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Theater in der Josefstadt
Premiere: 09.11.2006

Thomas Bernhard

Der Theatermacher

Grünlich modert der Schimmel die feuchten Wände hoch im verstaubten Tanzsaal des Gasthofs "Schwarzer Hirsch" in Utzbach, einem Provinznest mit 280 Einwohnern. Um den Saal dürfte sich seit längerem niemand mehr gekümmert haben. Der ehemalige Staatsschauspieler Bruscon will dort seine Weltkomödie Das Rad der Geschichte aufführen, deren Höhepunkt und Voraussetzung die absolute Finsternis sein soll. Seine Schauspieltruppe besteht aus seiner lungenkranken, ewig hustenden Frau, dem unbegabten Sohn Ferruccio und der nicht den Ansprüchen des Vaters entsprechenden Tochter Sarah.

Während Bruscon sich über die stumpfsinnige Gesellschaft und das Drama des Künstlers auslässt, tyrannisiert er mit seinem verbissenen Perfektionismus seine Familie. Doch die profane Wirklichkeit beschert seinem Theater, das irritierend und kompromisslos sein soll, zuerst einmal den wöchentlichen Blutwursttag und dann noch ein Gewitter samt einem Pfarrhof, der in Flammen aufgeht. In einer kunstfeindlichen Welt kann nur mit größter Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst und gegen die anderen Kunst gemacht werden.

Schenk verkörpert sein Bernhard-Debüt intensiver, introvertierter, filigraner, feinmaschinger, fast "Raimundischer" als Traugott Buhre in der Uraufführung.
(Österreich)

Und jetzt kommt Otto Schenk. Leise nähert er sich den Bernhard´schen Wortkaskaden an. Jedes Wort ein Kammerton, jeder Satz scheint Teil einer fein ziselierten Partitur. Es scheint, als würde sich nicht der Schauspieler den Text zu Eigen machen, sondern Wort für Wort um ihn werben. Zwanghaft räsonierend ist er ein einsamer Diktator und Verzweifelter auf der grauen Bühne des Martin Kukulies.
(NEWS)

Zu sehen war Schenk, wie ihn sein Publikum liebt: ein bisschen grantig, unzufrieden mit allem, manchmal sogar widerwärtig, vor allem aber auf nicht unsympathische Art mieselsüchtig. Und er gibt immer wieder Anlass zum Lachen.
(Salzburger Nachrichten)

Regie
Harald Clemen

Bühnenbild
Martin Kukulies

Kostüme
Rolf Langenfass

Musik
Peter Kaizar

Bruscon, Theatermacher
Otto Schenk

Frau Bruscon
Marianne Nentwich

Ferruccio, deren Sohn
Erich Altenkopf

Sarah, deren Tochter
Therese Lohner

Der Wirt
Alexander Grill

Die Wirtin
Adelheid Picha

Erna, deren Tochter
Sarah Wimmer / Evelyn Ruzicka