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Regie
Peter Wittenberg
Bühnenbild und Kostüme
Florian Parbs
Musik
Roland Neuwirth
Alter Moser
Erwin Steinhauer
Junger Moser, sein unangenehmes Alter Ego
Florian Teichtmeister
Blanca Moser, seine Frau
Sandra Cervik
Paul, Schauspieler
Martin Zauner
Theaterdirektor / Hitler / Maskenbildner
Hubsi Kramar
Wackel, Spitzel, Hitlers Adjutant
Alexander Pschill
Extremschrammeln
Roland Neuwirth
Manfred Kammerhofer
Igmar Jenner
Marko Živadinović
Doris Windhager
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Franzobel
Moser
oder Die Passion des Wochenend-Wohnzimmergottes / Uraufführung
Premiere: 25. Februar 2010
Hans Moser, dieser Wiener Charlie Chaplin, Volksschauspieler schlechthin, brachte wie kein anderer
den typischen Österreicher zum Ausdruck. Mit seiner kauzigen Art, seinem watschelnden Gang, seinem
G’schau und dem berühmten Nuscheln verkörperte er den hierzulande gängigen Eigensinn, die
unbestechliche Souveränität des kleinen Mannes. Für mich ist Hans Moser, diese große Kunstfigur des
Raunzens, aber auch ein Wiener Bruder Gustaf Gründgens´, ein Mephisto. Die Nazizeit brachte ihn,
den Unpolitischen, steil nach oben. Er wurde bestverdienender Schauspieler, musste aber damit
fertig werden, dass seine geliebte jüdische Frau nach Budapest und seine Tochter nach Buenos Aires
flüchten mussten. Er hatte enormen Erfolg, wurde von den Massen geliebt, verkörperte das minimal
widerständige Österreich und war doch einsam und unglücklich.
Ich sehe in Hans Moser eine große Kulminationsfigur des 20. Jahrhunderts. An ihm lassen sich
Hoffnungen und Ängste, Couragiertheit und Durchlavieren zeigen, Macht und Ohnmacht des Einzelnen in
den Mühlen der Geschichte. So wie er die kleinen Spielräume seiner festgeschriebenen Rollen nützte,
extemp- orierte, ist er noch immer Sinnbild für die Freiheit auf österreichisch.
Franzobel
Hans Moser 6.8.1880 - 19.6.1964
Einer der wohl populärsten österreichischen Schauspieler debütierte bereits 1902 unter der
Direktion von Josef Jarno am Theater in der Josefstadt. Er blieb jedoch nur fünf Jahre, um
schließlich 1925 unter Max Reinhardt zurückzukommen. Nun gehörte er bis 1939 dem Ensemble an und
spielte Rollen wie den Major Paul Petkoff in Shaws
Helden, den Melchior in Nestroys
Einen Jux will er sich machen, den Probstein in Shakespeares
Wie es euch gefällt und den Fortunatus Wurzel in Raimunds
Der Bauer als Millionär. Nach zwei weiteren Auftritten 1952 und 1953 kehrte er 1961
nochmals ans Theater in der Josefstadt zurück, als Flickschuster Pfrim in Nestroys
Höllenangst.
Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, studierte von 1986 bis 1994 Germanistik
und Geschichte in Wien. Während seines Studiums war er als Komparse am Wiener Burgtheater tätig und
beschäftigte sich bis 1992 intensiv mit Malerei und Concept Art. Heute arbeitet Franzobel als
freischaffender Schriftsteller, und seine literarische Bandbreite ist enorm: Er schreibt Romane,
Gedichte, Theaterstücke, Hörspiele und Kinderbücher. Für seine Erwachsenenbücher erhielt Franzobel
zahlreiche Preise und Auszeichnungen.
„Franzobels Welt ist verschroben aktuell, zeitgeschichtlich auf dem neuesten Stand und
massenpsychologisch vielleicht sogar noch weiter. In deutschen Feuilletons schmückt man ihn mit den
Beinamen Worterfindungsmeister, barocker Geschichtenerdenker und Menschenkenner.
Fußballmetaphorisch ist der regelmäßig in Argentinien weilende Schriftsteller eindeutig der
Goleador der österreichischen Gegenwartsliteratur. Franzobel kreiert einen Erzählstil, der vor
skurriler Metaphorik und semantischen Finessen, vor Neologismen und Klangmalereien nur so sprüht
und funkelt. Vorsicht: Suchtgefahr!" (Die Zeit)
Pressestimmen:
Hier wird weder einem Denkmal ans Standbein gepinkelt noch wird es vom Sockel gestürzt. Franzobel
hat ein beinah liebenswürdiges Trash-Drama verfasst, das mit Kalauern ("Wein ins Reich" gehört zu
den besseren) und Klischees jongliert, um diese dann, wohl ohne Absicht, zu bestätigen. Moser kommt
im Doppelpack - als junger (Florian Teichtmeister) und als alter (Erwin Steinhauer) - in den
Nazi-Himmel. Auch der hängt voller Geigen. Theaterdirektor des himmlischen Heurigenetablissements
ist kein Geringerer als Adolf Hitler. Hubsi Kramar, Provokateur vom Dienst, verleiht ihm sein
bereits anno 2000 beim Wiener Opernball bewährtes, einst polizeilich behindertes Karikaturenformat.
Obendrein treten Moser-Imitatoren sowie Sandra Cervik als Blanca Moser auf, die mit ihrem Charme
den Gröfaz beeindruckt.
Das Moser-Duo hat sich übrigens wegen Mangels an nationalsozialistischem Engagement zu
rechtfertigen, damit es auch im Jenseits engagiert wird. Dies alles wirkt recht nett und erreicht
zuweilen trotz der Regiebemühungen von Peter Wittenberg das Niveau der nach unten offenen
Qualitätsskala des Villacher Faschings. Und weil des Witzes Würze Kürze ist, zieht sich die
halblustige Sache - das Mosern ist Franzobels Lust, das Mosern - bis zur abschließenden Apotheose
gewaltig. Zärtliche Satire ist leider ein Widerspruch in sich. (Die Welt)
Mit allen Elementen einer Farce zieht das Stück bunt und trashig vorüber, es gibt
Moser-Doppelgänger (da tun sich Martin Zauner und Alexander Pschill hervor), Sandra Cervik ist eine
resolute Blanca, die sogar Hitler weich kriegt. Regisseur Peter Wittenberg zerblödelt mit Gags auch
denkbare tragische Momente, Hubsi Kramar als hölzerne Hitlerkarikatur kommt nicht über die
Eindimensionalität hinaus. Roland Neuwirth und die Extremschrammeln liefern als Engelskapelle den
wienerischen Sound.
Franzobel liebt das Wortspiel und nicht sonderlich neue Kalauer, was durchaus unterhaltsam
sein kann. Der tiefere Sinn oder gar eine an- und aufregende Auseinandersetzung mit Macht und
Mitläufertum bleiben aus. (Salzburger Nachrichten)
Überraschenderweise ist im Himmel der Himmelsvater Hitler, nicht ganz unsympathisch, sein
Antisemitismus ist ihm etwas peinlich und er macht auch der jüdischen Gattin Mosers, als sie
ebenfalls im Himmel auftaucht, gleich den Hof. Das 1000-jährige Reich ist in den Himmel umgezogen.
Moser soll Hitler nun zeigen, dass er arisch spielen kann. Franzobels Theaterstück ist somit ein
Wettkampf der Imitatoren, den Hans-Moser-Imitatoren (Erwin Steinhauer und Florian Teichmeister)
steht in der Josefstadt der bekannte Hitler-Imitator Hubsi Kramer, Kramer übrigens auch ein
Feindbild der FPÖ, gegenüber.
Dass man den Nationalsozialismus als Trash-Komödie vorführen kann, stört nicht, doch trotz
der grellen Einfälle bleibt die Aufführung bieder. An Taboris Stück "Mein Kampf" reicht Franzobel
nicht heran, auch wenn er wie Tabori den verkrachten Künstler Hitler vorführt, auch nicht an die
abgründigen Wortvehedderungen Elfriede Jelineks, die in "Burgtheater" und "Macht nix" viel
unheimlicher die Rolle der "Volksschauspieler" im Nationalsozialismus zum Thema zu machen wusste.
Nicht einmal die meist sehr destruktive Boshaftigkeit Mosers in seinen scheinbar harmlosen
Heimatfilmen wird sichtbar.
Regisseur Peter Wittenberg macht das Beste daraus, er lässt einfallsreich "das Theater im
Himmelstheater" in einem riesengroßen Radio "Volksempfänger" (Bühne: Florian Parbs) spielen, der
Vorhang ist die Lautsprecherwand. Möglicherweise entfaltet Franzobels Stück außerhalb Wiens mehr
Schärfe; in Wien wurde es eher als nettes Kabarett aufgenommen. Und der Verweis auf die
österreichische Mehrdeutigkeit - Widerstand und gleichzeitig Mitläufertum - wirkte in Österreich
nämlich dann doch ein wenig kokett. (Deutschlandradio)
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