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Regie
Herbert Föttinger
Bühnenbild und Kostüm
Rolf Langenfass
Musik
Joachim Steffenhagen
Der Herr Karl
Martin Zauner
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Helmut Qualtinger und Carl Merz
Der Herr Karl
Premiere: 21. Oktober 2010
Spieldauer: ca. 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause
Helmut Qualtinger spielte 1962 den Herrn Karl in den Kammerspielen, eine Figur, die er gemeinsam
mit Carl Merz entworfen hatte und die aus dem österreichischen Kabarett nicht mehr wegzudenken ist.
Der Herr Karl enthüllt dem Publikum die Geschichte seines Lebens und den Kosmos seiner
Anschauungen. Fünfzig Jahre österreichische Geschichte passieren Revue im Spießerjargon eines
kleinbürgerlichen Opportunisten, für den sich jedes Geschehen und jede Katastrophe auf den privaten
Sensationswert reduziert. Ob der „Anschluss“ an das Deutsche Reich, ob die Kriegs- und
Nachkriegsjahre - der Herr Karl kann sich immer mit den Verhältnissen arrangieren und seine
selbstgerecht-bornierte Mentalität kultivieren, die ihn in ihrer Mischung von Ressentiments,
Vorteilssucht und Verantwortungsscheu zum Durchschnittsbürger schlechthin stempelt.
"G’freit hab i mi scho … an den Tag, wo ma 'n bekommen ham … den Staatsvertrag … Da san ma
zum Belvedere zogn … san dag’standen … unübersehbar … lauter Österreicher … wie im Jahr achtadreißg
… eine große Familie … a bissel a klanere … weil 's Belvedere is ja klaner als der Heldenplatz. Und
die Menschen waren auch reifer geworden … Und dann is er herausgetreten … der … der … Bundes-, der
Poldl und hat die zwa andern Herrschaften bei der Hand genommen und mutig bekannt: "Österreich ist
frei!" Und wie i des g’hört hab, da hab i g’wusst: Auch das hab ich jetzt geschafft. Es ist uns
gelungen - der Wiederaufbau … Ich mein’, nicht dass ich blind wär’ gegen die Fehler der
Regierung … i war ja immer kritisch. Ich hab immer alles durchschaut … auch a Regierungsmitglied,
wann i mir’s so anschau … der is aa net anders wie i. Und i kenn mi. So san de alle.
Aber bitte – es geht mi nix an. Ich mache meine Arbeit, ich kümmere mich nicht um Politik,
ich schaue nur ironisch zu und behalte es für mich."
"Denn
Der Herr Karl ist ja nicht bloß das Skript für ein mittlerweile klassisches Fernsehspiel,
sondern ein Theaterstück, das auch von anderen und anderswo aufgeführt werden kann, soll und muss.
Und auch lesen kann man es - mit Vergnügen und Grauen, mit Lachen und kalter Angst, denn
selbst noch auf der gedruckten Seite ersteht Karls Figur in der ganzen Fülle ihrer schrecklichen
Leiblichkeit, ihrer gemütlichen Dämonie, ihrer selbstzufriedenen Brutalität, und man reibt sich die
Augen und will nicht glauben, dass dies immer noch, Tag für Tag, Jahr um Jahr, Wahl um Wahl,
wirklich wird und sich ereignet."
Daniel Kehlmann
Pressestimmen:
Herbert Föttinger überrascht mit einer radikalen ästhetischen Neuinterpretation des
Qualtinger-Klassikers.
Mutig ist es, im Jubiläumsprogramm der hundertjährigen Wiener Kammerspiele "Der Herr Karl",
den absoluten Bühnen-Klassiker in der Sichtbarmachung der typisch österreichischen Spielart des
Opportunismus, anzusetzen. Doppelt mutig ist es, was seit gestern, Donnerstag, Abend dort zu sehen
ist, wo Helmut Qualtinger 1962 selbst in der von ihm und Carl Merz geschaffenen Figur Triumphe
feierte. Regisseur Herbert Föttinger setzt auf eine radikal reduzierte, klare Bühnen-Ästhetik in
Schwarz-Weiß und lässt Martin Zauner keinerlei Bewegungsspielraum. Überraschung: Der Monolog
funktioniert auch so.
Nach einer Aufwärmphase spielt Zauner sich frei von der Last des übergroßen Vorbilds, bietet
hübsch aufblitzende Reste einstigen Charmes, eine geniale Witz-Nummer und vor allem immer wieder
neue Beispiele einer radikal subjektiven, sich ständig verändernden Weltsicht. Was im einen
Augenblick "schrecklich" ist, kann schon im nächsten Augenblick mit der gleichen Inbrunst der
Überzeugung "herrlich" genannt werden - ob es die durchlebte Zeit, die eigene Gesundheit oder
verflossene Gefährtinnen sind. "Der Herr Karl" richtet es sich immer, wie er es braucht, und ohne
etwas dabei zu finden. Eine in ihrer Janusköpfigkeit dämonische Figur: abstoßend und sympathisch
zugleich.
Zu zeigen, dass "Der Herr Karl" keinerlei Staub angesetzt hat, dass er frisch und lebendig
ist wie eh und je, ist der große Verdienst dieser Neuinszenierung. (APA)
Jubel. Qualtingers politisch brisanteste Kabarett-Erfindung trifft auch nach fast 50 Jahren immer
noch ins Schwarze.
Und Martin Zauner überzeugt als jovialer Biedermann, Schlawiner und Kleinbetrüger in seiner
Dummheit, Ignoranz, Heuchelei und Hinterfotzigkeit auch den, der Qualtinger noch im Ohr hat. (Kurier)
Martin Zauner ist vom Typus her ein idealer "Herr Karl" (...). Zauner erweist sich einmal mehr als
Herr seines Talents, das in seiner Art einmalig ist. Und zwar, wie sich seit einiger Zeit bemerkbar
macht, nicht nur im Komischen, wo Zauner meist brilliert, sondern auch im Tragischen. (...) Somit
ist bei diesem skeptisch beäugten Revival eine echte Wiederbelebung gelungen, an der Föttingers
Regie wohl ihren Anteil hat. Aber der Trumpf dieser Aufführung ist der großartige Zauner. (Presse)
In dieser Bühnenschachtel (...) legt Zauner einen großartigen Herrn Karl hin - cholerischer als
Qualtinger, obgleich nicht ganz so siaßlert und verschlagen. (Falter)
Berechtigter Jubel. (Österreich )
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