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Theater in der Josefstadt
Premiere: 09.09.1999

Pedro Calderón de la Barca

Das Leben ein Traum

Das Leben ein Traum kann als das erste existenzphilosophische Drama der Weltliteratur bezeichnet werden.

Die Fragwürdigkeit und die Ungewißheit scheinbar erlebter Wirklichkeit verweisen den von seinem Vater in frühester Kindheit verbannten und in Ketten gehaltenen Prinzen Sigismund auf seine "Geworfenheit ins Sein" und stürzen ihn in tiefste Verunsicherung.

Nachdem er Rosaura, den ersten Menschen neben Clotald, seinem Lehrer und Wächter, erblickt hat - "Je mehr ich dich anschaue, Desto mehr begehre ich dich anzuschauen. In ewigem Durst brennen meine Augen, Und bringt das Trinken mir den Tod, Sie trinken immer mehr und mehr. Und so will es mein Geschick, Daß ich am Sehen sterbe, Und tot bin ich, Weil ich zu sehen begehrt'" - erfährt Sigismund sein Alleinsein. Im Schlaf von seinem Vater ins Schloss gebracht und dort als Prinz erwachend, wird er zum Mörder aus Jähzorn und Laune. Danach, wieder im Turm gefangen, vermag Sigismund nicht mehr zwischen dem Erlebten und dem Traum zu unterscheiden, doch seine Handlungen sind zunehmend von der Angst vor irdischer Strafe bestimmt. Durch beginnende Existenzerhellung im Durchleben von Grenzsituationen und durch die Erkenntnis des Todes als endgültiges Erwachen aus dem Traumleben oder Lebenstraum wird der Kodex irdischer Belohnungs- oder Bestrafungsmuster durchbrochen - für Sigismund eröffnet sich die Möglichkeit der Entscheidung über sein Handeln, als ein Weg in die Freiheit. Durch die Wahrnehmung des Selbst im anderen, bei einer neuerlichen Begegnung mit Rosaura, kann Sigismund sich überwinden und auch seinem Vater, den er auf dem Schlachtfeld im Kampf um Thron und Krone besiegt, großmütig verzeihen.

Regie
Janusz Kica

Bühnenbild und Kostüme
Jürgen Lancier

Basilius, König von Polen
Hermann Schmid / Peter Moucka

Sigismund, der Prinz, dessen Sohn
Herbert Föttinger

Astolf, Herzog von Moskau
Roland Jaeger

Clotald, ein Alter
Toni Slama

Clarin, ein Narr
Ronald Kuste

Estrella, Infantin
Petra Morzé / Anna Franziska Srna

Rosaura, Hofdame
Elisabeth Breckner

und
Klaus Haberl Robert Kolar Martin Muliar Sebastian Pass