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Theater in der Josefstadt
Premiere: 17.09.2009

nach Heinrich Mann / Josef von Sternberg

Der blaue Engel

Uraufführung

Fassung des Theaters in der Josefstadt
mit Unterstützung von Peter Turrini

nach dem Roman "Professor Unrat" von Heinrich Mann und dem Film "Der blaue Engel" von Josef von Sternberg, unter Verwendung des Drehbuches von Carl Zuckmayer, Robert Liebmann und Karl Gustav Vollmoeller

Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen, Premiere im Theater am Kornmarkt am 19. August 2009

"Da er Rath hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat." - Der tyrannische und verknöcherte Gymnasiallehrer Professor Rath, der sein bisheriges Leben der Mission der Bildung untergeordnet hatte, gerät auf der fanatischen Jagd seiner ihn peinigenden Schüler in die Fänge eines verwirrend-fremdartigen Dunstkreises, der erotischen Halbwelt. Sie, das ist Lola, eine "Barfußtänzerin" im Tingeltangel Variéte "Der blaue Engel". Für Unrat bleibt sie die "Künstlerin"; auch dann noch, als er sich um Ruf und Stellung sorgen muss und diese schließlich verliert.

Der blaue Engel - Eine Satire über eine ungleiche Liebe? Auf alle Fälle ist diese Geschichte das Psychogramm einer exotischen Beziehung, die sich ihr Recht erwirkt, wenn die gesellschaftlichen und politischen Mechanismen durchschaut sind. "Unrat, dieses lächerliche Scheusal ... hat doch einige Ähnlichkeit mit mir", so der Autor Heinrich Mann in einem wenig beachteten Zitat über eine Gestalt, die seinen Weltruhm als Autor begründen und ihn für den amerikanischen Film interessant machen sollte. Ein viertel Jahrhundert nach Erscheinen des Buches lernte er Ende der Zwanziger Jahre im berüchtigten Westberliner Amüsierviertel Nelly Kröger kennen; ein Mädchen mit der "Seele der Halbwelt". Kurz darauf wurde nach der Romanvorlage der erste deutsche Tonfilm gedreht: "Der blaue Engel". Marlene Dietrich war mit einem Schlag berühmt, und mit ihr trat Heinrich Mann endlich aus dem Schatten seines Bruders, des Nobelpreisträgers. Die verpönte Nelly Kröger sollte seine Begleiterin ins Exil werden. Leben und Literatur - einmal mehr im Leben der Manns erwies sich das eigene literarische Werk für Heinrich als self-fulfilling prophecy.

Immer tragisch, im Komischen wie auch im komisch wirkenden Autoritären und auch in der zur Verblendung wachsenden Verliebtheit, gibt Erwin Steinhauer eine ausgezeichnete Vorstellung. (...) Großer Jubel. (...) Zwei Stunden gehobene Unterhaltung und ein Star in Hochform.
(Presse)

Die Aufführung wurde schon zur Bregenzer Festspielpremiere sehr gelobt - jetzt weiß man, weshalb.  Peter Turrini half bei der Theaterwerdung von Heinrich Manns "Professor Unrat", Herbert Föttinger orientierte sich am Film und formte die Geschichte des tyrannischen Lehrers und der Nachtklubsängerin als beklemmende Revue. Fabelhaft Erwin Steinhauer, dem man den autoritären Pädagogen, den verzweifelten Liebhaber und am Ende den gedemütigten Clown in jedem Augenblick abnimmt. Katharina Straßer (...) ist eine Lola, die mit der Kraft der Verzweiflung verführt und agiert. Feines, sehenswertes Theater.
(News)

Eine schauspielerische Großtat. (...) Katharina Straßer (...) scheint ihre Rolle der manisch-depressiven Lola inzwischen magnetisch aufgeladen zu haben. Hervorragend, wie schon in Bregenz, Sona MacDonald.
(Österreich)

Famos - Sona MacDonald erzählt als Kiepers Frau in ein paar Verächtlichkeitsgesten die Tragödie eines ganzen Berufsstandes.
(Standard)

Riss das Premierenpublikum zu Ovationen hin, wie man sie in dieser Lautstärke und Intensität schon lange nicht mehr erlebt hat. Und die Geschichte tut auch in Peter Turrinis mit sicherem Gespür und ohne gröbere Eingriffe vorgenommener Bühnenfassung und in Herbert Föttingers milieugetreuer Inszenierung auf der von Schauplatz zu Schauplatz rotierenden Drehbühne (Rolf Langenfass) ihre Wirkung. (...) Im Gegensatz zur Dietrich (...) strahlt Katharina Straßer als Star des übel beleumdeten Vergnügungsetablissements Der blaue Engel den Charme einer ungenierten, zärtlichkeitsbedürftigen Kindfrau aus. (...) Zum Erlebnis wird der Abend jedoch durch Erwin Steinhauer als Professor Immanuel Rath.
(Wiener Zeitung)

Pressestimmen zur Premiere in Bregenz
(am 19. August 2009)

Es ist der große Verdienst von Regisseur Föttinger und seine kongenialen Bühnenbildner Rolf Langenfass dass "Lola – Der Blaue Engel" zeitlos wirkt. Föttinger hat auf der sehr praktischen Drehbühne präzise, flott und mit leichter Hand inszeniert und auf das Können seiner Protagonisten vertraut. (...) Völlig zu Recht. Denn Erwin Steinhauer ist ein schlicht grandioser, unendlich anrührender Professor, der zusehends den Boden unter den Füßen verliert. Wie Steinhauer bis zuletzt um seine Würde und um seine Liebe zu Lola ringt, wie er diesen gebrochenen Mann in all seiner Ambivalenz darstellt, ist großartig. An seiner Seite Katharina Straßer als Lola. Eine Kindfrau, eine Lolita mit Stimme und Kraft, die auch in alle Lieder ("Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt") etwas Bekenntnishaftes einbringt. Eine starke Leistung. Dazu kommt ein homogenes Ensemble, das von der hinreißenden Sona MacDonald und dem markanten Peter Scholz angeführt wird. Sie alle sind Teil eines packenden Liebesdramas.
(Kurier)

Das Ereignis des Abends hieß (...) Professor Unrat und Erwin Steinhauer. Denn einmal mehr gelang es diesem genialen Darsteller die Fallhöhe eines Menschen so drastisch und nuanciert nachvollziehbar zu machen, dass einem beklommen ums Herz wurde.
Erwin Steinhauer (...) der geniale Charakterdarsteller erzählt eine drastische Fall-Geschichte. Die Entwicklung des Spießers zum Menschen und dessen Sturz in die Hölle des armen Teufels. Am Ende bankrott und von seiner Frau im Stich gelassen, wird er als Clown auf die Cabaret-Bühne getrieben und muss – während rohe Eier auf seinen Kopf fallen – Kikeriki schreien. Ein tragischerer "Fall" ist kaum denkbar. Und die dichtesten Szenen dieser Inszenierung wirkten auf Rolf Langenfass‘ suggestiver, geisterbahnähnlicher Drehbühne wie ein frischer Horváth.
(Österreich)

So hat es Katharina Straßer als " Dietrich-Nachfolgerin" auch am schwersten. (...) Gerade mit ihren fein nuancierten Gesangsparts überzeugt sie als souveräne Lola vollends. Ihr gelingt das Kunststück, Marlene und die Filmvorlage im Hinterkopf zu vergessen.
(APA)

Steinhauer läuft (...) im zweiten Teil zur Hochform auf. Der mittlerweie heruntergekommene Professor muss in seiner ehemaligen Heimatstadt als dummer August auftreten. Wenn Eier auf seinem Kopf zermatscht werden und er in schierer Verzweiflung sein "Kikeriki" kräht, dann zerreißt es einem - verzeihen Sie den Pathos - vor Mitgefühl fast das Herz. Hier ist eine Intensität, eine Wahrhaftigkeit zu spüren (...).
(Tiroler Tageszeitung)

Kein Abklatsch entstand, sondern selten kostbare Momente auf der Bühne sind geschaffen worden, die das Festspielpublikum nach der Premiere am Mittwoch zu Begeisterung hinriss. (...) Wie Professor Unrat zuletzt vom Leiter der Truppe in seiner Heimatstadt vorgeführt wird, ist großes Theater. (...)
Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend. Erwin Steinhauer steht als tragisches Talent ganz im Vordergrund, auch Katharina Straßer als Lola beweist nicht nur stimmliche Stärke. Auch in den Nebenrollen wird beachtliches geleistet, Rasmus Borkowski als Schüler Lohmann und Sona MacDonald als Frau des Theaterchefs sind hervorzuheben. (...) Es ist eine Liebeserklärung an das Theater.
(Salzburger Nachrichten)

Regie
Herbert Föttinger

Bühnenbild und Kostüme
Rolf Langenfass

Musikalische Einrichtung
Bela Koreny / Michael Rüggeberg

Prof. Immanuel Rath, genannt Unrat
Erwin Steinhauer

Lohmann, Schüler
Rasmus Borkowski

von Ertzum, Schüler
Ferdinand Stahl

Angst, Schüler
Rafael Schuchter

Der Direktor des Gymnasiums
Christian Futterknecht

Rosa Fröhlich, genannt Lola Lola
Katharina Straßer

Herr Kiepert, Zauberkünstler und Leiter der Kiepert´schen Kompanie
Peter Scholz

Frau Kiepert, seine Frau, genannt Guste, Artistin
Sona MacDonald

Ein Clown
Rafael Schuchter

Der Wirt vom “Blauen Engel“
Alexander Strobele

Ein Kapitän, Besucher des Varietés
Peter Moucka / Alexander Waechter

Sascha Samolevic, Pianist
Bela Koreny

Eine Tänzerin
Beata Vavken