|
Regie
Franz Xaver Kroetz
Bühnenbild
Götz Loepelmann
Kostüme
Erika Landertinger
Der alte Moser
Joachim Bißmeier
Marie, seine Tochter
Gerti Drassl
Frau Richter, Mosers Schwägerin
Elfriede Schüsseleder
Katharina, ihre Tochter
Susanne Wuest
Doktor Schindler, Arzt
Peter Scholz
Eduard Rainer, Forstadjunkt
Florian Teichtmeister
Der Oberst
Toni Slama
Irene, seine Frau
Hilde Dalik
Max, junger Offizier
Alexander Pschill
Sebastian, Unteroffizier
Mario Hellinger
|
|
Arthur Schnitzler
Der Ruf des Lebens
Premiere: 19. April 2007
"Ich habe eine Tochter, für die ich mich geplagt habe", sagt der alte, kränkelnde Rittmeister Moser
in Arthur Schnitzlers
Der Ruf des Lebens (1906), "dreißig Jahre lang, die es mir
verdankt, dass sie auf der Welt ist ... wozu zöge man Kinder auf, wenn sie in der schwersten Stunde
sich davonstehlen dürften?"
Vom absoluten Gehorsam, den der Vater von Marie verlangt, von der Abhängigkeit, in der die
Tochter gehalten wird, muss sie sich befreien, wenn sie dem Ruf des Lebens folgen will.
Pressestimmen:
Bravos statt Buhs für "Der Ruf des Lebens": Vor seiner ersten Wiener Inszenierung im Theater in der
Josefstadt hatte Franz Xaver Kroetz "Blut, Sperma und Tränen" angekündigt. Doch aus dem erwarteten
Skandal wurde nichts. Seine Inszenierung des selten gespielten Dramas "Der Ruf des Lebens" von
Arthur Schnitzler wurde von dem als konservativ verschrienen Premierenpublikum mit freundlichem
Applaus bedacht. Bravos statt Buhs gab es für das engagiert spielende Ensemble, aber auch für
Kroetz, der im grauen Zweireiher vor dem Publikum artige Diener machte. (Die Zeit)
In einem gelungenen Coup konnte für das trostlose Stück der als Autor, Schauspieler und Regisseur
gleichermaßen berühmte Franz Xaver Kroetz gewonnen werden und „Baby Schimmerlos“ aus der populären
TV-Serie „Kir Royal“ macht seinem Ruf alle Ehre, selbst wenn ihm der letzte Akt viel zu lang
geriet. Faszinierend dafür, was voranging: Joachim Bißmeier in der grandiosen Studie eines
bösartigen, verbitterten alten Mannes, dessen Erscheinung und Stimme den Atem stocken lässt. Gerti
Drassl als die tyrannisierte Tochter beeindruckt als die Verlorene in ihrer Liebessehnsucht noch
mehr als die übrigen Darsteller in ihren scharf umrissenen Rollen. Das Publikum, nach dem ersten
Akt hellauf begeistert applaudierte zuletzt gemessen höflich. (Neues Volksblatt)
Das Ensemble scheint hoch motiviert und zeichnet jeweils die trotz der Kroetz’schen Zuspitzung
ambivalenten Charaktere in ihren Zwängen und Sehnsüchten ausgezeichnet. Joachim Bißmeier liefert
die Studie eines bösen alten Tyrannen, seine Tochter Marie spielt Gerti Drassl zwischen
abgrundtiefer Verzweiflung und tiefem Lebenshunger. Peter Scholz ist der dubios auftretende
Doktor, Florisn Teichjtmeister erheitert ein wenig mit seinen Bemühungen, als
Forstadjunkt der großstädtischen Sprache gerecht zu werden und rührt fast als enttäuschter
Brautwerber. (Salzburger Nachrichten)
Erwartungsvoll durfte man der Josefstädter Premiere entgegensehen. Handelt es sich doch um den
ambitionierten Versuch, einen so gut wie vergessenen Schnitzler fürs Theater neu zu entdecken - mit
Franz Xaver Kroetz, der sich während der Arbeit in das Stück "verliebt" hat, als unkonventionellen
Regisser und einer erstklassigen Besetzung. (Wiener Zeitung)
Wie komplex das Werk von Arthur Schnitzler sein kann, wenn man es von innen her aufwühlt,
demonstriert Franz Xaver Kroetz´ unterschätzte Regie. Seine Inszenierung des selten gespielten
Stücks „Der Ruf des Lebens“ ist ein packendes Psychodrama der Jahrhundertwende. Wenn auch nicht
immer mit größter Präzision, arbeitet er doch die großen Konflikte mit archaischer Wucht heraus:
zwischenmenschliche Katastrophen - eine Tochter wird vom Vater gequält, bis sie ihn umbringt,
die letale Sinnlosigkeit militärischen Kadavergehorsams, die albernen Rituale der Männerehre.
Befreit vom Kammerton agieren die Figuren auf Götz Loepelmanns Bühne, als wären sie von Thomas
Bernhard, Ibsen oder Kroetz selbst.
Der Abend erreicht ein hohes Maß an Beklemmungsfähigkeit. Der finale Totentanz fügt eine oft
brüchige, vielleicht auch bewusst fragmentarische, aber alles in allem schätzenswerte Inszenierung
zu einem guten Ganzen. (News)
Interessanterweise klingt dieser Schnitzler nicht nach Schnitzler. Der Doktor ist etwa eine
typische Tschechow-Figur. Die schwindsüchtige, lebensgierige Katharina erinnert an Wedekind. Und
der böse, alte Vater wirkt wie eine Vorahnung von Thomas Bernhard. (Kurier)
Das Ensemble hätte Kraft und Talent zur Typenzeichnung in sich: Bißmeier und Drassl sind
schlichtweg fulminant, Susanne Wuest imponiert im tuberkulösen Vergehen des jungen Lebens. Und von
Alexander Pschill bis Hilde Dalik passen alle Figuren bestens. Sehr matter Applaus ohne den
kleinsten Unmut. (Kronen Zeitung)
|
|