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Theater in der Josefstadt
Premiere: 17.12.1998

Carl Zuckmayer

Des Teufels General

General Harras ist Gegner des nationalsozialistischen Regimes und dient ihm dennoch, weil er leidenschaftlich gerne fliegt und von der Wehrmacht alle Möglichkeiten zur Verfügung gestellt bekommt. Er entdeckt, dass sein Freund und Mitarbeiter, der Chefingenieur Oderbruch, Sabotage treibt in der Überzeugung, dass das Ende der Hitler-Diktatur nur durch die Niederlage der Deutschen zu erreichen ist. Seinem Charakter gemäß kann sich Harras, der als Verantwortlicher für die Abstürze als Sündenbock dienen soll, weder dem Saboteur anschließen, noch weiterleben: Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat - der muss ihm auch Quartier in der Hölle machen - er begeht Selbstmord, indem er mit einer der durch die Sabotage tödbringenden Maschinen fliegt, und erhält ein Staatsbegräbnis.

Zuckmayer schrieb sein Theaterstück Des Teufels General, das im Nachkriegsdeutschland Kontroversen von einer später nicht mehr vorstellbaren Heftigkeit auslösen sollte, 1942-1945 im amerikanischen Exil mit einer unerhörten Treffsicherheit im Jargon. Im Dezember 1941 war in der amerikanischen Presse eine kurze Notiz vom unrühmlichen Ende des ehemaligen Jagdfliegers und nunmehrigen Generalluftzeugmeisters der Wehrmacht Ernst Udet, mit dem Zuckmayer lange befreundet war, erschienen. Zuckmayer vergrößert die Propagandalüge vom Absturz Udets, der für die Harras-Figur Modell stand, ins Titanische: Aus dem eher zufälligen Absturz Udets, den die Nazis meldeten - tatsächlich erschoss er sich soldatisch-korrekt mit seinem Lieblingsrevolver - wird der bewusst sühnende Selbstmord des Generals Harras. Die Uraufführung fand im Dezember 1946 in der Regie von Heinz Hilpert mit Gustav Knuth in der Titelrolle statt - am legendären Zürcher Schauspielhaus. Der deutschen Erstaufführung 1947 in Hamburg folgten allerorten unzählige weitere Aufführungen, die zugleich die Debatte um die Realitätsfähigkeit des Stückes vorantrieben - und es damit rettungslos überforderten. Denn die Kritik galt oft nicht dem, was der Text wirklich meinte, sondern seiner vermeintlichen Wirkung: dem Geist der Zeit, die es aufnahm, den Argumenten seiner Verehrer und Gegner, den Lügen der Vergangenheitsbewältigungsdiskussion der 50er Jahre etc. Heute liest es sich anders, vielleicht so, wie man es seinerzeit schon hätte lesen können, wenn nicht die zeitliche Nähe der Ereignisse jede emotionale Distanz unmöglich gemacht hätte. Die spezifisch zuckmayerische Genauigkeit besteht eben gerade darin, dass er seinen Figuren nicht ins Wort fällt - dass er sie gleichsam um Kopf und Kragen reden lässt. Die damals noch falsch beeindruckende Figur des Harras gibt hinter ihrem verführerischen Glanz ihre Jämmerlichkeit preis, hinter dem Gesellschaftspanorama wird das Bestiarium sichtbar; eine deutsche Idylle des verblendeten Redens, Denkens und Handelns - eine Idylle mit mörderischen Konsequenzen. Das dramatische Protokoll einer Bewusstseinslage, die dem Druck ihrer Zeit nicht gewachsen war. Das ist schrecklich und komisch zugleich; so komisch wie jenes letzte Billet, das der Selbstmörder Ernst Udet hinterlassen hat: "Eiserner, Du hast mich verraten", steht da geschrieben, an Göring gerichtet.

Sieghardt Rupp, der in der Saison 1997/98 für seine Darstellung des ebenfalls ins Nazi-Regime verstrickten Dirigenten Wilhelm Furtwängler mit der Kainz Medaille ausgezeichnet wurde, spielt den General Harras.

Regie
Otto Schenk

Bühnenbild und Kostüme
Rolf Langenfass

Harras, General der Flieger
Sieghardt Rupp

Lüttjohann, sein Adjutant
Ronald Kuste

Korrianke, sein Chauffeur
Christian Pätzold

Friedrich Eilers, Oberst
Friedrich Schwardtmann

Hartmann, Fliegeroffizier
Alexander Löffler

Hastenteuffel, Fliegeroffizier
Robert Grass

Pfundtmayer, Fliegeroffizier
Anton Pointecker

Sigbert von Mohrungen
Harald Harth

Baron Pflungk, Attaché im Außenministerium
Franz Robert Wagner

Dr. Schmidt-Lausitz, Kulturleiter
Toni Slama

Oderbruch, Ingenieur im Luftfahrtministerium
Eugen Stark

Anne Eilers
Petra Morzé

Waltraut von Mohrungen, genannt Pützchen
Elke Winkens

Olivia Geiß, Diva
Gertraud Jesserer

Diddo Geiß, ihre Nichte
Maria Köstlinger

Lyra Schoeppke, gennant die Tankstelle
Adelheid Picha

Otto, Restaurateur
Alfred Reiterer

Francois, Kellner
Max Müller

Herr Detlev, Kellner
Peter Moucka

Buddy Lawrence, ein amerikanischer Journalist
Alexander Waechter

SS-Wache
Florian Brüggler