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Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 08.04.2010

Stefan Vögel

Altweiberfrühling

ca. 2 Stunden, 10 Minuten, eine Pause

Eine eigensinnige Witwe und ihre Freundinnen, die sich nicht unterkriegen lassen, stellen das Leben in einem verschlafenen Dörfchen mit Charme, Herz und Biss gehörig auf den Kopf. Die Komödie erzählt dabei von der zweiten Chance im Leben und vom Mut, der nötig ist, um sie zu nutzen – denn für die Verwirklichung von Träumen ist es nie zu spät! 

Das ganze Leben hat die 76-jährige Martha in ihrem kleinen Dorf verbracht. Jetzt ist ihr Ehemann gestorben und das Leben erscheint ihr ohne Sinn. Der familieneigene Gemischtwarenladen lohnt sich nicht mehr und ihr Sohn Walter, der Dorfpfarrer, möchte die Räume am liebsten ganz für seine Bibelgruppe haben. Doch zum Glück ist Martha nicht allein. Ihre Freundinnen Frieda, Hanni und Lisi stehen ihr zur Seite und ermuntern sie, noch mal etwas Neues zu beginnen. Da erinnert sich Martha an ihren Jugendtraum: damals wollte sie in Paris eine kleine Dessous-Boutique eröffnen.

In den Wiener Kammerspielen sorgte die Premiere (...) für Lachstürme. Gampe lässt im praktikablen Bühnenbild von Rolf Langenfass mit Überdruck agieren und sammelt souverän die sicheren Lacher ein: Die gibt es etwa für einen tollen Strip der den Abend dominierenden Erni Mangold, für die Mahnung der jungen Geliebten (Therese Lohner) an den doppelmoralischen Pfarrer (Siegfried Walther) "Du musst es endlich deinem Bischof sagen!" oder für eine "Brandrede" des "VHP"-Leiters (Peter Moucka), der beim "Senioren-Bauern-Brunch" gegen den Einzug der Sünde im Dorf hetzt.  Das Publikum (...)  honorierte diesen "Altweiberfrühling" mit viel Applaus, und es gab wohl niemanden, der die Schlussbotschaft nicht goutiert hätte: "Man muss sich mit gar nichts abfinden. Seine Träume soll man leben!"
(APA)

Temporeich treibt Regisseur Michael Gampe das Geschehen im alten, von einer bestens gezimmerten Holztheke dominierten Geschäftslokal voran. Dem Sujet des Stücks alle Ehre machen dabei die schön einfach entworfenen Röcke, Kleider und Kostüme von Rolf Langenfass (auch Bühne). Schrill darf (...) Erni Mangold wirken. Im pinkfarbenen Lacklederrock macht sie dem verschlafenen Nest echt Dampf und legt einen coolen Strip hin: "Hallo, ihr süßen Hornissen!" Bestes Vergnügen.
(Standard)

Rührend wie komisch wird gezeigt, wie die aufmüpfigen alten Damen das bigotte Dörfchen aufwirbeln. Die Botschaft ist klar: Im Alter ist alles möglich. Es ist nie zu spät, einen Neuanfang zu wagen und seine Träume zu verwirklichen. Genau getimtes Gute-Laune-Theater über Seniorinnen, die sich emanzipieren und am Ende über die Spießer triumphieren.
(Kurier)

Altweiberfrühling ist ein Fest für große Schauspielerinnen – Höhepunkt des Abends war ein (eleganter) Striptease der ewig jungen Erni Mangold, der das Premierenpublikum in Höchststimmung versetzte.
(Österreich)

Ingrid Burkhard als Geschäftsinhaberin und ehemalige Weißnäherin Martha (...) berührt in stillen Momenten. Gertrud Roll überzeugt als traditionsverhaftete, zunächst eingeschüchterte, sich langsam emanzipierende Frau aus bäuerlichem Milieu.
(Wiener Zeitung)

Stefan Vögels Adaption des Themas um die Verweigerung des Alters vor dem Abgeschoben-Werden ist durchaus liebenswert, leichte Komödienkost mit Druckfunktion auf die Tränen drüse und gespickt mit Bonmots und einiger Situationskomik: perfekt für besondere weibliche Typen. Mit Ingrid Burkhard als trauernde Schneiderin Martha, Erni Mangold als komisch schrille Lisi, Marianne Nentwich als schwerverliebte feine Dame und Gertrud Roll als versklavte Bauersfrau auf dem Weg zur Selbstbefreiung hat das Theater in der Josefstadt eine Truppe gefunden, die mit viel Mut, Witz und Charme dem Ego auf die Sprünge hilft. Regisseur Michael Gampe brauchte da keine absurden Gags, nur eine behutsam ordnende Hand. Nett!
(Kronen Zeitung)

Mangold, von Kopf bis Fuß auf pink eingestellt, selbst die Haare sind entsprechend gestreift, legt einen heißen Strip aufs Parkett. (...) Mangold-Fans dürfen sich freuen. Sie ist und bleibt ein Original. Witzig und echt als Bäuerin: Gertrud Roll.
(Die Presse)

Regie
Michael Gampe

Bühnenbild und Kostüme
Rolf Langenfass

Martha Jost
Ingrid Burkhard

Walter Jost, ihr Sohn, Pfarrer des Ortes
Siegfried Walther

Lisi Biegler, eine exzentrische Frau, Marthas Freundin
Erni Mangold

Frieda Ehrenberg, eine vornehmere Dame, Marthas Freundin
Marianne Nentwich

Hanni Beer, Marthas Freundin
Gertrud Roll

Fritz Beer, Hannis Sohn, Bürgermeister des Ortes
Peter Moucka

Shirley Bigler, Lisis Tochter
Therese Lohner