Ingmar Bergman, 25. Januar 1979:
Im ersten Teil von „Szenen einer Ehe“ treten zwei wütende, chaotische Personen auf, die ich
Peter und Katarina nannte. Sie hätten für ihr Drama in den „Szenen“ eigentlich wesentlich mehr
Platz haben sollen, Johan und Marianne nahmen aber allen Raum in Anspruch, so dass ich das weitere
Geschick des schrecklichen Paars verschweigen musste.
Mit großer Hartnäckigkeit tauchten sie in meinen Plänen auf. Szenen formten sich und nun ist
das Drehbuch ein Fakt. Das Spiel bewegt sich auf verschiedenen Zeitebenen (vor und nach der
Katastrophe), außerdem sind Rückblicke eingeblendet.
Aus alter Gewohnheit erläutere ich im Vorwort meiner Drehbücher, warum ich den Film
geschrieben habe. Das ist nicht immer leicht.
Es droht die Gefahr von Rationalisierungen und neunmalklugem Gerede. Hier ist es aber
einfach: Warum kommt es bei einer in jeder Hinsicht angepassten und gutsituierten Person zu einer
Kurzschlussreaktion? In kurzen, häufig unterbrochenen oder absichtlich auseinandergerissenen Szenen
versuche ich (der Außenstehende), eine Art Protokoll zu erstellen. Ich habe auf jede Einmischung
verzichtet, was natürlich heißt, dass Objektivität trotzdem reine Illusion wäre.
Keiner der Auftretenden kann den Anspruch erheben, das Drama zu erklären oder zu
verdeutlichen. Alle sind darin verstrickt und dadurch verwirrt. (Der Psychiater, der von Berufs
wegen dem Verständnis am nächsten stehen sollte, ist am weitesten davon entfernt.)
Jeder, der Lust hat oder es spannend findet, soll seine eigenen Schlüsse ziehen; und wer
keine Lust hat, kann das Ganze hoffentlich eine Zeitlang als eine Art von Unterhaltung betrachten.
Im Laufe des Jahres 1979 drehte Bergman den Fernsehfilm „Aus dem Leben der Marionetten“ (mit
Robert Atzorn, Christine Buchegger und Martin Benrath) und notierte:
Er stieß weitgehend auf Ablehnung, gehört aber zu meinen besten Filmen, eine Ansicht, die von
einigen wenigen geteilt wird.
Ingmar Bergman, 14. Dezember 1979:
13:45 – Wir bereiten die letzte Einstellung vor – dann ist Schluss (für immer??), ein Gefühl,
wie unfassbare Erleichterung. Und eine überraschende Traurigkeit. Sowas gibt’s. No, keine
Sentimentalität. Ich habe einen scheußlichen, langweiligen, ungemütlichen, grauen, eigenartigen
Film gemacht! Jawohl. Und das freut mich.
Ingmar Bergman, 21. Dezember 1979:
Nach Abschluss der Dreharbeiten erhöhter Blutdruck. 155/90.
Ingmar Bergman, der große Psychologe des europäischen Kinos, erzählt mit seinem 1980
verfilmten Stoff die Geschichte eines Mordes inmitten der bürgerlichen Gesellschaft. Und stößt in
ihren Mechanismen auf eine quälend-schwelende Mixtur aus Einsamkeit, Lebensüberdruss, Ängsten und
albtraumhaften Phantasien. Alle Figuren spüren intelligent und beredt ihrem Unglück hinterher, alle
sehnen sich nach wahrhaftiger Nähe, nach einem Ausbruch aus dem Gewohnten. Doch die Schmerzen, die
Explosion, die Katastrophe sind nicht weit entfernt.