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Regie
Heribert Sasse
Bühnenbild und Kostüme
Amra Bergman
Musik
Michael F. Kienzl
Okichi
Mavie Hörbiger
Akimura, japanischer Zeitungskönig und Politiker
Peter Moucka
Clive, englischer Orientalist
Friedrich Schwardtmann
Ray, amerikanische Journalistin
Elfriede Schüsseleder
Kito, japanischer Dichter
Mario Hellinger
Der Regisseur des Stücks
Heribert Sasse
Townsend Harris, Generalkonsul der USA
Alexander Waechter
Henry Heusken, sein Dolmetscher und Privatsekretär
Paul Matic
Inoue Shinano-no-Kami, Mitglied des Magistrats
Alexander Strömer
Makamura Deva-no-Kami, Mitglied des Magistrats
Hans Wolfgang Pemmer
Wakana Miosaburo, Polizeioffizier
Thomas Groß
Matsumura Chushiro, Polizeioffizier
Martin Oberhauser
Saito, Polizeibeamter, später Exzellenz
Heinz Trixner
Fürst Isa
Wolfgang Klivana
Tsurumatsu, Okichis Verlobter
Erich Altenkopf
Omoto, Okichis Schwester
Franziska Singer
Ofuku, Okichis Freundin
Silvia Meisterle
Ein Teehausbesitzer
Wolfgang Klivana
Oshimo, eine Kundin Okichis
Sarah Wimmer
Osai, Tsurumatsus Geliebte
Eva Mayer
Erster Stadtverordneter
Paul Matic
Zweiter Stadtverordneter
Alexander Strömer
Kamekichi, weitläufiger Verwandter Okichis
Wolfgang Klivana
Kamekichis Begleiterin
Eva Mayer
Ein Straßensänger
Erich Altenkopf
in weiteren Rollen
Eva Mayer
Franziska Singer
Sarah Wimmer
Thomas Groß
Emanuel Kastner
Kevin Leppek
Martin Oberhauser
Hans Wolfgang Pemmer
unterstützt von
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Bertolt Brecht
Die Judith von Shimoda
Uraufführung
Premiere: 11. September 2008
Nach einem Stück von Yamamoto Yuzo, in Zusammenarbeit mit Hella Wuolijoki
Rekonstruktion einer Spielfassung von Hans Peter Neureuter
Erst war sie eine Geisha, dann wurde sie eine Heldin. Danach war es aus mit ihr. Ihr blieben
Einsamkeit und Alkohol - der Dank des Vaterlandes. Sie hatte Japan vor amerikanischen Kanonenkugeln
gerettet. Am Ende flogen Okichi nur noch die Fetzen um die Ohren. Deshalb stellt Bertolt Brecht in
seinem Stück die bange Frage: Was bloß macht die Heldin nach der Heldentat?
Man hatte gedacht, Brechts Werk sei bis auf die letzte Seite auch im Theater durchdekliniert.
Aber da wäre noch "Die Judith von Shimoda", die Geschichte einer Heldin aus dem Volk, auf die er im
finnischen Exil stieß. Der japanische Dramatiker Yamamoto Yuzo hatte ihr ein Stück gewidmet, und
Brecht hat es zusammen mit der finnischen Schriftstellerin Hella Wuolijoki bearbeitet:
Rahmenhandlung, fünf Szenen, den Rest in einer konservierenden Übersetzung.
Eine Brecht-Uraufführung! Aber die Zeiten der Brecht-Uraufführungen liegen weit zurück, und
jetzt ist keine Ära für Lehrstücke mehr. Was gibt es noch zu erklären oder zu durchschauen? Die
Frechheit der Klarheit hat begonnen. Ein Brecht-Theater für heute kann nicht mehr nur das System
dahinter zeigen, es geht um die Illusionen und das Leiden davor. Die Geisha ist zwar einerseits ein
Beispiel, andererseits und vor allem aber eine Frau mit einem Schicksal, mit Mut, mit Illusionen,
konfrontiert mit dem ganzen Katzenjammer unseres Lebens. Der Rest vom klassischen Brecht: der
Kommentar, die möglicherweise hilflose Geste des Aufklärens.
Helmut Schödel
Zum Inhalt
Der japanische Politiker Akimura lässt für seine westlichen Besucher die ersten Szenen eines
Stückes über die historische Heldentat der Geisha Okichi aufführen. Doch die Gäste geben sich nicht
mit der Erklärung zufrieden, die Heldin habe einfach ihre Tat vollbracht und sei danach wieder in
der Masse verschwunden. Szene für Szene fordern sie, dass die Handlung fortgesetzt und die Wahrheit
über Okichis gesamtes Schicksal gezeigt wird:
Mitte des 19. Jahrhunderts versucht die USA, Japan den Freihandel aufzuzwingen. Weil das
Gesetz Kontakte der Bevölkerung mit Ausländern verbietet, hat der amerikanische Konsul
Schwierigkeiten, Dienstpersonal zu rekrutieren. Nachdem ihm die japanischen Behörden dabei nicht
behilflich sind und auch kein Vertrag mit dem Kaiser zustande kommt, droht er mit dem Angriff auf
Japan durch Kriegsschiffe. Daraufhin verpflichtet die Verwaltung von Shimoda die Geisha Okichi, dem
Konsul "zu Diensten" zu sein. In der entscheidenden Nacht vor dem Angriff rettet Okichi ihre
Heimatstadt, indem sie dem kranken Konsul Milch verschafft und ihn dadurch so beschwichtigt, dass
er die schon beschlossene Beschießung aufgibt. Obwohl Okichi Shimoda gerettet hat, wird sie vom
Staat fallen gelassen, da das japanische Gesetz verbietet, Kuhmilch zu melken und zu trinken. Die
Verachtung ihrer Landsleute gegen eine "Ausländerhure" lassen sie zum Alkohol greifen, ihre Ehe
geht in die Brüche und sie verarmt zusehends. Jahre später ist aus ihrer Tat ein Mythos geworden:
Ein Straßensänger lobt eine reine, heldenhafte Okichi, die es so nie gab.
Die Judith von Shimoda - der Titel bezieht sich auf die biblische Geschichte von Judith
und Holofernes - ist ein bisher noch weitgehend unentdecktes Stück, an dem Brecht 1940/41 mit der
finnischen Schriftstellerin Hella Wuolijoki arbeitete. Die Grundlage des Stückes war ein 1930
veröffentlichtes Drama des japanischen Autors Yamamoto Yuzo (1887 - 1974), in dem die historisch
belegte Geschichte der japanischen Sängerin und Geisha Okichi erzählt wird. In Brechts Nachlass
fanden sich nur fünf von elf geplanten Szenen der Bearbeitung, doch der Nachlass von Hella
Wuolijoki enthielt eine finnische Gesamtfassung des Stückes, aus der Hans Peter Neureuter eine
Spielfassung rekonstruierte.
Im Militzke Verlag neu erschienen: "Da ich aber eine sehr unverwüstliche Frau bin..." die
Lebensgeschichte von Hella Wuolijoki, erzählt von Erkki Tuomioja.
Pressestimmen:
Aber dann tritt Mavie Hörbiger auf und macht alles richtig. Verwandelt das naturalistische Gepolter
in ein Schauspiel, führt den globalen Konflikt als private Tragödie vor, erzählt in schlichten
Gesten die Geschichte vom Scheitern des anständigen Menschen in einer korrupten Gesellschaft. Eine
ganze Weile steht die zierliche Person mit der turmhohen Frisur nur still da und lässt uns ihren
Kimono bewundern. Dann, in einer plötzlichen kleinen Bewegung, wendet sie sich dem Publikum zu,
mustert kurz ihren Gegenspieler, einen Beamten der Stadt Shimoda, und sagt angriffslustig: „Ich bin
keine Dienstmagd, ich bin Sängerin.“ Mavie Hörbiger spricht mit einer Herablassung, die zu ihrer
Titelrolle als berühmte Geisha passt, aber in einem lässigen Ton, der ihr eigener ist. So muss man
Brecht spielen: Eine Figur darstellen, aber man selbst bleiben. Mavie Hörbiger bleibt auch im
Kimono die Jungmimin aus München, die Schöne des Jahrgangs 1979, die erprobte Viva-Moderatorin, die
manchmal auf einem Motorroller durch Wien braust (...). (Die Zeit)
Brechts "Judith" ist eine wunderbare Partie für jüngere, charismatische Schauspielerinnen. Sie wird
vielleicht einmal in einem Atmezug mit Medea oder Nora genannt werden. Da kann man nur von einer
echten Bereicherung der Theaterliteratur sprechen. In der Josefstadt beherrscht Mavie Hörbiger
diese Partie exzellent: Sie spielt die japanische Geisha, die den amerikanischen Kriegsgegenern
unter größter Selbstverleugnung zu Diensten ist, um die japanische Heimat vor der Zerstörung zu
bewahren, in allen Nuancen. (Österreich)
Mavie Hörbiger meistert ihren Part mit Charisma, Konzentration und Können. (News)
Mavie Hörbiger - eine fragile Okichi im klassischen Kimono - überzeugt als junge Frau, die
einerseits die strengen Regeln und Normen ihrer Kultur verinnerlicht hat und trotzdem über
Spontaneität und Zivilcourage verfügt. (Wiener Zeitung)
Dieser Theaterabend lohnt sich durchaus – wegen eines Schauspielerinnengesichts. Das Gesicht Mavie
Hörbigers. (...) Sie ist eine Frau von 1856, die im japanischen Shimoda dem amerikanischen Konsul
Harris als Konkubine dient, der daraufhin ablässt, die Stadt mit Kanonenbooten anzugreifen. Okichi
opfert sich fürs Vaterland. Mavie Hörbigers Gesicht zeigt: Ich bin mein eigenes Vaterland. (FAZ)
Mavie Hörbiger als Okichi (...) zeigt Schauspielertheater auf der Höhe der Zeit. Ihr Umgang mit
Sprache ist modern, ihre Gesten frei von falschem Pathos. (Nachtkritik.de)
Mavie Hörbiger spielt diese Heldin in Japan von Mitte des 19. Jahrhunderts mit Verve und Elan. (Salzburger Nachrichten)
Mavie Hörbiger spielt das mit viel Kraft und Persönlichkeit: Ihre Figur bleibt eine moderne, sie
raucht die Zigaretten wie ein Kind vom Bahnhof Zoo und trinkt den Sake, den japanischen
Reiswein, zügig wie einen Energydrink. (Kronen Zeitung)
Mavie Hörbiger als „Heldin“ Okichi vermeidet Geisha-Klischees, bemüht sich um ein Schicksal und
seine Entwicklung, wird aber vom Stück im Stich
gelassen: Immerhin gibt es ein bisschen Ophelia-Wahn, bevor sie ihr trauriges Leben
aushaucht. (Neues Volksblatt)
Melodramatisch und in herrlich-schönen Bühnenbildern und Kostümen (Amra Bergman) zeigt er die
Oberfläche dieser Heldensage rund um den vorprogrammierten Abstieg der Okichi, gespielt von Mavie
Hörbiger, die damit ihre erste große Rolle in Wien spielt. (...) Doch erst im zweiten Teil gewinnt
die Inszenierung an Rhythmus, dafür ist vor allem Mavie Hörbiger verantwortlich, die in schwierigen
Szenen einen echten Ton trifft. (Die Furche)
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