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Regie
Georg Schmiedleitner
Bühnenbild
Florian Parbs
Kostüme
Nicole von Graevenitz
Musik
Sofa Surfers
Stellaris, Feenkönig
Alexander Waechter
Fortuna, Beherrscherin des Glücks, eine mächtige Fee
Lotte Ledl/
Isabella Gregor
Brillantine, ihre Tochter
Maria Urban
Amorosa, eine mächtige Fee, Beschützerin der wahren Liebe
Marianne Nentwich
Mystifax, ein alter Zauberer
Gideon Singer
Hilaris, sein Sohn
Bernd Ander
Fludribus, Sohn eines Magiers
Marianne Chappuis
Lumpazivagabundus, ein böser Geist
Erni Mangold
Leim, ein Tischlergeselle
Rafael Schuchter
Zwirn, ein Schneidergeselle
Florian Teichtmeister
Knieriem. ein Schustergeselle
Martin Zauner
Pantsch, Wirt und Herbergsvater in Ulm
Alexander Waechter
Fassl, Oberknecht in einem Brauhaus
Gideon Singer
Sepherl, Kellnerin
Susanna Wiegand
Hannerl, Kellnerin
Therese Lohner
Ein Hausierer
Erni Mangold
Ein Tischlergesell
Erni Mangold
Strudl, Gastwirt „Zum goldenen Nockerl“ in Wien
Alexander Waechter
Hobelmann, Tischlermeister in Wien
Toni Slama
Peppi, seine Tochter
Daniela Golpashin
Anastasia Hobelmann
Susanna Wiegand
Ein Fremder
Erni Mangold
Gertrud, Haushälterin in Hobelmanns Haus
Lotte Ledl/
Isabella Gregor
Reserl, Magd daselbst
Therese Lohner
Ein Fotograf
Erni Mangold
Erster Bedienter bei Zwirn
Gideon Singer
Zweiter Bedienter bei Zwirn
Bernd Ander
Herr von Windwachel
Erni Mangold
Signorina Palpiti
Marianne Nentwich
Camilla, ihre Tochter
Susanna Wiegand
Laura, ihre Tochter
Therese Lohner
Sofa Surfers
Wolfgang Schlögl,
Wolfgang Frisch,
Markus Kienzl,
Michael Holzgruber
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Johann Nepomuk Nestroy
Der böse Geist Lumpazivagabundus
Premiere: 15. September 2011
Spieldauer: ca. 2 Stunden, 15 Minuten, eine Pause
Pressestimmen:
Nestroys berühmtes liederliches Kleeblatt sieht ganz schön zerrupft aus. Martin Zauner gibt den
Knieriem als Mischung aus Gerard Depardieu und Hermes Phettberg, leicht ungustiös, doch
liebenswürdig, nur der Astronomie und dem Alkohol zugetan. Sein Aufstieg ist hochprozentig: von
Bier zu Wein zu Schnaps. Florian Teichtmeister versucht als Zwirn vom Scheider zum Don Juan zu
werden, doch geht ihm weder bei seinen Italienischübungen noch bei seinen Frauenabenteuern der
Knopf auf. Rafael Schuchter ist als Leim eine Entdeckung - ein sympathischer, kreuzbraver Kerl, der
das Glück hat, dass die Angebetete (Daniela Golpashin) auf ihn wartet, und das Pech, dass sich der
Schwiegervater (Toni Slama) als rechter Spießbürger entpuppt. (APA)
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Und dieses von adretten Ehegattinnen (Therese Lohner, Susanna Wiegand, Daniela
Golpashin) und mörderisch großen Kinderwägen gesäumte, traurige Schlussbild ist der wahrste Moment
in Georg Schmiedleitners Josefstadt-Inszenierung. Der auf trashiges Volkstheater abonnierte
Regisseur(mit Franzobel, dessen Lumpazi-Neudichtung vom Theater abgelehnt wurde, hat er vielfach
zusammengearbeitet) traut dem Antlitz des braven Bürgers nicht über den Weg; und er glaubt nicht an
die Rettung der Moral durch Angepasstheit: Nein, so brav und weiß gepudert, wie Schuster,
Schneider und Tischler am Ende dastehen, das ist eine offensichtlich trügerische Lösung. (Der Standard)
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Hier wird richtig schwarzer Nestroy gespielt, da darf man Fratzen machen und bittere Miene
zum Endspiel. Es geht um die Krise, um Glücksritter, um die Verdorbenheit der Welt im explosiven
Vormärz. Der Stoff ist immer noch aktuell. All dies kann man aus Mangolds Auftritten herauslesen.
Applaus für eine großartige Charakterdarstellerin!
Martin Zauner als trunksüchtiger Schuster Knieriem hat das Talent zum Possenreißen und auch
die Gelegenheiten dazu. Er kostet sie weidlich aus, als Clochard mit fettiger Mähne, der im
Dauerrausch unkontrolliert zwischen Gemütlichkeit und Aggression schwankt. Sein Kometenlied, von
den Sofa Surfers aufgepeppt, ist ein passabler Rapp. Die Pointen setzt Zauner im Verlauf des
Abends, wenn Knieriem vom Bier über den Wein bis auf den Schnaps gekommen ist, immer präziser. Auch
Florian Teichtmeister wirkt sicher in der Zurschaustellung eines zwielichtigen Charakters. Im
Erobern und Ausgeben ist dieser Schneider Zwirn maßlos, im Denken beschränkt. Vor allem in der
Szene als Neureicher in Prag brilliert Teichtmeister. Wie ein Boxchampion tritt er auf, mit
massiven Goldketten, an jedem Finger einen Ring, in jedem Arm eine Halbweltdame, die ihn ausnimmt.
Reichlich Lacher erntet er für sein abenteuerliches italienisches Palaver und beim Brief-Sketch. In
diesen skurrilen Szenen gibt es Nestroy, wie man ihn kennt, mit skurrilem Wortwitz und lustvollem
Zusammenspiel. (Die Presse)
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Keine Spur von biedermeierlicher Glückseligkeit, man setzt auf das Böse und Sezierende in
Nestroys Zauberposse von 1833. Die Bühne ist leergeräumt, die Feenwelt gleicht einem
Geriatriezentrum, wo die Idee zur Wette um die Handwerksburschen Knieriem, Leim und Zwirn geboren
wird, um den Unruhestifter Lumpazivagabundus (beängstigend: Erni Mangold) zu bannen. Das Glückslos
wird beim Flippern erworben, Martin Zauner (Knieriem) bringt das Kometenlied als Weltuntergangsrap,
und die biedermeierkonforme Auflösung in die heile Welt von Arbeit und Kleinfamilie wird als Farce
entlarvt. Ziemlich gut. (Falter)
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Franzobel scheiterte an der geplanten Paraphrase auf Nestroys grelldüstere
Menschheitsgroteske. So nahm sich Georg Schmiedleitner das ingeniöse Original vor und konzentrierte
sich auf die menschlichen Tragödien. Gut so: Martin Zauner (Knieriem) überzeugt als Alkoholiker,
das Kometenlied rappt er trocken und von einer Rockband begleitet. Florian Teichtmeister gefällt
als Strizzi Zwirn und Rafael Schuchter als konservativer Karrierist Leim. Großartig: Erni Mangold
als dämonischer, kahl geschorener Lumpazi. Alexander Wächter (Stellaris) agiert unter den betagten
Feen (Lotte Ledl, Marianne Nentwich) mit der Intensität einer Jack-Nicholson-Parodie. Sehr gut:
Therese Lohner in mehreren Rollen. (News)
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Es ist ein durchaus progressiver Lumpazivagabundus, den Regisseur Georg Schmiedleitner auf
die Bühne tänzeln lässt. Vor einem kargen Bühnenbild mit wenigen, aber edlen Requisiten, in dem das
Hobelmann’sche Geschäft aus Umzugskartons gebaut ist, lässt er das handwerkliche Prekariat, dem
Fortuna die Lotteriezahlen - und somit den Schlüssel zum vermeintlichen Glück - in den Traum gibt,
ordentlich einfahren.
Eine kahle Erni Mangold als Lumpazivagabunds zieht dabei das Publikum von Beginn weg in ihren
Bann. Zauner gibt den dem Suff verfallenen Knieriem eher pomali, während Rafael Schuchter einen
gekonnt wandlungsfähig empathischen Leim auf die Bühne stellt. Florian Teichmeister macht aus dem
Schneider Zwirn mal den versifften Raufbold, mal den zuhälterhaften Glitzerproll. Herrlich auch die
alten Haudegen der Josefstadt als Feengesellschaft, allen voran Alexander Waechter als
popstarhafter Feenkönig Stellaris, mit Glitterkrone und dunkler Sonnbrille, als müsste er
versuchen, die Groupies fernzuhalten.
Es ist auch kein sehr gefälliger Lumpazivagabundus, der dem überraschten Publikum hier
vorgesetzt wird. Die Couplets besorgen etwa die Sofa Surfers live, hier wird "Die Welt steht auf
kan Fall mehr lang" zur anklagenden Rock-Hymne. Oder wenn Knieriem und Zwirn am Ende von
Lumpazivagabundus unter klagendem Gitarrensound direkt aus der Schnapsflasche getränkt werden. (Wiener Zeitung)
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Unkonventionelle Aufführung ...Turbulentes Spiel. Dynamik, Schwung und Witz kann man der
Aufführung nicht absprechen. (Kronen Zeitung)
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So schaut ein echter Nestroy aus, auch wenn ihn Schmiedleitner ganz „unwienerisch“ in Szene
gesetzt hat. Das Publikum spendete teils böse Blicke, aber auch Bravos. (Oberösterreichische Nachrichten)
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Erni Mangold sorgt dafür, dass Lumpazivagabundus als mephistophelischer Geist zu erleben ist.
Die 84-jährige Schauspielerin legt mit Kunstglatze und im knöchellangen, hochgeschlitzten,
rückenfreien schwarzen Kleid famose Auftritte hin. Einmal zeigt sie ihren Zorn in einer wunderbaren
Kombination aus Cancan und Fußtritt, genauso deutlich vermittelt sie mit grazilem Hüftschwung
trotzige Eleganz. Auch andere Schauspieler sind beachtlich. Rafael Schuchter spielt den Leim: Aus
dem schüchternen und unglücklich verliebten Burschen wird ein berechnender biedermännischer
Ehemann. Florian Teichtmeister als Zwirn ist erst lebenslustig bis zur Verlogenheit, dann ein
herrlich halbstarker Prasser. Martin Zauner ist der verdrossene Schustergesell’, der seine
Depression in Alkohol und mit Warten auf den Kometen kompensiert; sein größter Glaube ist jener an
die „unverschuldeten Unglücksfälle“, die ihm stets Geld und Glück rauben. (Salzburger Nachrichten )
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Da Nestroy ja zu seinem Erfolgsstück eine Fortsetzung geschrieben hat, in der auch die „
Lumpen“ Knieriem und Zwirn zu Familienvätern werden (aber was für welche…), stattet der Regisseur
zum Finale alle drei seiner Helden mit Frauen und Kinderwägen aus. Die leeren, unglücklichen
Blicke, mit denen sie in den Zuschauerraum starren, die muss man sich einmal geben, um zu
begreifen, wie gut Schmiedleitner Nestroy begreift, indem er ihn zu uns holt.
Aber da gibt es ja noch die Zauberwelt, das von Nestroy ironisch jonglierte Relikt des Wiener
Volkstheaters. Die Damen und Herren Feen und Zauberer streiten in ihren luftigen Höhen, was das
Zeug hält, aus ihrer „Wette“, ob die Menschen zu bessern seien, erwächst das Stück. Man schätzt die
Herrschaften, die Schmiedleitner zu Beginn auf die leere Bühne schickt, viel zu sehr, um sie als
das Altersheim der Josefstadt zu bezeichnen, aber „Oldies“ im besten Sinn sind sie, symbolisieren
solcherart zweifellos die Überalterung des Zauber-Gedankens. Wie dem auch sei - dass sie in der
Folge der Handlung die „Rollen“ übernehmen, die Staffage sind (ein Wirt, eine Haushälterin usw),
ist nicht neu, aber stimmig. Die „Echtmenschen“ bleiben original, und vor dem „Lumpazi“ selbst (der
„Lump“ steckt fest in ihm drin) kann man fast erschrecken: Die klapperdürre Erni Mangold mit
Glatzenperücke und schauriger Behändigkeit erinnert mindestens an den Gollum aus „Herr der Ringe“,
ein Wesen aus den Tiefen des Unterbewusstseins. Sie tritt auf, und es ist Schluss mit lustig. Und
dabei bleibt es nahezu auch. Wenngleich die Josefstädter Garde der Nicht-mehr-ganz-Jungen unter der
Leitung des martialischen Alexander Waechter als Feenkönig Stellaris (mit Sonnenbrille) allerlei
Virtriol-Spass hat und macht - Marianne Nentwich und Lotte Ledl als spinnefeindliche Feen, Maria
Urban und Bernd Ander als an sich jugendlich gedachtes Liebespaar, Gideon Singer und Marianne
Chappuis als farbige Ergänzung.
Die Bühne bleibt weitgehend leer (Florian Parbs), mit ein paar herabgesenkten Versatzstücken,
die Kostüme (Nicole von Graevenitz) sind heutig und passend zwischen schrill und armselig. Die drei
abgewrackten Gesellen stolpern auf die Bühne - Rafael Schuchter, ein wahrer, hohläugiger
Melancholiker, dem alles schief gelaufen ist, als Leim; Florian Teichtmeister, ein dürrer,
unsicherer, die Unsicherheit überzappelnder Zwirn; und schließlich Martin Zauner mit speckigem, ins
Gesicht hängenden Haar als ein Knieriem, der gerade unter der nächsten Brücke hervorgekrochen
scheint. Man kann menschliches Elend, ohne die sonst mildernd wirkende Lustigkeit, nicht deutlicher
hinstellen. Lebensperspektive? Der erste will sterben. Der zweite will sich blindwütig unterhalten.
Der dritte will saufen. Was kann Geld daran ändern?
Leim wird, wie gesagt, beim Schwiegervater (triefend: Toni Slama) bürgerlich, er kriegt dafür
sein Dümmlichkeit sprühendes Mädchen (Daniela Golpashin), und nun wird von ihm erwartet, glücklich
zu sein. Wenn man ihn später wieder sieht, bierernst, mit Hosenträgern, erschrickt man richtig: Was
ist aus diesem Menschen geworden? Das soll das Glück sein? (Der Neue Merker)
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