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Regie
Herbert Föttinger
Bühnenbild und Kostüme
Rolf Langenfass
Musik
Christian Brandauer
Ludwig "Lou" Gandolf, Operettensänger
Norman Hacker
Elias Rotenberg, Schneider aus Budapest
Gideon Singer
Zsuzsa Breuer, Kontoristin
Katharina Pichler
Hannah König
Maria Urban
Jakob König, pensionierter Professor
Kurt Sobotka
Raphael Glasberg, Geiger
Aliosha Biz
Viktor Heller
Ljubiša Lupo Grujčić
Edvin Javor
Heinrich Herki
Imre Landau
Simon Dietersdorfer
Milli Moskovics
Barbara Fressner
Traudl Fasching, Bäuerin
Elfriede Schüsseleder
Stefan Fasching, Bauer
Branko Samarovski
Leopoldine Schrabacher, genannt Poldi, Magd
Daniela Golpashin
Anton Hochgatterer, Dorfgendarm
Toni Slama
Edi Kropfitsch, Hitlerjunge
Paulus Gaspari /
Laurens Lukele
unterstützt von
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Silke Hassler und Peter Turrini
Jedem das Seine
Premiere: 25. März 2010
Spieldauer: ca. 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause
Ende April 1945: In Wien wird die Provisorische Regierung der wiedererrichteten demokratischen
Republik Österreich ausgerufen. Auf der Ringstraße vor dem Parlament tanzen junge Wienerinnen mit
russischen Soldaten Walzer.
Zur selben Zeit in der österreichischen Provinz: Eine Gruppe von jüdischen Häftlingen wird
auf ihrem erzwungenen Fußmarsch Richtung Mauthausen in einen Stadel eingesperrt. Sie sind am Ende
ihrer Kräfte, der Hunger und die Kälte setzen ihnen noch weiter zu.
In dieser Situation beschließt ein Häftling, ein Operettensänger aus Budapest, gemeinsam mit
seinen Leidensgenossen und ein paar Bewohnern des nahegelegenen Dorfes, die ihnen unter
Lebensgefahr Essbares in den Stadel bringen, die Operette „Wiener Blut“ einzustudieren. Es fehlt
ihnen an allem, an Instrumenten, an Kostümen, an Kraft.
Das Stück erzählt den komischen, lächerlichen, berührenden Versuch, mit der Idee der Kunst zu
überleben. Und es beschäftigt sich mit einem weithin verdrängten Kapitel österreichischer
Geschichte: den Todesmärschen von Juden durch die österreichische Provinz im Frühjahr 1945. Diese
Todesmärsche waren begleitet von größter Brutalität seitens der bäuerlichen Bevölkerung gegenüber
den Juden und vom Gegenteil: Es gibt Zeugnisse größter Hilfsbereitschaft. Unter dem riesigen
Schatten des Holocaust, den monströsen Verbrechen des Nationalsozialismus, wollte sich Jahrzehnte
lang niemand - von einer neuen Generation junger Historiker abgesehen - mit dieser in
Österreich stattfindenden Tragödie in den letzten Kriegstagen und in den ersten Friedenstagen
beschäftigen.
Silke Hassler und Peter Turrini
Pressestimmen:
....ausgezeichnete Darsteller - an der Spitze Norman Hacker als Operettentenor Gandolf und Branko
Samarovski als Bauer (...). (FAZ)
Wien-Heimkehrer Norman Hacker, der in den 80er Jahren am Ensemble Theater engagiert war, später in
Graz und Hamburg zum Star wurde und künftig bei Martin Kusej in München spielen wird, ist als
Operettensänger Lou Gandolf ("Ich bin Nichtjude und Tenor") nicht nur Star und Initiator der
improvisierten "Wiener Blut"-Aufführung, sondern auch Mittelpunkt und Energiezentrum des bloß
eineinhalbstündigen Josefstadt-Abends: Den Tod vor Augen, steigert er sich in die Probenarbeit
hinein, und stürzt er ohnmächtig zu Boden, weiß niemand, ob sein Hunger oder seine Schauspielkunst
dafür verantwortlich sind.
Rund um ihn agiert ein starkes Ensemble, allen voran Gideon Singer als Budapester Schneider,
Kurt Sobotka als alter, gebrechlicher Professor, der am Klavier ein ganzes Operettenorchester
ersetzen soll, und Maria Urban als seine Frau. Elfriede Schüsseleder ist eine resolute Bäuerin, die
ihrem noch immer mit Nazi-Gedankengut verpesteten Mann (stark: Branko Samarovski) ordentlich Saures
gibt, Daniela Golpashin eine liebenswert-naive Magd, die auf die Rückkehr ihres bei der SS
dienenden Verlobten hofft, Toni Slama ein unmenschlicher Dorfgendarm, den es nur um Zahlen auf
seiner Liste geht. (APA)
Das Theater als politischer Seismograf ist noch nicht außer Betrieb. An der „Josefstadt“ zeigt man
zu Zeiten der massiv erstarkenden Rechten ein großartiges Stück zur Lage. (...) Herbert Föttinger
erzählt klar und packend die Geschichte und vertraut dem Text. Ein Pianino, ein Leiterwagen und ein
Koffer sind Requisiten genug. Glänzend geführte Schauspieler tun das ihre. Im Zentrum steht Norman
Hacker als Tenor Gandolf, ein Jude, der leugnet, einer zu sein, ein ohnmächtiger Machtmensch, der
noch in auswegloser Situation befehlen will. Wie besessen weist er seine Mithäftlinge in die Welt
der Operette ein. Wenn er in Todesangst den Inhalt von „Wiener Blut“ erzählt, zeigt er, welcher
Magie pures, engagiertes Theater fähig ist.
Kurt Sobotka und Maria Urban als altes jüdisches Paar und Branko Samarovski als Nazi-Bauer
ergänzen formidabel. Auch vom übrigen Ensemble kann man nur Gutes berichten. (News)
Herbert Föttinger hat dieses Werk wider das Vergessen, wider das Verdrängen fürs Theater in der
Josefstadt inszeniert. Eine sehr feinfühlige Arbeit ist das geworden, so entsetzenerregend wie
notwendig, so schelmisch wie möglich.
Elfriede Schüsseleder brilliert als misstrauische, durch zu viele Tränen hart gewordene
Bäuerin Traudl Fasching, die sich vom Faschismus infiltrierten Ehemann (Branko Samarovski) nicht
einschüchtern lässt. Tosender Applaus. (Kurier)
...grandios: Norman Hacker. (Die Presse)
Herbert Föttingers souveräner Zugriff auf den heiklen Stoff: Der Josefstadt-Chef lässt vor kalter,
schwarzer Bühnenwand spielen und verdichtet den Stoff auf eineinhalb unpeinliche Stunden. Norman
Hacker gewinnt dem aberwitzigen Operettenregisseur spannende Facetten ab. [...] solide Leistung: So
einheitlich überzeugend hat man das hochkarätig besetzte Ensemble lange nicht mehr gesehen. (Profil)
Im liebenswürdigen Menschenpark dieser gleichwohl halbdunklen Aufführung gleichen Täter und Opfer
einander aufs Haar.
Mit der einen großen Ausnahme des Kušej-Schauspielers Norman Hacker: Der bleibt bis zuletzt
eine Rätselgestalt am Rande des Nervenzusammenbruchs. Er nimmt den Drive der Operette wie eine
zersetzende Droge in sich auf, schaltet und waltet bis zur nächsten Hungerohnmacht - ein schäbiges
Subjekt mit gerüschtem Hemd, das sich als Impresario lächerlich gebärdet. Hacker gibt den
vergessenen jüdischen Verwandten der modernen Thomas-Bernhard-Kunstmenschen: ein Tyrann, der nicht
nur abstreitet, ein Jude zu sein, sondern ein Betrüger ist. (Der Standard)
Bravos! Mit kleinen Gesten lässt Föttinger den Irrsinn sowohl der Situation als auch des Ankämpfens
dagegen sich auf der Bühne entwickeln und entfalten. Ein beklemmender Theaterabend. (Wiener Zeitung)
Holocaust-Kitsch? Den vermeidet Regisseur Herbert Föttinger mit formaler Strenge: leere Bühne,
starke Striche, präzise Schauspielerführung. Und Gaststar Norman Hacker lässt als
Verzweiflungskomiker keine falsche Sentimentalität aufkommen. (Falter)
In keinem Moment fehlte da die – mitunter ins Grausame umkippende – Spannung. Nirgends Leerläufe.
Ganz im Gegenteil: Das perfekt aufeinander eingespielte Ensemble wusste gekonnt das Publikum in
seinen Bann zu ziehen (Kronen Zeitung)
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