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Theater in der Josefstadt
Premiere: 15.05.2014

Ödön von Horváth

Die Geschichte vom Fräulein Pollinger

Probebühne Josefstadt

ca. 75 Minuten, keine Pause

Bühnenfassung des Theaters in der Josefstadt

Deutschland 1928: Die Inflation hat den Mittelstand um seine Ersparnisse gebracht, die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch an. Auch die junge Agnes Pollinger ist betroffen. Da lernt sie vor dem Arbeitsamt Eugen Reithofer kennen, der sich ebenfalls schon lange auf Arbeitssuche befindet. Schnell kommen sich die beiden näher, doch zum vereinbarten Treffen am nächsten Tag kommt es nicht mehr. Agnes hat sich entschieden, "praktisch" zu werden und lässt sich fortan mit Männern ein, die ihr Arbeit und sozialen Aufstieg versprechen, sie letztlich aber ausbeuten.

Ödön von Horváths erster und posthum erschienener Roman "Sechsunddreißig Stunden – Die Geschichte vom Fräulein Pollinger" spiegelt das Lebensgefühl der Zwanzigerjahre zwischen Aufbruchsstimmung und Ernüchterung wider. Neue Medien wie Rundfunk und Film prägten diese Epoche ebenso wie politische Krisen und ihre dramatischen Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Unterstützt von zwei Musikern verkörpern Raphaela Möst und Matthias Franz Stein nicht nur unzählige Rollen, sondern führen auch erzählend und kommentierend durch das Geschehen. Regisseur Fabian Alder spürt dem ironischen Ton des Romans nach und zeigt die messerscharf gezeichneten Porträts der Horváthschen Menschen zwischen Lebenslust und Überlebenskampf.

Raphaela Möst und Matthias Franz Stein spielen sehr stark und beweisen Wandlungsfähigkeit. Die Musiker Roman Britschgi und Oliver Roth kommentieren(…)die Handlung. Fazit: ein gelungener Abend!
(Kurier)

Aus Ödön von Horváths erstem, posthum erschienenem Roman Sechsunddreißig Stunden hat Regisseur Fabian Alder mit Schauspielerin Raphaela Möst und Dramaturgin Barbara Novotny eine lockere Mischung aus Vortrag und Spiel gefertigt.(…)Matthias Franz Stein übernimmt mit sichtlicher Darstellungsfreude die männlichen Rollen.(…)Das Zentrum der achtzigminütigen Aufführung bleibt aber stets Raphaela Möst (…)Die diesen Leidensweg säumenden Boshaftigkeiten Horváths bringt das Stück wunderbar zum Funkeln.
Dazwischen singen Möst und Stein ein wenig John Lennon oder verlassen die Bühne, um einen Ausflug zum Starnberger See als Video einspielen zu lassen.(…)In Summe tragen sie zum kurzweiligen Charakter dieser erfreulichen Produktion bei.
(Der Standard)

Nach "Die Geschichten aus dem Wiener Wald" beweist die Josefstadt mit "Die Geschichte vom Fräulein Pollinger" erneut, dass sie Horváth kann. In einer neuen Bühnenfassung des Romans "Sechsunddreißig Stunden" wird die Probebühne des Theaters zum Radiostudio der 1920er-Jahre.(…) Raphaela Möst als Agnes und Matthias Franz Stein in sämtlichen Männerrollen zeichnen in Fabian Alders Inszenierung ein tragikomisches Bild dieser Zeit.
(Falter)

In der Wirtschaftskrise treffen vor dem Arbeitsamt in München die junge, arbeitslose Schneiderin Agnes Pollinger und der junge, arbeitslose Kellner Eugen Reithofer aufeinander. Doch Agnes trifft eine "praktische" Entscheidung und lässt sich lieber mit Männern ein, die ihr Aufstieg versprechen: einem widerlichen Zimmerherrn mit Stiftzähnen, einem verkommenen Aktzeichner und einem brutalen Fleischhauer.
Raphaela Möst bezaubert als naives, ausgebeutetes Horváth-Fräulein, Matthias Franz Stein (der Sohn von Erwin Steinhauer) überzeugt in den vier unterschiedlichen Männerrollen.
(Österreich)

Raphaela Möst und Matthias Franz Stein erzählen "Die Geschichte vom Fräulein Pollinger" auf der Probebühne der Josefstadt. Beide jung, sympathisch.
Sportlich ihre Wechselschritte zwischen Prosa und mal donaublau, mal isargrün gefärbten Dialogen.
(Wiener Zeitung)

Regisseur Fabian Alder hat den Abend mit viel Verve im "Improvisatorischen" gelassen. Irgendwo zwischen Erzählung – diese in 20er-Jahre-Mikrophone – und Dialog. Die feine Folie des Originals spannt sich über den Abend, aber natürlich werden die unzähligen kleinen Horváth’schen Boshaftigkeiten ausgereizt (vor allem Stein als Künstlerkarikatur, der sein "drogensüchtiges" Model über der Kloschüssel arrangiert: "Jetzt ist es verstörend.").
Man hört Radiostimmen, dramatische Filmmusik, dazwischen, meint man, schnarrt schon der Klang der gar nicht so fernen Zukunft. Hetzerisch, verworren, verwerflich.
Zum Erfolg des Abends tragen nicht nur die beiden Schauspieler bei, sondern auch die Musiker Roman Britschgi und Oliver Roth, die von Gitarre über Querflöte bis Kontrabass alles spielen können, als Textvorleser, Geräuschkulisse (z.B. als Fernschreiber oder Schreibmaschine) und Vidiwallträger herhalten müssen.
(Mottingers Meinung)

Raphaela Möst, jung, schmal, eine Mischung aus innerer Müdigkeit und gar nicht zynische Abgebrühtheit, und Matthias Franz Stein, der vom braven Kerl bis zum miesen Strizzi ein paar Typen differenziert, sind überzeugende Interpreten des Horvath’schen Elends.
(Der Neue Merker)

Regie
Fabian Alder

Bühnenbild und Kostüme
Armella Müller von Blon

Musiker
Roman Britschgi / Oliver Roth

Mit
Raphaela Möst / Matthias Franz Stein