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Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 22.11.2012

Nach dem Roman von Lily Brett

Chuzpe

Uraufführung

ca. 2 Stunden, 10 Minuten, eine Pause

In einer Bühnenfassung von Dieter Berner und nach einer Dramatisierung von Eva Demski

Ruth kann nicht begreifen, dass ihr Vater Edek, vor wenigen Wochen erst aus Melbourne zu ihr nach New York gezogen, weit davon entfernt ist, einen ruhigen Lebensabend zu verbringen.
Und dass Lebensabend überhaupt der falsche Begriff ist für den munteren Siebenundachtzigjährigen. Zunächst macht er sich in Ruths Korrespondenzbüro »nützlich« und bringt dort alles durcheinander. Doch wenig später ziehen ganz selbstverständlich und ohne, dass Ruth vorher darüber informiert worden wäre, Zofia und deren Freundin Walentyna bei Edek ein – zwei Damen im besten Alter, die Edek bei einer Reise nach Polen kennen gelernt hatte. Als Edek zusammen mit Zofia und Walentyna auch noch ein Restaurant in der Lower Eastside eröffnen will, das auf Fleischbällchen spezialisiert ist, werden Ruths Nerven auf eine harte Probe gestellt.

EDEK: Zofia hat den Plan, aufzumachen ein kleines Restaurant, mit höchstens sechs, acht Tischen, Zofia macht die Klops und Leute, was das wollen, können die essen im Restaurant, und Leute, was sie wollen mit nach Hause nehmen, können das auch machen. Das nennt man Take-Out! Ich werde sein ihr Partner und mich kümmern um das Geschäft.  Da kann ich mich natürlich nicht so wie bisher um dein Geschäft kümmern, Ruthie, aber ich hab ein Auge drauf, das ist versprochen!
RUTH: Aber Dad, du hast von all dem keine Ahnung! Ich meine, Gastronomie, die meisten Lokale, die in New York aufmachen, sind kurz darauf wieder geschlossen. Ihr wisst nicht, was ihr da tut. Man kann das nicht einfach so aus dem Stand! Das ist wie Klavier spielen … oder ein Flugzeug fliegen…
EDEK: (wütend) Wir haben vielleicht keine Ahnung von solche Snobby-Snobby-Lokale, in was meine Tochter immer geht und bezahlt einen Haufen Geld für Kuhfutter! Es soll sein ein sehr kleines Restaurant mit sehr gute Klopse, was bisher in New York nicht gibt! Und davon haben wir Ahnung! Das ist kein Flugzeug und schon gar kein Klavier! Wir haben eine Menge Erfahrung mit diese Klopse, ich habe eine Menge davon gegessen und sehr viele andre Leute haben auch davon gegessen.

Es ist hinreißend, "Edek" Otto zuzusehen, wie er spitzbubenhaft seinen Willen durchsetzt und bei jeder Etappe seines neuen Lebens versucht, die übernervöse und besorgte Tochter möglichst lange im Ungewissen zu lassen, ohne sie direkt zu belügen. Lauter vage Andeutungen, ständig schlenkernde Gesten, die alles und nichts bedeuten. Schenk ist ganz in seinem Element. Und als seine dralle polnische Liebe Zofia (eine wirkliche Wucht: Grazyna Dylag) ihn in jeder Hinsicht glücklich macht, wird Ruth noch nervöser.
(APA)

Amüsante Premiere. Otto Schenk brilliert als köstlich jiddelnder Edek.
(Österreich)

Große Unterhaltung.
(Falter)

(...)Otto Schenk, wie immer genial komödiantisch und wiederisch-jiddisch grantelnd, und ja, voller Chuzpe!(...)Sandra Cervik, neurotisch, hilflos aber liebevoll ihrem Vater gegenüber(...)Grazyna Dylag, perfekt in der Rolle der charmanten, reifen Sexbombe(...).
(nachtkritik.de)

Wenn das kein Hit wird! Ein wundervolles Buch, eine kluge Bühnenfassung (von Regisseur Dieter Berner) und ein Otto Schenk zum Niederknien – Lily Bretts Roman "Chuzpe" wird in den Wiener Kammerspielen zu einem bewegenden, hinreißend komischen Plädoyer für Mut und Lebensfreude. Vor allem dank des grandiosen Otto Schenk, der diesen Edek mit so viel Kraft, Gespür, Sentiment und einer fast zärtlich-abgeklärten Altersweisheit spielt, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt. Schenk gibt diesen so gar nicht meschuggenen Edek mit hinreißender Grandezza und Bravour. An seiner Seite: Die großartige Sandra Cervik in der vielleicht schönsten Rolle ihrer Karriere als extrem authentische, in all ihren Zwängen gefangene Ruth. Dieses Doppel überzeugt. Traumhaft.
(Kurier)

Geistvolle Komödie. Das Zeug, ein Hit zu werden. Wer mit so viel Herz, so einmaliger Mimik, so viel Gespür für Pointen spielt, für den ist der Text eigentlich nebensächlich: Schenk tänzelt durch diesen Abend wie durch eine leichte Oper von Mozart. Mit Wehmut ahnt man – hier spielt ein ganz Großer schwerelos etwas ziemlich Schwieriges: Er gibt das Alter, das Ende – und trotzdem das Leben.
(Die Presse)

Köstlich ist erwartungsgemäß Otto Schenk, der Edek eine hübsche wienerische Note gibt und sich ohne Zweifel großteils selbst sehr amüsiert. Großes Vergnügen bereiten auch Dylag als Zofia und Gabriele Schuchter als Walentyna. Im munteren Zusammenspiel mit Otto Schenk sind die fröhlich-furchtlosen Polinnen tatsächlich, wie auf einem Magazincover getitelt, "The Coolest Gang of New York".
(Wiener Zeitung)

Regie
Dieter Berner

Bühnenbild
Hyun Chu

Kostüme
Birgit Hutter

Video
Maximilian Berner

Ruth
Sandra Cervik

Sonja
Alexandra Krismer

Edek
Otto Schenk

Max
Eva Mayer

Zofia
Grazyna Dylag

Walentyna
Gabriele Schuchter

Video
Garth: Herbert Föttinger / Zachary: Konstantin Shklyar / Patricia Biscuit: Sona MacDonald