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Glamouröse Wienerinnen

Frauen mit dem gewissen Etwas

Inhalt

Buchpräsentation und Lesung
So, 22. Jänner 2017, 11.00 Uhr
Sträußelsäle, Theater in der Josefstadt


Kartenpreis: € 10,50

Werner Rosenberger Metroverlag Wien

Moderation: Fritz Panzer (Herausgeber des Buches "Die Josefstadt")

Sie alle waren einmal berühmt: Stars anno dazumal in der Welt von Tanz, Theater, Varieté und Film. Frauen mit Glanz und Geheimnis. Das Theater in der Josefstadt und die Kammerspiele waren für viele – nicht zuletzt duch Max Reinhardt - wichtige Stationen in ihrer Karriere. Sie haben in Wien um 1900 und in den aufregenden Golden Twenties Furore gemacht und sind heute vielfach vergessen. Zu Unrecht, denn sie waren mutig und modern in einer noch gar nicht modernen Zeit.

Wie sich hier Annie Dirkens schon vor 1900 im Vaudeville "Wie man Männer fesselt" im Theater in der Josefstadt an- und vor allem auszieht, hat liebenswürdige Grazie. Ruth Landshoff-Yorck steht mit Marlene Dietrich in der Josefstadt auf der Bühne, tritt später in Murnaus Vampir-Gruselklassiker "Nosferatu – eine Symphonie des Grauens" auf, und Oskar Kokoschka hat einen Revolver dabei, als er sie zeichnet.

Franz Molnárs "Liliom" wird erst in Wien ein Erfolg: Der wohl bedeutendste ungarische Dramatiker des 20. Jahrhunderts, als "Pariser Wiener aus Budapest" apostrophiert, schreibt für seine Geliebten, seine Ehefrauen und seine Lebensabschnittspartnerinnen. Und die Welt kennt die Namen seiner Frauen wie Sári Fedák und Lili Darvas, denen er große Rollen schenkt.

Auch Gerda Maurus landet im Theater in der Josefstadt, ist dann in den  Kammerspielen der Star in der Karl-Farkas-Revue "Was Frauen träumen" und schließlich der erste Mensch auf dem Mond: Im Film "Frau im Mond" von Fritz Lang fliegt sie neben Willy Fritsch ins All als Studentin in einer sechsköpfigen Crew, mit Hose und Krawatte im Forscherlook. Sie ist das typische Wiener Mädel, wie Arthur Schnitzler diese Erscheinung genannt hat: blond, übermütig, lustig; und die erste richtige Wienerin, die es zum internationalen Filmstar bringt.

Elisabeth Bergner ist ein Mythos, eine Legende, die Königin des Theaters. Die schüchterne Wienerin aus der Leopoldstadt wird als Idol der 20er und frühen 30er Jahre bejubelt, geliebt und vergöttert wie zuvor nur die Duse und die Bernhardt: Die Bergner inspiriert die Dichter, Maler und Bildhauer ihrer Zeit und beeinflusst das Lebensgefühl einer ganzen Epoche. Nicht Mann, nicht Frau, nicht Kind. Androgyn, zerbrechlich und naiv – so wird sie häufig beschrieben. Sie bricht reihenweise Männerherzen. Ob die zarte Diva in Stücken von Shakespeare, Schiller, Hauptmann, Shaw oder Strindberg auftritt, ihr besonderer Zauber gibt ihren Zeitgenossen ein Rätsel auf, das sie nie ganz lösen können.

Anekdotenreich erzählt werden in "Glamouröse Wienerinnen" die spannenden, oft dramatischen und mitunter tragischen Geschichten von 26 faszinierenden Frauen: Manche  tanzten ein paar Jahre unter medialem Skandalgetöse exzentrisch durch die aus den Fugen geratene Zeit, um dann mitten in einem Leben auf der Überholspur zu sterben. Oder gehen verlassen und elend wie die Schauspielerin Maria Orska - wie die Hauptakteurin in Arthur Schnitzlers Novelle "Fräulein Else" - an einer Überdosis Veronal zugrunde.

Aufreger im Wiener Nachtleben waren außerdem Nackttänzerinnen wie Anita Berber. Für Tratsch und Aufsehen mit ihren Eroberungen in der Männerwelt sorgten schließlich das Hans-Makart-Modell Hanna Klinkosch, die Wiener Pfarrerstochter Marietta Johanny und die Gräfin Kitty Schönborn, die Braut von Baron Rothschild. Und die Tänzerin Choreographin Maria Ley aus Wien, die alle "La Parisienne" nannten, musste wie viele der aus Europa Vertriebenen ihrer Generation die Erfahrung machen: Man "erbte die Häuser, aber hatte kein Zuhause".

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