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Theater in der Josefstadt
Premiere: 14.03.2019

Franz Werfel

Jacobowsky und der Oberst

ca. 2 Stunden, 30 Minuten (Pause nach ca. 95 Minuten)

Der einzige Vorsprung, den der Verfolgte auf der Welt hat, besteht darin, dass er nicht der Verfolger ist.
Jacobowsky

Im Juni 1940 besetzt die deutsche Armee den Norden und Westen Frankreichs. Der polnische Jude Jacobowsky muss wieder einmal wegen seiner Herkunft die Flucht ergreifen. Sein Landsmann Oberst Stjerbinsky soll geheime Dokumente nach England bringen. In einem Hotel in Paris treffen sie aufeinander, und weil der Oberst ein tapferer Offizier, für die praktischen Dinge des Lebens allerdings ungeeignet ist, Jacobowsky aber für jedes Problem eine Lösung in den Schoß fällt, nehmen sie gemeinsam die gefährliche Reise an die Atlantikküste auf sich.

In Jacobowsky und der Oberst verarbeitete Franz Werfel seine eigene Flucht, die ihn und seine Ehefrau Alma Mahler-Werfel gemeinsam mit Heinrich und Golo Mann durch Frankreich, Spanien und Portugal in die USA geführt hatte. Im Freundeskreis erzählte er seine Fluchterlebnisse sowie jene, die ihm von Schicksalsgenossen berichtet wurden – darunter auch die des Stuttgarter Bankiers Jacobowicz, der gemeinsam mit einem polnischen Offizier im Auto durch Frankreich geflüchtet war –, so humorvoll, dass man ihn drängte, für Max Reinhardt eine Komödie darüber zu schreiben. Im März 1944 kam es unter dem Titel "Jacobowsky and the Colonel" zur Uraufführung am Broadway, wo es sich zwei Jahre lang auf dem Spielplan hielt.

Jacobowsky und der Oberst war Franz Werfels letztes Stück. Die Verfilmung mit Curd Jürgens und Danny Kaye aus dem Jahr 1958 erhielt eine Nominierung für den Golden Globe Award.

In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen auf der Bühne geraucht.

Der Held des Abends ist Johannes Silberschneider als jüdischer Kaufmann Jacobowsky. Er macht die von Werfel überidealisierte Figur menschlich und serviert jede Pointe, jedes Bonmot, jeden Aphorismus mit großer Gelassenheit. In der klaren, unaufgeregten Inszenierung von Janusz Kica macht Föttinger alles mit, in der Rolle des polnischen Oberst vom Charmeur zur wehleidigen, eifersüchtigen, hasserfüllten Karikatur. Was am meisten erstaunt: Dass in der Josefstadt mit dem Humanpotenzial geradezu geurasst wird. Denn jede noch so kleine Rolle wurde besetzt. Und so darf man sich an Miniaturen unter anderem von Ulli Maier, Alexander Absenger, Johannes Seilern und Siegfried Walther erfreuen. Karin Fritz baut wirkungsmächtige Szenarien aus wenigen Elementen.
(KURIER)

Mit Johannes Silberschneider als Titelheld und Randfiguren, die von Regisseur Janusz Kica mit großem Ernst und ebenso hohem Können vor nachtschwarzer Kulisse für die Dauer von Lidschlägen zu schattenhaftem Leben erweckt werden ist das Franz-Werfel-Stück im Wiener Josefstadt-Theater ein Plädoyer für die Menschlichkeit. Die klug gekürzte, um allegorischen Ballast erleichterte Inszenierung lebt nicht nur von hinreißenden Schauspielern. Sie stellt die Aussichtslosigkeit der Lage, trotz glückender Flucht, nicht in Frage. Sie nimmt sie ernst, aber verlacht sie zugleich. Chapeau!
(Der Standard)

Johannes Silberschneider ist nicht weniger als genial besetzt als Jacobowsky. Ihm gelingt die Gratwanderung zwischen Galgenhumor, alternativlosem Optimismus und Untergangsrealismus grandios. Herbert Föttinger darf als missmutiger Oberst alle Register des bösartigen, aber umso witzigeren Grants mit polnischem Kunstakzent ziehen. Überhaupt, wenn er wieder "sährr schwärmüttig" ist. Ein luxuriöses Ensemble unterstützt die Hauptfiguren in der fast filmisch-episch anmutenden Inszenierung und machen Werfels feinsinnigem, aperçureichem Witz mit philosophischem Fundament alle Ehre. Ein erbaulicher Theaterabend, der zeigt, dass Humor und Intelligenz sich auch vertragen - so wie Jacobowsky und der Oberst am Ende.
(Wiener Zeitung)

Janusz Kica hat Franz Werfels Tragikomödie mit großem Ensemble beinahe schnörkellos und beachtlich einfühlsam inszeniert, in feiner Zurückhaltung, die dann einige Gags umso stärker wirken lässt. Ihm stehen ein hervorragendes Quartett für die Hauptrollen und einige bemerkenswerte Charakterdarsteller zur Verfügung. Im Zentrum des Geschehens steht bei dieser Aufführung ein Schauspieler, der scheinbar mühelos, wie beiläufig, zur vollen Geltung kommt. Johannes Silberschneider ist ein idealer Protagonist, er verströmt die Sanftheit eines hoffnungslosen Optimisten und trifft stets den richtigen Ton. Dieser Jacobowsky ist abgeklärt, weise und zugleich ironisch-verschmitzt, niemals aber zynisch. Kraftvoll ergänzt von seinem Antagonisten. Hausherr Herbert Föttinger spielt diesen Oberst und bekommt im Verlauf des Abends immer mehr Kontur. Die Pointen sitzen, auch bei Pauline Knof als umschwärmte Patriotin Marianne und Matthias Franz Stein, der es versteht, das doch meist düstere und manchmal gar ins Pathetische changierende Ambiente immer wieder aufzuheitern. Schöne Charakterrollen liefern Ulli Maier, Alma Hasun, Therese Lohner, Tobias Reinthaller, Siegfried Walther, Paul Matic und Wojo van Brouwer.
(Die Presse)

Ein feingesponnenes und herzenswarmes Theaterwunder mit Witz hat Janusz Kica da geschaffen. Er setzt auf Atmosphäre, Authentizität und Schauspielkunst. Der wird durch Johannes Silberschneider, Herbert Föttinger, Pauline Knof und – wirklich – allen anderen größtmögliche Ehre erwiesen. In seiner Qualität ist das ganz altmodisch und darum wie neu.
(Kronen Zeitung)

Janusz Kica hat im Theater in der Josefstadt 75 Jahre nach der Uraufführung Franz Werfels "Jacobowsky und der Oberst" als schnörkellose, aber ungemein mächtige Erzählung über die Themen Flucht, Religion und Freundschaft inszeniert.
Kein Schnickschnack, sondern Besinnung auf die Macht des Textes und detaillierte Charakterzeichnungen. Johannes Silberschneider begeistert in der Titelrolle. Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger ist ein kongenialer "Gegensatz" zum rechtschaffenen Geschäftsmann Jacobowsky. Ihm zur Seite steht mit Matthias Franz Stein ein ergebener Offiziersbursche Szabuniewicz, Pauline Knof als französische Geliebte Marianne überzeugt in einer Rolle, der zu Beginn eine ordentliche Portion Naivität und Lieblichkeit anhaftet, die sie aber bald zu durchbrechen weiß, um rasch zur einzigen noch handlungsfähigen Protagonistin zu werden, die die beiden Männer mehr als einmal rettet. Auch die Kurzauftritte von Ulli Maier als Hotel-Chefin Madame Bouffier über Alma Hasun als leidenschaftliche "leichte Person" bishin zu Gerhard Kasal als allzu gutgläubigen deutschen Oberleutnant zu starken Szenen.
Die Wirrnisse des Krieges, die überraschenden Allianzen und plötzlich auftauchenden Gefahren, der Wert des richtigen Stempels und der Drahtseilakt des richtigen Tons im falschen Moment - all die düsteren Schattierungen, bringt Kica mit seinem hervorragenden Ensemble voll zur Geltung. Da braucht es keine Anbiederung an die Gegenwart - die Vergangenheit ist noch nicht so lange her, als dass man deren Grauen nicht in jeder Sekunden am eigenen Leib nachempfinden könnte.
In der laufenden Spielzeit, in der Kica bereits mit Daniel Kehlmanns Dramatisierung von "Die Reise der Verlorenen" ein Fluchtdrama im Gedenken an den Zweiten Weltkrieg inszeniert hat, ist "Jacobowsky und der Oberst" ein weiterer starker Gedenkjahr-Beitrag des Theaters in der Josefstadt.
(APA)

Franz Werfels "Jacobowsky und der Oberst" gerät zu einem der Glanzstücke der laufenden Saison an der Josefstadt. Allen voran begeistert Johannes Silberschneider in der Rolle des Jacobowsky. Im klugen Verzicht auf allzu nachdrücklich rührseliges oder schelmisches Spiel, zu dem diese Figur verlockt, stellt er einen ernstzunehmenden und in seinen fünf Fluchten über den halben Kontinent gestählten Ironiker dar. Gewandt gestaltet Hausherr Herbert Föttinger den polnischen, in der adeligen Wolle gefärbten Antisemiten, Haudrauf. Schön anzusehen ist, wie die der Eitelkeit und Überforderung geschuldete Humorlosigkeit von Föttingers Oberst im perfekten Zusammenspiel mit Silberschneiders Jakobowsky, Mathias Franz Steins Laufbursch Szabuniewicz und Pauline Knofs Fluchtgefährtin Marianne in wirklich komische Szenen mündet. Sehr genau geht die Regie mit dem riesengroßen Personal um. So haben unter anderem Alexander Absenger als "Tragischer Herr" oder Michael Schönborns Flic, der nach Dienstschluss menschlich sein darf, Ulrich Reinthallers zwiespältiger englischer Retter oder Gerhard Kasals einfältig-schmissiger Wehrmachtsoffizier auch in Nebenrollen einige Entfaltungsmöglichkeit. Prädikat sehenswert.
(Tiroler Tageszeitung)

Neben den teils tieftraurigen, teils witzigen, teils spannenden Seitensträngen beeindrucken an diesem Abend Föttinger und Silberschneider als krasses Gegensatzpaar. Ein empfehlenswerter Theaterabend.
(Falter)

Janusz Kica hat das Stück inszeniert, schnörkellos, ganz auf die Kraft des Textes und der grandiosen Darsteller setzend. Der in allen Aspekten geglückte Abend ist ein weiterer starker Beitrag zum Spielzeitmotto des Hauses: "Flucht und Heimatlosigkeit".
(Mottingers Meinung)

Regie
Janusz Kica

Bühnenbild und Kostüme
Karin Fritz

Dramaturgie
Silke Ofner

Licht
Manfred Grohs

Sounddesign
Matthias Jakisic

Jacobowsky
Johannes Silberschneider

Oberst Tadeusz Boleslav Stjerbinsky
Herbert Föttinger

Marianne
Pauline Knof

Szabuniewicz
Matthias Franz Stein

Der tragische Herr
Alexander Absenger

Der Unsterbliche (Membre de l'Académie Française)
Johannes Seilern

Madame Bouffier, Wirtin des Hotels "Mon Repos et de la Rose"
Ulli Maier

Ginette, Mariannes Jungfer
Therese Lohner

Salomon, Concierge des Hotels "Mon Repos et de la Rose"
Tobias Reinthaller

Die alte Dame aus Arras
Marianne Nentwich
Ulli Fessl

Clémentine
Katharina Hope Kemp/Lara Nguyen

Das junge Mädchen
Anna Laimanee

Die leichte Person
Alma Hasun

Der Chauffeur eines reichen Hauses in Paris
Alexander Strömer

Clairon, Wirt des Cafés "Au père Clairon" in Saint Jean-de-Luz
Siegfried Walther

Der Brigadier der Sûreté von Saint Cyrill
Michael Schönborn

Der Commissaire Spécial de la Police in Saint Jean-de-Luz
Paul Matic

Ein Oberleutnant der deutschen Armee
Gerhard Kasal

Ein Tourist der Gestapo
Wojo van Brouwer

Der Würfelspieler
Ulrich Reinthaller

Der Chef d'Îlot
Claudius von Stolzmann

Ein Witwer
Oliver Rosskopf

Kleiner Junge
Phillip Bauer/Simon Stadler-Lamisch

Kamnitzer
Tamim Fattal
Christoph Kostomiris