterlich schärfer umrissene und auch komische Fach gelang ihr mühelos und zur Freude des Publikums. Sie gehört zu den wandelbarsten Darstellerinnen und kann in den unterschiedlichsten Charakteren immer wieder aufs Neue überraschen.

Neben dieser Hauptbeschäftigung an der Josefstadt spielte sie viele Sommer lang bei Festspielen in Hannover, Salzburg und Reichenau, drehte 40 Fernseh- und Kinofilme und hielt unzählige Lesungen. Einige Tourneen führten sie durch den deutschsprachigen Raum und nach New York. 1976 erhielt sie den Goldenen Rathausmann für die Rolle der Helene in Hugo von Hofmannsthals Der Schwierige, 1988 wurde ihr der Titel "Kammerschauspielerin" verliehen. 2003 erhielt sie das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und 2005 die Ehrenmitgliedschaft des Theaters in der Josefstadt.

Zuletzt spielte sie im Theater in der Josefstadt: u. a. die Marie Heink in Hermann Bahrs Das Konzert, die Crescence in Hugo von Hofmannsthals Der Schwierige, die Gräfin Eugenie in Franz Molnàrs Olympia, die Lady Markby in Oscar  Wildes Ein idealer Gatte, Eucharis in Franz Grillparzers Sappho, Sheila in Alan Ayckbourns Halbe Wahrheiten, Frau Sörby in Henrik Ibsens Die Wildente, Frau Muskat in Franz Molnàrs Liliom, Madame Point d´Honneur in Nestroys Mann, Frau, Kind, Gaby in Robert Thomas Acht Frauen, Tante/Mutter in Arthur Schnitzlers Fräulein Else, Sidonia in Nestroys Kampl. Zuletzt war sie als Dolores Velasco in Eine Liebe im Herbst in den Kammerspielen zu sehen und an der Josefstadt in Der tolle Tag, Der Theatermacher und Das Fest.