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Wer hat Angst vorm bösen Wolf!

Grimms Märchen für Erwachsene. Eine ernst - heitere Reise in unsere dunkle Seele!

ca. 2 Stunden, 20 Minuten (Pause nach ca. 60 Minuten)

Inhalt

Probebühne, Theater in der Josefstadt

Karten:
€ 25,-
freie Platzwahl

Der Vorverkauf für diese Veranstaltung beginnt
am Di, 10. Jänner 2017.

Erzählt von Erich Schleyer
dazu musizieren Sain Mus: Clemens Sainitzer (Cello) und Philipp Erasmus (Gitarre)

Vor 200 Jahren veröffentlichten die Brüder Grimm ihre Märchensammlung. Sie wurde das erfolgreichste Buch deutscher Sprache weltweit.
Die Sammlung von Volksmärchen  sollte der Wissenschaft dienen.
Sie wurden erst populär, als sie umgeschrieben wurden. Jetzt sollten die Märchen auch Kinder erreichen.

Rapunzel, Rotkäppchen, Dornröschen, Blaubart. Sexuelle Anspielungen wurden entschärft, handfeste Erotik durch Wunder und Zauberei ersetzt.

Erich Schleyer schaut sich die nicht jugendfreien Urfassungen amüsiert an.

"Ein genaueres Studium der Märchen würde uns darüber belehren, was wir in der Welt noch zu erwarten haben."
(Elias Canetti)

Stellen Sie sich vor, wir erzählen in der abendlichen Stunde nicht "Schneewitchen", sondern vom "garstigen Mädchen", das so garstig ist, das es früh sterben muss. Und erst dann im Grab Ruhe findet, als die Mutter mit einer Rute, das aus dem Grab immer wieder herausgestreckte Ärmchen, schlägt.
Stellen Sie sich vor "Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben!" und alle sind tot!

Da erzählen die Märchen von schwarzer Pädagogik! Und gleich hagelt es Proteste von den Pädagogen - und Frauen- und fortschrittlichen Kirchenverbänden!
Aber es ist doch Grimm!
Das erzählt man so...
"Da hatten alle Sorgen ein Ende", und sie lebten glücklich und voller Freude zusammen.
Wie oft haben wir sie unseren Kindern vorgelesen, denn sie belohnen die Guten, bestrafen die Bösen, darin liegt ihre unverschämte Utopie.
(Matthias Matussek)

Es sind Menschen in Not, sie sind auf der Flucht, die kein Geld haben, die Hunger haben, es sind Ehepaare die zu viele Kinder haben, und die raus in die Welt müssen, oder die keine Kinder bekommen können.
Es sind Reisegeschichten, es sind Vertreibungsgeschichten, sie sind Vertriebene.

Aber zuletzt wird das Märchen immer golden, genug Glück ist da. Gerade die kleinen Helden und Armen gelangen dorthin, wo das Leben gut geworden ist.
(Ernst Bloch)

"Schleyer liebt es zu erzählen und vorzulesen. Und er liebt Märchen- vor allem Originaltexte. Er interpretiert die Märchen der Brüder Grimm mit einer Intensität, als handle es sich bei den Figuren um echte Lebewesen, mit denen man  fühlt und bangt."

In seiner musikalischen Lesung:
"Grimm für Erwachsene" wird er samt allen Doppeldeutigkeiten und expliziten Anspielungen, die die  Texte bieten, begleitet vom Duo SainMus. Zwei Wiener Musiker  Clemens Sainitzer am Cello und Philipp Erasmus an der Gitarre, unterwegs auf dem schmalen Grad zwischen Improvisation und Komposition, eine seltene, eigenwillige , eine spannende musikalische Kombination.
Aber wussten Sie das "Rotkäppchen" das Männer feindlichste Märchen und "König Blaubart" das Frauen feindlichste ist?

Man spricht von Brettern , die die Welt bedeuten; man könnt es vielmehr von Märchen sagen, die arme, gebundene Natur träumt von Erlösung und spricht im Traume in angebrochenen, wundersamen Lauten rührend, kindisch, erschütternd, es ist das uralte wunderbare Lied, das in allen Dingen schläft.
(Joseph Freiherr von Eichendorff)

Als die Bauern noch in Leibeigenschaft waren, eroberte der Bauernjunge des Königs Tochter. Als die gebildete Christenheit vor Hexen und Teufel zitterten, sie verbrannten Hexen!, betrog der Märchensoldat Hexen und Teufel von Anfang an.

Das Märchen lebt mit uns!
"Die Märchen reden in einer Bildsprache, sie malen gleichsam in Worten. In so einem kurzen Märchen über zwei, drei Seiten ist ein gigantischer Kosmos enthalten, der manchmal über einen 800  - Seiten Roman hinausgeht."
Märchen sind Meteoriten in der Landschaft der Literatur.