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Regie
Philip Tiedemann
Bühnenbild
Etienne Pluss
Kostüme
Stephan von Wedel
Musik
Ole Schmidt
Helge, der Vater
Erwin Steinhauer
Else, die Mutter
Marianne Nentwich
Christian, der erste Sohn
Bernhard Schir
Helene, die Tochter
Maria Köstlinger
Linda, die tote Tochter
Therese Lohner
Michael, der zweite Sohn
Fritz Karl
Mette, Michaels Frau
Anna Franziska Srna
Ein Junge, Michaels und Mettes Sohn
Victor Landgraf / Alexander Zerbes
Großvater
Fritz Muliar
Großmutter
Sigrid Marquardt
Gbatokai, Helenes Freund
Nikolaus Okonkwo
Pia, Stubenmädchen
Maya Bothe
Kim, Koch
Peter Scholz
Lars, Hoteldiener
Friedrich Schwardtmann
Helmut von Sachs, Toastmaster
Erich Schleyer
Frederik, Geschäftspartner
Alexander Waechter / Peter Moucka
Sara, seine Frau
Adelheid Picha
Sören, Cousin
Alexander Grill
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Thomas Vinterberg und Mogens Rukov
Das Fest
Premiere: 25. Januar 2007
Um 19 Uhr hält Christian seine erste Tischrede. Tischreden sind Tradition in der Familie. Auch bei
diesem Fest zum 60. Geburtstag von Christians Vater dürfen sie nicht fehlen. Die Verwandtschaft
tafelt und schwatzt, das Personal gönnt sich eine Pause. Während der Tischreden wird nicht
serviert. So war es, so wird es sein, so ist es auch heute. Aber Christian hält keine gewöhnliche
Rede. Er tischt eine Geschichte aus seiner Kindheit auf, eine Geschichte mit dem Titel "Vater nimmt
ein Bad". Sie handelt davon, wie der Vater das Kind Christian und dessen Zwillingsschwester Linda
missbrauchte. Die Verwandtschaft stutzt, schweigt - und feiert weiter. Die Dienerschaft serviert,
der Großvater erzählt seinen immergleichen Witz, die Oma singt ihr Lied, der Braten schmeckt
köstlich, und der Wein fließt in Strömen. Ihr Sohn, sagt die Mutter, hatte schon als Kind viel
Fantasie. Also wird pünktlich um 22 Uhr getanzt. So war es, so wird es sein, so ist es auch
heute.
Pressestimmen:
Starkes Plädoyer gegen das Wegschauen. Ein starker Wurf. Dass dieses Fest so unter die Haut geht,
liegt an den Darstellern. Allen voran an Bernhard Schir, der als Christian mit anfangs
beiläufiger, dann immer vehementerer Konsequenz die Wahrheit einfordert. Eine starke Leistung. Aber
auch Christians Widerpart weiß sich zu wehren. Erwin Steinhauer gibt den Vergewaltiger Helge als
gefährlich jovialen, ja "netten" Onkel. Die erschreckende Banalität des Bösen spielt Steinhauer
unter der Maske des Biedermanns perfekt aus. Nicht minder eindrucksvoll agiert Therese Lohner in
der fast stummen Rolle der Linda. Lohner gelingt der Spagat, eine Tote als präsente Anklägerin
erscheinen zu lassen. Ebenso ausgezeichnet Maria Köstlinger als Tochter Helene, die sich unter
größtem Einsatz gegen die grausige Realität stemmt. (Kurier)
Selten gelingt es dem Theater, einen Film zu übertreffen. Regisseur Philip Tiedemann, der von
Peymann entdeckt wurde, hat das Bravourstück geschafft. Die Aufführung macht, ohne das Kernthema zu
umgehen, familiäre Standard-Konflikte sichtbar, vor allem jene zwischen Generationen. Erst
zerstören die Eltern die Kinder, dann zerstören die Kinder die Eltern. Dabei greifen beide zu den
gleichen brutalen Mitteln. Eine starke Besetzung konnte für die Produktion gewonnen werden: Erwin
Steinhauer zeigt den Vater als scheinbar gemütlichen Biedermann. Lange mag man kaum glauben, dass
dieser beleibte Bürger mit den üblichen Anwandlungen des Haustyrannen ein so grauenvolles
Verbrechen begangen haben soll. Das Misstrauen des Betrachters wird mit Absicht geweckt.
Tiedemann scheint jedem Einzelnen, Alten wie Jungen, liebevolle Aufmerksamkeit gewidmet zu
haben. Marianne Nentwich als Mutter, Maria Köstlinger (Tochter Helene), Anna Franziska Srna
(Schwiegertochter Mette), Maya Bothe (Stubenmädchen), Peter Scholz (Koch), sie alle konturieren
ihre Figuren glasklar. Tiedemann lässt Erinnerungen an Ibsen-, Strindberg-Stücke aufblitzen, sorgt
mit Simultan-Sequenzen für Drive, Spannung und bringt die bleiche Mystik dieser familiären
Walpurgisnacht zum Leuchten, wenn der Geist der vom Vater in den Freitod getriebenen
Tochter Linda (Therese Lohner) über die Szene wandert oder durch die dramatischen
Wolken-Ballungen über der Bühne (Etienne Pluss) schimmert.
Bei aller Schrecklichkeit ist das Treiben gelegentlich auch abgründig komisch, wenn der Vater
Michael und Mette, die ein Sado-Maso-Verhältnis aneinander kettet, beim Quickie überrascht. Immer
desperater, grotesker versucht Toastmaster (Erich Schleyer) gute Laune zu verbreiten: "Frau sucht
Mann mit Pferdeschwanz. Frisur egal".
Am Schluss aber klang der Jubel einhellig und begeisterter als man es zuletzt an diesem Ort
gehört hat. Es ist halt doch Verlass auf die Josefstädter. Was Qualität ist, erkennen sie, auch
wenn es noch so grauslich ist. Brillant. (Die Presse)
Jetzt aber scheint es, als wäre das Haus unterwegs zu einem neuen künstlerisch opulenten, doch in
der Sache unbestechlichen Gesinnungstheater. Der jüngste Sohn (eindrucksvoll: Fritz Karl), selbst
Familienvater, ist Alkoholiker und misshandelt seine Ehefrau. In deren nicht großer Rolle beweist
Anna Franziska Srna beträchtliche Präsenz. Erwin Steinhauer überragt in der Rolle des alten
Scheusals alle. Zunächst gibt er den zynisch-überheblichen Patriarchen, unterspielt noch und wächst
dann umso bezwingender ins Monströse. Zwischen ihm und dem anklagenden Sohn (Bernhard Schir)
ereignet sich große Dialogkunst.
Starkes, bewegendes Theater. (NEWS)
Obwohl der Film in der Machart der Dogma-Gruppe (kein Kunstlicht, viel Handkamera) schon sehr intim
ausgefallen war, verstärkt sich dies im Bühnenraum vor der subtilen Klangkulisse Ole Schmidts noch:
Christians Versuch, durch Herausschreien der Wahrheit diese im Nachhinein irgendwie erträglich zu
machen, und des Vaters brutal-bigotter Widerstand sind ganz starke Theatermomente.
Tiedemann zeigt, wie eine Regie mit äußerstem Respekt vor dem Stück und seinen Darstellern
dennoch brillant sein kann. Er kennt den Unterschied zwischen Eitelkeit und Souveränität. Und so
ist es auch ein großer Abend für die Schauspieler. Für Bernhard Schir, der als Christian einen
furiosen Balanceakt zwischen Verzweiflung und Psychose meistert. Für Fritz Karl, dessen derber
Opportunist Michael überzeugend kommt. Für Maya Bothe, die als Hausmädchen Pia sexuell verfolgt
wird, aber auch eigene Interessen verfolgt. Für Marianne Nentwich als feige Mutter, die einen
grandios hilflosen Auftritt hinlegt. Und für Erwin Steinhauer natürlich, dessen Kunst des
Vergessens eine Obszönität für sich ist. - Verdienter Jubel beschloss die Premiere. (Kleine Zeitung)
Voller Erfolg für Herbert Föttingers neuen Weg. Einhellige Zustimmung beim Publikum dank toller
Besetzung. (Österreich)
Die Josefstadt hat für Vinterbergs Tischgesellschaft ein erstklassiges Ensemble aufgeboten, von
Marianne Nentwich als mühsam die Haltung bewahrende Mutter, die sich als
Mitwisserin schuldig gemacht hat, über Fritz Karl und Maria Köstlinger als Geschwister bis zu
Fritz Muliar als halb-dementen Opa, der den ganzen Abend die gleiche Anekdote erzählt. Im Zentrum
steht jedoch das Vater-Sohn-Duell. Erwin Steinhauer und Bernhard Schir schenken einander nichts.
Beiden, Täter wie Opfer, ist der Schmerz anzusehen, der mit der Bewältigung der Vergangenheit
verbunden ist, beide gehen mit Blessuren aus dieser Schlacht hervor. Ein starkes Stück, ein
beeindruckender Abend. (APA )
Phänomenales Ensemble. Solch Menschenzeichnungen voll Widersprüchlichkeit, Ambivalenz und
Vitalität, wie sie Schir und Steinhauer in dieser ungemein packenden, genauen Inszenierung von
Philip Tiedemann gelungen sind, hat man schon lange nicht mehr gesehen. Und endlich wieder einmal
konnte Marianne Nentwich vorführen, welch großartige Schauspielerin sie ist. (Oberösterreichische Nachrichten)
Eine Reihe herausragender Schauspieler, von denen nicht jeder für sich spielt, die vielmehr
gemeinsam ein starkes Ensemble bilden. Ein starker Stoff, von Regisseur Tiedemann minutiös
ausdifferenziert vorgetragen, und dies in einem luxuriösen Ambiente (Bühne Etienne Pluss), das die
aufkeimenden Verlogenheiten umso drastischer erscheinen lässt. (Salzburger Nachrichten)
Das Publikum jubelt nach fast drei Stunden perfekt arrangierter Kindeheitsbewältigung und
Selbstbefreiung von Albträumen. (Kronen Zeitung)
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