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Theater in der Josefstadt/Sträußelsaal
Premiere:

Gerhild Steinbuch

MS Pocahontas

Österreichische Erstaufführung

Pocahontas, Version 1: Eine schöne Frau trifft in der Wildnis auf einen weitgereisten Fremden. Ihre Liebe überwindet die Kluft zwischen ihren Völkern.
Pocahontas, Version 2: Ein elfjähriges Mädchen wird von einer Gruppe Eroberer entführt; ihr Volk wird unterworfen, ihre Heimat zerstört.

Geschichte wird von Siegern geschrieben, Geschichten gerne von Disney – und die Besatzung von Gerhild Steinbuchs MS Pocahontas gibt sich, mit Farbeimern und Pinseln ausgestattet, redlich Mühe, ihre Geschichte in möglichst bunten Farben zu übermalen:

Und Wilde, also Wilde ist ja nur ein Wort
Wie Baum oder Schiff oder Haus oder Neger
Liebe hingegen, die ist ganz bestimmt nicht nur ein Wort
Oder schon ein Wort, aber ein schönes, und das passt
Das passt perfekt zu dir, wie du so in der Landschaft stehst
Mein Kind, ich glaub, du bist verliebt in mich


Doch bald stellt sie fest, dass das Bewahren eines positiven Selbstbildes harte Arbeit ist. Vor allem, wenn die Welt sich weiterdreht und man mit den Folgen der Schönfärberei konfrontiert wird. Plötzlich sehen die Protagonisten Boote auf die eigenen Küsten zusteuern, bis zum Rand gefüllt mit Menschen, die Schutz und Hilfe suchen. Und Angst und Abwehr setzen ein, während man sich gleichzeitig überschwänglich selbst versichert, auf der Seite der Guten zu sein.

In der Kulisse der Sträußelsäle steht ein Fremdkörper – und Fremdkörper in dieser Welt sind auch die Figuren, die ihn bevölkern. Zwischen Anpassung und Auflösung: In ihrer zweiten Regiearbeit am Theater in der Josefstadt geht  Christina Tscharyiski der Frage nach, was das Fremde zum Fremden macht – und wer kolonialisiert hier eigentlich wen?

Regie
Christina Tscharyiski

Bühnenbild und Kostüme
Dominique Wiesbauer

Dramaturgie
Cinja Kahl

Mit
Miriam Fontaine
Swintha Gersthofer
Eva Mayer
Wojo van Brouwer
Claudius von Stolzmann