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Regie
Peter Wittenberg
Bühnenbild und Kostüme
Florian Parbs
Musik
Wolfgang Siuda
Josef Tura, Schauspieler
Gregor Bloéb
Maria Tura, Schauspielerin, Frau von Josef
Nina Proll
Stanislaw Sobinsky, polnischer Fliegeroffizier
Stefano Bernardin
Dowasz, Schauspieldirektor
Peter Scholz
Anna, Garderobiere, Souffleuse, gute Seele
Susanna Wiegand
Rowicz, zweiter Schauspieler
Siegfried Walther
Bronski, Chargenspieler
Ljubiša Lupo Grujčić
Grünberg, Chargenspieler
Gideon Singer
Junger Grünberg, Sohn von Grünberg
Simon Jung
Walowski, Staatsdiener der Zensurbehörde
Friedrich Schwardtmann
Professor Silewski, Spion für die Gestapo
Oliver Huether
Gruppenführer Erhardt, Mitglied der Gestapo
Martin Zauner
Sturmführer Schulz, Mitglied der Gestapo
Fabian Stromberger
Englischer Luftwaffenoffizier
Benjamin John Quayle / Koriun Sarian
SS-Standartenträger
Robert Hager,
Lukian Guttenbrunner,
Benjamin Vanyek,
Dominik Hell-Weltzl,
Benedikt Danko
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Nick Whitby
Sein oder Nichtsein
Österreichische Erstaufführung
Premiere: 15. März 2012
Spieldauer: ca. 2 Stunden, 10 Minuten, eine Pause
Nach dem gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch
Drehbuch von Edwin Justus Mayer und Melchior Lengyel
Ernst Lubitsch (1892–1947) gilt als einer der großen Wegbereiter des populären Kinos. Der
legendäre "Lubitsch touch" ist nach wie vor unerreicht. Dieses Markenzeichen seiner mitunter
frivolen Gesellschaftskomödien bestand darin, nicht alle Details der Handlung zu zeigen, sondern es
dem Zuschauer zu überlassen, die Handlung zu vervollständigen. Im damals sittenstrengen Amerika mit
seinen scharfen Zensurbestimmungen vermochte Lubitsch auf diese Art durchaus gewagte Situationen
und Doppeldeutigkeiten in die Handlung zu integrieren, ohne dabei ins Schlüpfrige oder Vulgäre
abzurutschen.
1942 drehte Lubitsch in Amerika "Sein oder Nichtsein", einen seiner bekanntesten Filme, eine
Nazi-Farce mit abgründiger Leichtigkeit und längst Legende. Die entschiedene Abrechung mit
nationalsozialistischer Ideologie verbindet mutig und intelligent Komik mit Grauen. Der Film wurde
nach seinem Erscheinen erst mit Missfallen aufgenommen und löste ziemliche Kontroversen aus, weil
er den Nationalsozialismus scheinbar zu leichtfertig behandelte. Ihm wurde vorgeworfen, sich über
das Leiden der Polen lustig zu machen. Zeigte er doch eine polnische Theatergruppe im besetzten
Warschau und ihre heiterkeitserregende Konfrontation mit Hitlers Gestapo. Ernst Lubitsch schrieb
daraufhin einen Artikel in der NewYorkTimes, in dem er Folgendes festhielt: "Ich gebe zu, dass ich
nicht die Methoden gebraucht habe, die man normalerweise verwendet, wenn man Nazi-Terror darstellen
will. Keine Folterkammer wird gefilmt, keine Prügel werden gezeigt, keine Nahaufnahmen von Nazis,
die mit den Augen rollen und Spaß dabei haben, ihre Peitschen zu schwingen. Meine Nazis sind
anders, sie haben diese Phase schon lang hinter sich gelassen. Brutalität, Prügel und Folter sind
zu ihrer täglichen Routine geworden. Sie reden darüber in der gleichen Art und Weise, wie ein
Verkäufer über seine Ware reden würde. Ihre Witze spielen sich in Konzentrationslagern ab, ihr
Humor speist sich aus dem Leid ihrer Opfer."
Doch "Sein oder Nichtsein" ist nicht nur eine Satire, sondern auch ein Hohelied auf den
unbezwingbaren Mut und Humor der Menschen im Angesicht des Unglücks.
Pressestimmen:
Regisseur Peter Wittenberg hat diese turbulente Farce ebenso turbulent in Szene gesetzt, ohne das
Spiel mit dem Spiel (toll auch das Pawlatschentheater-Bühnenbild von Florian Parbs) ins rein
Lächerliche zu ziehen. Der Terror, die Brutalität und das Grauen sind allgegenwärtig spürbar. Auch
dank Martin Zauner, der als Gestapo-Gruppenführer Erhardt zwar einen dummen Duckmäuser mit hoher
Lachgarantie gibt, der aber die Bestialität dieses mordenden Biedermanns in Uniform mehr als
deutlich macht. Wenn sich dieser Fatzke mit dem Titel "Konzentrationslager-Erhardt" brüstet, ist
alles über das Verbrecher-Regime gesagt. Eine grandiose Leistung und Gratwanderung von Zauner.
Nicht minder sensationell agiert Gregor Bloéb als eitler, selbstverliebter und entzückend
liebesbedürftiger Josef Tura. Ein Schmieren-Hamlet aus dem Bilderbuch, der sich angesichts der
politischen Situation in mehreren realen Rollen bewähren muss. Wie Bloéb es schafft, einen
minderbegabten Schauspieler großartig gut zu spielen, wie er sich jede Pointe holt, ist schlicht
hinreißend. [...] Berührend Gideon Singer als alter Jude Grünberg; köstlich Siegfried Walther als
Akteur mit Hang zum Fettnäpfchen und Stefano Bernardin als ungestümer Liebhaber und Held wider
Willen. Sie führen ein tolles Ensemble an. (Kurier)
Regisseur Peter Wittenberg setzt auf gehörig Tempo. Und Florian Parbs liefert mit seinen
praktikablen, dennoch ansprechenden Bühnenbildern die notwendige Basis für das turbulente, witzige
Spiel mit Sein und Schein. In Windeseile wechseln die Schauplätze, schlagartig ändern sich die
Perspektiven. [...] Gregor Bloéb vermag mit jeder Facette von Josef Tura zu überzeugen: als
Schauspieler, der die Pose des nachdenklichen Hamlet derart lange auskostet, dass die Souffleuse
denkt, sie müsse ihm den Sein-oder-Nichtsein-Satz einsagen; als Ehemann, der mit einiger
Berechtigung unglaublich eifersüchtig ist; und als Feigling, der nur in der Not zum gewitzten
Helden wird. Der finale Schlagabtausch mit dem "echten" NS-Gruppenführer gelingt geradezu brillant.
[...] Gideon Singer vermag das Herz zu rühren: Wenn er als Chargenspieler Grünberg für Humanismus
plädiert. (Der Standard)
Nick Whitbys "Sein oder Nichtsein" nach dem berühmten Film von Ernst Lubitsch begeisterte das
Publikum. Gregor Bloéb brilliert als eitler Komödiant. Goldrichtig besetzt ist Singer als
Chargen-Darsteller Grünberg. Das Premierenpublikum reagierte geradezu begeistert. Bloéb ist
freilich als Komödiant, der ständig nur seine Wirkung im Auge hat, streckenweise hinreißend und
sehr komisch, speziell, als er, nach dem Mord an dem Spion, in dessen Rolle schlüpft. Auch als
Hamlet hat er herrliche Momente – und bei der Schmiere, die untrennbar zu dieser Geschichte gehört,
ist Bloéb einsame Klasse. Goldrichtig besetzt ist Gideon Singer als Chargen-Darsteller Grünberg,
der davon träumt, einmal im Leben den Shylock zu spielen. Die berühmten Sätze aus dem
Shakespeare-Drama ("Hat ein Jude nicht Sinne, Gefühle, Wünsche?") klangen schon kraftvoller, doch
selten gingen sie derart zu Herzen. Wittenberg leitet das große Ensemble versiert von einer
köstlichen Miniatur zur anderen. (Die Presse)
In den Kammerspielen (Regie: Peter Wittenberg) macht Gregor Bloéb dem Schmierendarsteller Josef
Tura alle Ehre, doch vor allen anderen glänzt Martin Zauner als "Konzentrationslager-Erhardt".
Lustig. (Falter)
Regisseur Peter Wittenberg setzt auf Tempo und Witz, jagt sein Ensemble durch die schäbigen 40er
Jahre (Ausstattung Florian Parbs), setzt voll auf die Typen: Gregor Bloéb als tollpatschiger
"erster Schauspieler" Tura (den jedes "Heil-Hitler" erschreckt) hat Spaß an der Sache [...]. Voll
in Fahrt kommen auch Stefano Bernadin als Geliebter Marias, Siegfried Walther und all die anderen. (Kronen Zeitung)
Besonders reizvoll ist, wie souverän und sexy Nina Proll die schöne Schauspielerin spielt [...].
Diese kluge Frau jongliert mit der Eitelkeit (und der Dummheit) der Männer, dass es nur so eine
Freude ist. Ihr Ehemann auf der Bühne und im Leben ist Gregor Bloéb, der Josef Turas Eitelkeit
geradezu um sich herum "sprüht", der ganze Mann ist eine aufgeblasene Pose, ohne dabei die
Glaubwürdigkeit der Figur zu verschleudern (ein wenig "Hamlet"-Parodie ist auch dabei, und er
genießt sie). [...] Besonders witzig Ljubiša Lupo Grujčić als Chargenspieler Bronski, Spezialität:
Auftritte als Hitler. Und absolut berührend, wunderbar, goldrichtig: Gideon Singer als Grünberg,
der vom Shylock träumt [...]. Zwischen den Fronten des Geschehens: Stefano Bernardin als
entsprechend gut aussehender Liebhaber, und auf der Seite der Nazis: Oliver Huether als schmieriger
Professor (teilweise auch als dessen Leiche), und Martin Zauner als Gruppenführer Erhardt, einer,
den man mit der Erwähnung des Namens "Hitler" in Schach halten kann und der vor Unsicherheit
zappelt, um sich in einem lebensgefährlichen System nicht zu verheddern: Zauner liefert eine
umwerfende Studie der bösartigen Hysterie… Im übrigen gibt es eine Nebenrolle, die eindrucksvoll
ins Auge sticht: Fabian Stromberger spielt einen kleinen Sturmbandführer, der hilflos und wütend
zusehen muss, wie sein unberechenbarer Chef einen Blödsinn nach dem anderen macht, mit einer
Ernsthaftigkeit, als ginge es hier nicht um eine Satire, sondern um brutale Wirklichkeit. (Der neue Merker)
Humor und Spiel sind bisweilen das Einzige, das im Angesicht der schieren Gewalt noch bleibt: Das
Nazigrauen als Fundament für eine schwungvolle Screwballcomedy - dieses Vabanquespiel ist den
Wiener Kammerspielen am Donnerstagabend fulminant gelungen. Basierend auf Ernst Lubitschs
Kinoklassiker aus 1942 bezirzte "Sein oder Nichtsein" bei der Premiere die Zuschauer mit schnellem
Spielwitz sowie einem sprudelnden Ideenreichtum des Bühnenbildners und der Regie, was ausgiebig
bejubelt wurde. [...] Dem Wiener Ensemblen glückt ein humorvolles Spiel, das weitgehend auf
dümmlichen Körperslapstick verzichten kann und stattdessen auf präzise Wortwechsel setzt.
Herausragend hierbei Gregor Bloéb als leidlich begabter Schauspieler Josef Tura, [...]. Auch
die Nazi-Witzfigur Erhardt wird von Martin Zauner mit der adäquaten Mischung aus Brutalität und
Weinerlichkeit gespielt. (APA)
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