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Regie
Elmar Goerden
Bühnenbild
Ulf Stengl,
Silvia Merlo
Kostüme
Lydia Kirchleitner
Musik
Matteo Fargion
John Gabriel Borkman, ehemaliger Bankdirektor
Helmuth Lohner
Frau Gunhild Borkman, seine Frau
Nicole Heesters
Erhart Borkman, deren Sohn, Student
Martin Bretschneider
Ella Rentheim, Gunhilds Zwillingsschwester
Andrea Jonasson
Frau Fanny Wilton, ein junge Witwe
Maria Köstlinger
Vilhelm Foldal, Hilfsschreiber
Heribert Sasse
Frida Foldal, seine Tochter
Raphaela Möst
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Henrik Ibsen
John Gabriel Borkman
Premiere: 1. März 2012
Spieldauer: ca. 2 Stunden, 40 Minuten, eine Pause
Der ehemalige Bankdirektor John Gabriel Borkman hatte sich einst mit den Einlagen seiner Kunden
verspekuliert: Mit den für die Gründung von Aktiengesellschaften zweckentfremdeten Geldern wollte
er Wohlstand für alle verwirklichen. Doch die Blase platzte und brachte Borkman für acht Jahre
hinter Gitter. Weitere acht Jahre sitzt er nun schon im selbstgewählten Gefängnis, verbittert über
das vermeintliche, an ihm begangene Unrecht und getrennt von seiner im gleichen Haus lebenden Frau
Gunhild. An einem Winterabend kommt zum ersten Mal nach seiner Haftentlassung Gunhilds
Zwillingsschwester Ella zu Besuch. Mit ihrer Ankunft wird eine Geschichte jahrzehntelang
verdrängter Schuld lebendig und ein gnadenloser Kampf um den Sohn des Hauses beginnt.
"Alle Quellen der Macht in diesem Land wollte ich mir untertan machen. Alle Reichtümer der
Erde, des Meeres, der Berge und Wälder mir untertan, sollten meine Herrschaft begründen, und den
Wohlstand von vielen, vielen tausend Menschen."
John Gabriel Borkman
Pressestimmen:
Mit Ibsens "John Gabriel Borkman" gelang Regisseur Elmar Goerden ein glanzvoller Einstand. Dem
Bankiersdrama verhilft er auch dank edler Besetzung zu einem Meisterstück der Verblendung. [...]
Regisseur Elmar Goerden hegt bei seinem Josefstadt-Debüt immense Achtsamkeit gegenüber den
Charakteren in Henrik Ibsens Kapitalisten-Drama John Gabriel Borkman. Mit großer Zuwendung stiftet
er Persönlichkeiten, die die Ibsensche Kühle ganz und gar gegenwärtig ausstrahlen. [...] Elmar
Goerden gibt Luft; es gelingt ihm, der Düsternis in Ibsens Drama einen Witz abzuringen, der die
maßlosen Ansprüche der Beteiligten in die Schranken weist: Maria Köstlinger (Frau Wilton) bläst den
abgestandenen Geist dieser nur an sich selbst interessierten Familienmitglieder einmal mit
Hochgeschwindigkeitsnorwegisch hinaus. Dieser Borkman ist stimmig bis ins Detail. Nicht zuletzt
haben die Ausstatter (Ulf Stengl und Silvia Merlo) bewiesen, dass die Kunst des norwegischen
Designs nicht ausschließlich dem Burgtheater vorbehalten ist: Im edelsten Stil geht diese Familie
unter. (Der Standard)
Es existiert also doch, das große Schauspielertheater! Für Henrik Ibsens "John Gabriel Borkman" hat
das Theater in der Josefstadt ein nahezu perfektes Ensemble gefunden: Nicole Heesters, Andrea
Jonasson und Helmuth Lohner beweisen es in brillanter Form, [...]. Der Anfang ist das Größte des
Abends: Das Zusammentreffen der Schwestern Gunhild (Borkman) und Ella wird zu einer Tragödie mit
grotesken Zügen. Brilliant agieren dabei Nicole Heesters und Andrea Jonasson! [...] Helmuth Lohner
als John Gabriel, als herumwandernder "Wolf" im Obergeschoß zeigt einiges an Skurrilität: Sein
Aufbruch in die Zukunft mit Erhart (der ebenso scheitert wie die Pläne der Frauen) wirkt wie
letztes Aufbäumen: ein müdes Raubtier, das sich zum Sterben auf wertlose Bankpapiere bettet.
Jedenfalls zeigen die drei Josefstadt-Gäste, was Theater auch kann: ohne szenische Monstrositäten
zu fesseln. (Kronen Zeitung)
Wer da noch über Stilfragen mutmaßt, über konservatives oder progressives Theater, der muss mehr
als die vierte Wand vor dem Kopf haben: Die "Josefstadt" - ja, die - zeigt die berauschend
unprovinzielle Inszenierung eines großen Werks der dramatischen Weltliteratur und bietet dafür ein
Ensemble internationalen Formats auf. Nichts wäre verlockender, als "Borkman" zu aktualisieren. Ein
wegen größenwahnsinniger Transaktionen eingesperrter, aber keineswegs schuldeinsichtiger
Bankdirektor, der nach der Freilassung seine einsamen Vergeltungsfantasien bis zum Wahnsinn
repetiert: Das kennen wir doch. Nein, nicht so, wie Elmar Goerden es auf Ulf Stengls und Silvia
Merlos karge Bühne stellt. Keine Verzwergung ins Elsner-Format ist da zu beklagen. Helmuth Lohner
verwandelt sich, unvergesslich, in einen fragilen Gewalttäter, einen Riesen vor dem Sturz in Wahn
und Tod, wie Ibsen selbst es in seinen letzten Jahren war. Und die fulminante Konversationskomödie,
mit der Nicole Heesters und Andrea Jonasson als im Hass verbundenes Zwillingspaar die Aufführung
eröffnen! Der kabinettstückhaft perfekte Auftritt Heribert Sasses in einer kleineren Rolle, Maria
Köstlinger, Martin Bretschneider, Raphaela Möst: aufregendes Theater in formaler und
schauspielerischer Vollendung. (News)
Josefstadt: Ein fulminanter Helmut Lohner! Präzise gearbeitet, perfekt gespielt, heftig beklatscht:
Ibsens "John Gabriel Borkman" konnte überzeugen. [...] Im Theater in der Josefstadt wird Ibsens
vorletztes Werk nun in der Regie von Elmar Goerden und in absoluter Luxusbesetzung gezeigt. Eine
Konstellation, der zu danken ist, dass in der tragischen Geschichte vornehme Komik Platz findet.
Ibsen, halbwegs heiter? Das geht. Sehr fein sogar. Denn Helmuth Lohner ist ein fulminanter, auch
furioser Borkman. Eine Elsner-Zwettler’sche Figur, nie angekränkelt vom Gedanken Schuld auf sich
geladen, anderen Schaden zugefügt zu haben. Nein, er ist doch der Gekränkte, dieses Abziehbild des
einstigen Machers, eingeigelt in seiner Lebenslüge, vom Altersstarrsinn langsam in den Wahnsinn
kippend. Umrahmt wird diese schleichende Selbstdekonstruktion von zwei brillanten Diven, zwei
bösartigen Königinnen: Nicole Heesters als Borkmans Frau Gunhild und Andrea Jonasson als ihre
Schwester und Borkmans erste Liebe Ella. Sie war auch sein erster Verrat, sein Gefühl für Macht
stärker als alles, was er für sie empfand. Heesters und Jonasson fighten, was das Zeug hält.
Erstere geht zynisch, kalt, hartherzig in Verteidigungsposition; Zweitere greift demonstrativ ruhig
an. Die Tatsache, dass sie sterbenskrank ist, ist ihr Leid-Motiv genug. Das Handtuch, das heißt:
Eigentlich die Strickweste werfen, geht schon – der Rivalin mitten ins Gesicht. Präzise hat man an
den Rollen und solchen Szenen gearbeitet. [...] Für Ibsens psychologische Untertagesituation
schufen Ulf Stengl und Silvia Merlo das exakte Bühnenbild. Ein Bunker, grau, leer, ein
Bergwerkstollen für kaputte Seelen, durch den die Einsamkeit weht. [...] Maria Köstlinger macht aus
Erharts Geliebter Fanny Wilton eine originelle, lebenshungrige, mitreißende Mittdreißigerin. Und
zeigt mit einer skandinavischen Schimpftirade, dass sie gleich dem Autor Wurzeln im hohen Norden
hat. Viel Applaus für alle. Zu Recht. (Kurier)
Elmar Goerden ist am Donnerstag eine Inszenierung gelungen, die sogar das Ironische, Lächerliche
der Situation hervorhebt, während das platte Gesellschaftskritische diskret bleibt. Der Beginn
überzeugt, mit Nicole Heesters als frustrierter, schlicht gekleideter Gunhild in böser Bitterkeit.
[...] Jonasson gibt eine Frau mit Herz und Verletzlichkeit, die Konfrontation der Schwestern wird
mit Klasse vorexerziert, mit Gesten der Erniedrigung und Beleidigung. [...] Eine eindringliche
Vorstellung im Charakterfach bietet auch Helmuth Lohner in der Titelrolle. [...] Richtig
interessant wird dieser Borkman aber im Zusammenspiel mit dem Hilfsschreiber Vilhelm Foldal. Ihn
könnte man auf das Unterwürfige fixieren, Heribert Sasse gelingt jedoch in dieser Rolle
Außerordentliches. Er lässt durchblicken, dass er Borkman sehr wohl richtig einzuschätzen weiß,
nämlich als Narr, der glaubt zu schieben und selbst geschoben wird. In den Dialogen dieses
Altmänner-Duos erhält das Drama etwas Bitter-Ironisches und in den besten Momenten sogar
Aberwitzig-Komisches. Was für ein Alpha-Männchen wird hier vorgeführt! (Die Presse)
Durch die neue zeitliche Verortung des Stücks tritt der Generationenkonflikt deutlicher zu Tage.
Die sexuelle Befreiungsbewegung der späten 60er Jahre schimmert durch, wenn Erhart mit Fanny Wilton
(Maria Köstlinger) durchbrennt, zudem wirkt der Liebesverrat, den Borkman an beiden Schwestern
begeht, vordergründiger. Regisseur Goerden beweist Feingefühl für die psychologischen Nöte der
Figuren, die sich gegenseitig das Leben verpfuschen, eiskalt gehen die beiden Schwestern
aufeinander los, voller Neid und Missgunst. [...] Herzenswärme und eine Leidenschaft [...] flackert
indes bei der letzten Begegnung von Borkman und Ella auf, dem ehemaligen Liebespaar. Nicht nur in
dieser Szene glückt den Darstellern präzise Schauspielkunst. Das Ensemble vermag dem Trauerspiel
sogar komische Augenblicke abzutrotzen, etwa wenn Heribert Sasse als Borkmans einzig verbliebener
Freund den Abwasch tätigt und eine Jause vorbereitet: alltäglicher Aberwitz im Angesicht der
omnipräsenten Katastrophen. (Wiener Zeitung)
Und sagen wir gleich, was das Beste an diesem Josefstädter Abend ist: Die Verkörperung der
Titelfigur durch Helmuth Lohner. Der elegante Herr macht nämlich ohne weiteres ein Monster
begreiflich, was gleichzeitig zur Meisterstudie eines Überzeugungstäters wird, der von keinem
Quentchen Einsicht gequält wird. Er hat Menschen geopfert, um seine Machtspiele treiben zu können,
er ist als Inbegriff einer kapitalistischen Gesellschaft stur seinem Traum von Macht und Geld
gefolgt, und er stirbt mit der großen Pose eines Lear auf sturmumtoster Heide, ohne etwas begriffen
zu haben. Dass aus Lohners fragiler Entscheidung so viel negative Kraft erwachsen kann, das ist das
Erlebnis des Abends. [...] (Der neue Merker)
[...] Der tief Gefallene zieht sich in die Isolation zurück. Diesen verbitterten, überheblichen,
gefühlskalten Ex-Bankier spielt Helmuth Lohner, das Ur-Gestein der Josefstadt, in einer
irritierenden, bisweilen schrulligen Mischung aus todesnaher Zerbrechlichkeit und Spucke sprühender
Leidenschaft. [...] Wunderbar fein inszeniert ist der erste Akt, als sich beide Schwestern ihre
Verachtung durch übertriebenen Ordnungssinn zeigen: Ständig zupfen sie an ihrem Gewand herum,
wischen pedantisch über die Stelle, wo die andere gerade gesessen hat. Alles ist potenziell
verschmutzt. [...] In einer schönen Nebenrolle brilliert Heribert Sasse als einziger Freund,
den Borkman noch hat: den Hilfsschreiber Vilhelm Foldal. [...] (Nachtkritik.de)
[...] Nicole Heesters und Andrea Jonasson werden von der Regie ganz auf ungleiches Paar getrimmt.
Fahrig und zappelig verteidigt Gunhild mit energischen Gesten jeden Quadratzentimeter Eigenheim
gegen ihre reiche Schwester, die ruhig und demonstrativ leidend ihre Fäden zu ziehen versucht.
Helmuth Lohner stattet seinen tief verletzten Borkman mit einem langsam in den Wahnsinn kippenden
Altersstarrsinn aus und lässt dabei weniger den skrupellosen Wirtschaftsverbrecher als den
gescheiterten Nietzscheanischen Übermenschen erkennen, der die Menschen zu ihrem Glück zwingen
wollte. [...] Maria Köstlinger brilliert nicht nur mit Schwedisch-Kenntnissen, sondern macht aus
Frau Fanny Wilton, die Erhart als um sieben Jahre jüngeren Liebhaber nach Rom entführt, eine
originelle Figur voller frecher Lebenslust. (APA)
[...] der Regisseur Elmar Goerden hat für sein Starensemble nur vordergründig den bürgerlichen
Innenraum des klassischen Schauspielertheaters arrangiert. All die kühlen Gebrauchsmöbel, die
abgenutzten Unbequemsessel, die immer schon hässlichen Flechtstühle und abwischbaren Beistelltische
werden nämlich zwischen den Szenen von der Haustechnik weggeräumt, während die Schauspieler noch
als Zombies in ihrer Seelenkulisse hockenbleiben. Am Ende ist die ganze Innenarchitektur futsch.
Und Borkman und die beiden Schwestern erfrieren vor kahlen Bühnenwänden zwischen Papierschnipseln
und Aktenordnern. Bitter kalt ist es im Land der Bilanzen. [...] Ibsen flog übers Kuckucksnest -
dem passt sich auch Heribert Sasses Vilhelm Foldal mit wundervoll zerkauten Satzbrocken und
Hoffnungsblicken an, indem er aus einem Matrizenmann einen rührenden Romantiker modelliert. Und
Lohners outriertes Sprechen mit den rollenden Augen und rollenden Konsonanten und verstrubbelten
Resthaaren eines alten Mimen erinnert bald schon an einen dieser Lebensverlierer, die man auch an
einem Tresen in Ottakring oder Favoriten treffen könnte, einen gescheiterten Operettentenor mit
seinen immer gleich übertriebenen Geschichten vom knapp verfehlten Gelingen. Das ist, wenn Lohner
mit den Armen wedelt und seine Sätze nur mehr leise brabbelt und ins Nichts schaut oder wienerisch
bitterböse die Mitmenschen anwinselt, ungemein schmierig - und gerade darum nicht mal unpassend.
Oder Nicole Heesters, die als verhärmte Horrormutter irgendwann nur noch aggressiv an allem
herumzupft, als ob ihre Welt voller Krümel wär. Oder Andrea Jonasson, die als formvollendeter
Todesengel durchs Chaos stöckelt, als hätte sie sich vom Boulevard in einen Beckett- oder
Ionesco-Klamauk verirrt. Mit all diesen kleinen und weniger kleinen Verfremdungen - einmal verfällt
die aufgekratzte Halbschwedin Maria Köstlinger gar wie aus Jux ins skandinavische Original - führt
der Dompteur Goerden mit feinem Sinn für Komik und sehr einfühlsamen Streichungen vor, dass diese
norwegische Bürgerwelt so gar nichts Naturalistisches oder Psychologisches hat, sondern nur als
Versuchsanordnung dient für ein absurdes Perpetuum mobile von Lebensläufen. (FAZ)
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