Regie
Ingo Berk
Bühnenbild
Damian Hitz
Kostüme
Renáta Balogh
Musik
Patrik Zeller

Henrik
Helmuth Lohner
Konrad
Gerhard Balluch
Nini
Gerti Pall

Helmuth Lohner


unterstützt von


Christopher Hampton nach Sándor Márai
Die Glut
Produktion des Schauspielhaus Graz

Premiere: 15. April 2010

Termine und Karten

Details > Schauspielhaus Graz

In einem ungarischen Schloss im kriegserschütterten Europa der 1940er Jahre erwartet Henrik, ein General der k.u.k Armee im Ruhestand, die Ankunft Konrads. Es ist die erste Begegnung des Freundespaars seit mehr als vierzig Jahren. Nach einer seltsamen Begebenheit, die sich während eines Jagdausflugs ereignete, verließ Konrad damals über Nacht und ohne eine Nachricht zu hinterlassen seine Heimat und floh in die Tropen. Nun sehen sich die beiden Freunde als alte Männer wieder, um sich ein erstes Mal mit den folgenschweren Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit zu konfrontieren. Henrik hofft, in dieser Nacht die Antworten zu erhalten, auf die er seit Jahrzehnten wartet. Sein Freund aber kontert mit Schweigen. Es kommt zu keiner Aussprache. Stattdessen entwickelt sich aus dem nächtlichen Gespräch eine wortreiche Suche Henriks auf die Fragen nach Liebe, Schuld und verratener Freundschaft.

Sándor Márais berühmtester Roman erschien bereits 1942, doch erst ein halbes Jahrhundert später wurde er zum Welterfolg. Als Kammerspiel komponiert, ist er für eine Dramatisierung geradezu prädestiniert.



Pressestimmen:

Die Adaption von Sándor Márais Roman "Die Glut" im Schauspielhaus Graz gerät mit einem brillanten Helmuth Lohner zu einem denkwürdigen Stück Theaterkunst. (...) Diese scheinbar unverbrüchliche Freundschaft, die durch Absichten, nicht Taten mit einem Mal auf Kimme und Korn stand, nahm der Ungar Sándor Márai zum Explosivstoff für seinen faszinierenden Roman. Der britische Oscar-Preisträger Christopher Hampton hat daraus ein Drama geformt, das nun vor seinen Augen am Grazer Schauspielhaus zur deutschsprachigen Erstaufführung kam. Und als großer Theatersieg gelten kann. Triumph vor allem für und durch Helmuth Lohner. Hacklerregelung für ihn, der den zweiten Teil des beeindruckenden Abends quasi im Monolog stemmt. Aber noch mehr als die Textmasse ist die Intensität, mit der er den pensionierten k.u.k.-General Henrik gibt, der in einem bitteren Cocktail aus Aggression und Resignation seinen Freund zur Rede stellt, ohne auf Widerrede zu stoßen. Seelenqual oder Selbstanklage, Erstarrung oder Furor in fast thomasberhardscher Manier - all das zaubert die 76-jährige Wiener Bühnenlegende mit Gesten, Blicken und prägnanter Rauhfaserstimme quasi aus dem Schauspielärmel. Karg aber imposant auch das Bühnenbild von Damian Hitz, der das Jagdschloss in eine strenge Isolationszelle transportiert, durch deren Gitterstäbe und Jalousien das Licht des Lebens draußen nur noch dazu taugt, die Einsamkeit drinnen zu schraffieren. Großer Jubel vom Premierenpublikum mit starker Wiener-Beteiligung für einen denkwürdiges Stück, vor allem für Helmuth Lohner, der "Die Glut" anfacht zu hohen Theaterflammen.
(Kleine Zeitung)

Helmuth Lohner freilich ist eine glänzende Besetzung für diese Rolle. Die quälende Frage nach dem Verrat wird bei ihm zum greifbaren, ja körperlichen Unbehagen. Hier ist ein Meister seines Faches am Werk, der es immer wieder schafft zu berühren. (...) ihm zuschauen ist ein reines Vergnügen.
(Kronen Zeitung)

Grandios! (...) wohl einer der größten Erfolge der Intendanz Anna Badoras. Berks Regiekonzept ist genial minimalistisch, die Personenführung vertraut vor allem auf die Präsenz der Akteure, vor allem Helmuth Lohners, der mit jedem Wort, jeder Geste beweist, dass er einer der ganz großen Darsteller deutscher Zunge ist. Auch Gerhard Balluch als Konrád zeigt seine große Klasse im knappen Dialog und im stummen Spiel. Gerti Pall als weltweiser, unbedingt liebender Nini möchte man auf offener Bühne die Hände küssen. Ganz großes Theater!
(Woche)

Am Ende langer Jubel und stehende Ovationen im Grazer Schauspielhaus.
(Salzburger Nachrichten)

Regisseur Ingo Berk hat auf genaue Gesten und präzise Sprache gesetzt, und das Konzept ging auf. Helmuth Lohner zeig in diesem Beinahe-Monolog die ganze Bandbreite seines Könnens fernab von billiger Effekthascherei. Er stellt die gequälte Seele dieses Mannes in kleinen Blicken, in fast zufälligen Handbewegungen, in der Körperhaltung zu Schau.
(APA)

Das Stück beschwört mit großer Geste die großen Themen des Lebens. Die unaufdringliche, atmosphärische Musik Patrik Zellers untermalt ein enigmatisches Kippbild für einen Schatten - Kristine, die verstorbene Ehefrau. (...) Für Liebhaber zeitloser Qualität.
(Korso)

Regisseur Ingo Berk setzt auf theatralische Reduktion und verlässt sich auf die Aussagekraft der Bühne von Damian Hitz, auf Patrik Zellers suggestive Musik und auf die Erfahrung der drei Schauspieler. Darüber hinaus braucht er, um das Beziehungsgeflecht zu interpretieren, nichts als drei Sessel, die mit symbolischer Bedeutung aufgeladen werden. Mit jeder Handbewegung der Hand und des Kopfes, mit jedem Ton stellt Helmuth Lohner in der Rolle des Henrik hohe Darstellungskunst unter Beweis.
(Drehpunktkultur)