In Goldonis Komödie um Mirandolina ist alles möglich. Obwohl die Gesellschaft von Männern
beherrscht wird, hat eine Frau ein Gasthaus. Obwohl der Kellner ein armer Schlucker ist, nimmt ihn
die Wirtin zum Mann. Obwohl die Möglichkeit der Aristokratie unbegrenzt ist, lässt sich ein
Blaublut von der Wirtin pflanzen, rollen, reinlegen. Erst zeigt sie ihm die heiße Schulter. Kaum
fängt der arme Stockfisch Feuer, zeigt sie ihm die kalte Schulter. Bei Goldoni ist die
Selbständigkeit der Frau eine Frage des Charakters.
Ich liebe die Komödie, aber ich halte eben vieles nicht für möglich. Damals schon gar nicht
und heute noch immer nicht. In meiner Version schuftet und erniedrigt sich eine Frau jahrelang, bis
sie ein Gasthaus pachten kann. Der Kellner liebt die Wirtin, weil er zu einem Gasthaus kommen will.
Das Blaublut lässt sich von der emanzipierten Wirtin zwar anständig einseifen, schlägt aber dann
umso brutaler zurück.
Wer die Macht hat, hat die Möglichkeit. Kurz: Mein Stück zeigt den Zusammenhang zwischen
Liebe und Ökonomie.
Peter Turrini