|
Regie
Philip Tiedemann
Bühnenbild
Etienne Pluss
Kostüme
Stephan von Wedel
Musik
Ole Schmidt
Peter Egerman
Bernhard Schir
Katarina Egerman
Maria Köstlinger
Prof. Mogens Jensen, Psychiater
Alexander Strobele
Cordelia Egerman, Peters Mutter
Marianne Nentwich
Tomas Isidor Mandelbaum, genannt Tim
Sylvester Groth
Frau Anders, Peters Sekretärin
Elfriede Schüsseleder
Arthur Brenner, Peters und Katarinas Freund
Peter Scholz
Ka, Prostituierte
Silvia Meisterle
Ein Türsteher
Hans Wolfgang Pemmer
Der leitende Untersuchungsbeamte
Peter Moucka
unterstützt von
|
|
Ingmar Bergman
Aus dem Leben der Marionetten
Österreichische Erstaufführung
Premiere: 5. März 2009
Ingmar Bergman, 25. Januar 1979:
Im ersten Teil von „Szenen einer Ehe“ treten zwei wütende, chaotische Personen auf, die ich
Peter und Katarina nannte. Sie hätten für ihr Drama in den „Szenen“ eigentlich wesentlich mehr
Platz haben sollen, Johan und Marianne nahmen aber allen Raum in Anspruch, so dass ich das weitere
Geschick des schrecklichen Paars verschweigen musste.
Mit großer Hartnäckigkeit tauchten sie in meinen Plänen auf. Szenen formten sich und nun ist
das Drehbuch ein Fakt. Das Spiel bewegt sich auf verschiedenen Zeitebenen (vor und nach der
Katastrophe), außerdem sind Rückblicke eingeblendet.
Aus alter Gewohnheit erläutere ich im Vorwort meiner Drehbücher, warum ich den Film
geschrieben habe. Das ist nicht immer leicht.
Es droht die Gefahr von Rationalisierungen und neunmalklugem Gerede. Hier ist es aber
einfach: Warum kommt es bei einer in jeder Hinsicht angepassten und gutsituierten Person zu einer
Kurzschlussreaktion? In kurzen, häufig unterbrochenen oder absichtlich auseinandergerissenen Szenen
versuche ich (der Außenstehende), eine Art Protokoll zu erstellen. Ich habe auf jede Einmischung
verzichtet, was natürlich heißt, dass Objektivität trotzdem reine Illusion wäre.
Keiner der Auftretenden kann den Anspruch erheben, das Drama zu erklären oder zu
verdeutlichen. Alle sind darin verstrickt und dadurch verwirrt. (Der Psychiater, der von Berufs
wegen dem Verständnis am nächsten stehen sollte, ist am weitesten davon entfernt.)
Jeder, der Lust hat oder es spannend findet, soll seine eigenen Schlüsse ziehen; und wer
keine Lust hat, kann das Ganze hoffentlich eine Zeitlang als eine Art von Unterhaltung betrachten.
Im Laufe des Jahres 1979 drehte Bergman den Fernsehfilm „Aus dem Leben der Marionetten“ (mit
Robert Atzorn, Christine Buchegger und Martin Benrath) und notierte:
Er stieß weitgehend auf Ablehnung, gehört aber zu meinen besten Filmen, eine Ansicht, die von
einigen wenigen geteilt wird.
Ingmar Bergman, 14. Dezember 1979:
13:45 – Wir bereiten die letzte Einstellung vor – dann ist Schluss (für immer??), ein Gefühl,
wie unfassbare Erleichterung. Und eine überraschende Traurigkeit. Sowas gibt’s. No, keine
Sentimentalität. Ich habe einen scheußlichen, langweiligen, ungemütlichen, grauen, eigenartigen
Film gemacht! Jawohl. Und das freut mich.
Ingmar Bergman, 21. Dezember 1979:
Nach Abschluss der Dreharbeiten erhöhter Blutdruck. 155/90.
Ingmar Bergman, der große Psychologe des europäischen Kinos, erzählt mit seinem 1980
verfilmten Stoff die Geschichte eines Mordes inmitten der bürgerlichen Gesellschaft. Und stößt in
ihren Mechanismen auf eine quälend-schwelende Mixtur aus Einsamkeit, Lebensüberdruss, Ängsten und
albtraumhaften Phantasien. Alle Figuren spüren intelligent und beredt ihrem Unglück hinterher, alle
sehnen sich nach wahrhaftiger Nähe, nach einem Ausbruch aus dem Gewohnten. Doch die Schmerzen, die
Explosion, die Katastrophe sind nicht weit entfernt.
Pressestimmen:
Sein bubenhafter Charme kommt Schir auch diesmal zupass. Peter, der ewige Kindskopf, das
Muttersöhnchen, der geile Bock, der Mörder – all dies verbindet sich in ihm. Noch den
Tennisschläger in der Hand, sitzt er bei Jensen in der Praxis, starrt auf seine Schuhspitzen,
erzählt von mörderischen Albträumen und muss sich abkanzeln lassen: Einen Spaziergang soll er
machen, einen Cognac trinken. Und nächsten Donnerstag wiederkommen, da hat Jensen, der Freund, ein
paar Stündchen Zeit. Dann wird Peter hinauskomplimentiert, denn Jensen hat ein Stelldichein. (FAZ)
Wenn Philip Tiedemanns Inszenierung von Bergmans Text im Theater an der Josefstadt eher wohliges
Schaudern als echte Erschütterung produziert, dann ist das durchaus dem Werk entsprechend: Unter
Best-of-Entfremdung-Sagern wie „Leute wie du glauben ja nicht an die Existenz der Seele“ oder „Im
Bett haben wir’s fabelhaft! Wir lieben ohne Gefühl“ gefriert jedes Leiden zur gefälligen Pose. Das
Ergebnis sind eindreiviertel Stunden kompetentes Seelenboulevardtheater mit kurzweilig eingesetzter
Bühne (Bühnenbild: Etienne Pluss), engagiertem Spiel (schön herb: Maria Köstlinger als Egermans
Gattin Katarina) (..). „Alle Wege sind versperrt“ erklärt Peter (souverän: Bernhard Schir) immer
wieder. (Falter)
Am Anfang steht ein Mord, den man am Ende noch einmal sieht – so brutal als Sex & Crime-Szene
ausgespielt, dass es dem Josefstadt-Publikum fast den Atem verschlägt. (...) Rund um den Mord an
einer Prostituierten blättert das Stück in Gegenwart und Rückblenden auf. Gnadenlos analysiert und
verdammt Bergman eine Yuppie-Gesellschaft, die uns – obwohl das Stück 30 Jahre alt ist – gar nicht
so fremd vorkommt. Regisseur Philip Tiedemann inszeniert den Abend mit kompromisslos seelischer
Grausamkeit. (Vorarlberger Nachrichten)
Maria Köstlinger (...) schafft mit Marianne Nentwich den stärksten Moment des Abends: Sie zeigt
kurz nach der Untat an der Hure Ka (Silvia Meisterle) all den Schmerz hinter einer nur scheinbar
starken Hülle. Überzeugend auch der Kurzauftritt von Peter Scholz als Freund Arthur. (Kronen Zeitung)
Regisseur Philip Tiedemann geht sehr intelligent mit der kargen, intensiven Vorlage um, ebenso
Bernhard Schir, Fernsehstar mit Innsbrucker Wurzeln, der den Peter außerordentlich authentisch und
uneitel anlegt. Maria Köstlinger ist eine ebenbürtige Katarina: Die Szenen jener erbärmlichen,
hilflosen Zweisamkeit der Eheleute gehören zum Best-of der letzten Josefstadt-Jahre. (Tiroler Tageszeitung)
Tolle Schauspieler wie Bernhard Schir (Egerman) oder Maria Köstlinger (seine Frau). (Kurier)
Regisseur Philip Tiedemann inszeniert den Abend in einem Bühnenbild von Etienne Pluss, dass die
glatte, geschmäcklerische Atmosphäre dieser Welt glänzend widerspiegelt. Bernhard Schir steht als
Peter Egerman faszinierend wie ein einziges Stück Schmerz da und weiß sich in dieser Welt und in
diesem Leben nicht zu helfen. Er scheitert an vielem, auch an der kühlen Unbestimmtheit, die Maria
Köstlinger als seine Frau umgibt. Die beiden sind von einer Menge Nebenfiguren umgeben, aus denen
eine geradezu herausstrahlt: Der homosexuelle Künstler Tim hat zwar nur am Rande eine Funktion im
Geschehen, aber wie der TV-bekannte Sylvester Groth ihn spielt, lässt das Publikum den Atem
anhalten. Die seelischen Abgründe, die da von der Bühne in den Zuschauerraum strahlten, wurden
geradezu schockhaft spürbar. (Neues Volksblatt)
Köstlinger leistet (...) tolle Überzeugungsarbeit, so wie Schir. (Presse)
Gegenwart und Rückblicke geschickt verbindend (...), setzt sich in Mosaiksteinen das Bild der
Verzweiflung zusammen, die zur Tat führte. (..) Diesen Egerman spielt Bernhard Schir und es ist ein
Glücksfall, dass die Josefstadt diesen Schauspieler immer wieder aus seinen Fernsehrollen
herausholt. (Der neue Merker)
Schir gibt (...) die bürgerliche Ausgabe einer Brecht-Figur. (Standard)
|
|