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Theater in der Josefstadt
Premiere: 04.11.2010

Franz Wittenbrink

Eh wurscht

Uraufführung

ca. 2 Stunden, keine Pause

Frank Wittenbrink hat ein neues Theatergenre erfunden, den Wittenbrink-Abend: eine als szenischer Liederabend getarnte, mal liebevoll feine, mal ironisch grobe, immer nachdenklich-vergnügliche Menschenbeobachtung. Das Besondere daran ist, dass die von ihm erfundenen Figuren ihre Konflikte, Sehnsüchte, Gedanken und Gefühle ausschließlich durch und mit ihren Liedern erzählen. Durch die Art und Weise, wie bekannte Schlager, Lieder, Chansons aneinanderreiht bzw. gegeneinander gesetzt werden, der Text verändert wird und durch die darum herum gespielten Situation erzählt er jeweils einem Rahmenthema angepasste, meist lustige, aber durchaus auch zum Nachdenken anregende Geschichten. Die Musikauswahl wird meist in der Probenphase in Zusammenarbeit mit den Schauspielern erarbeitet. Hier wird keinerlei Unterschied gemacht zwischen U- und E-Musik - genommen wird, was von der Stimmung passt. Was nicht passt, wird nach Belieben arrangiert, umgetextet oder gleich neu komponiert.

"Wittenbrink bringt den Theatern, was sie sonst nicht oder kaum haben: Lieder aller Art, jeder Machart, jedweder Zeit. Darin besteht die große Überraschung der Abende, die einem den Spaß bringen, den populäre Musik verheißt, und einem doch den Kitzel des Entdeckungen-Machens und des amüsierten Überraschtseins nicht versagen. Eine schwebende Leichtigkeit entsteht dabei, die jenseits bloßer musikalischer Zerstreuung liegt."
Süddeutsche Zeitung

Ein Würstelstand in Wien.
Wo, wenn nicht hier, treffen sich Eingeborene und Touristen, Genies und Wahnsinnige, Operngänger und Frauenmörder, Vorstadtteenies und alte Grantler?
Ob wer sein Glück findet, sei dahingestellt. Ob das wirklich Käse ist in der Krainer: ebenso.
Hat er nun oder nicht sein Weib entleibt?
Kriegen sie sich am Ende?
War das etwa Haschisch?
Inwieweit interessiert das die Kieberei?
Und was soll eigentlich der Pandabär?
Fragen Sie nicht. Oder fragen Sie den Rosenverkäufer.
Aber auch der wird Ihnen vermutlich nicht sagen können, warum hier dauernd gesungen wird.
Ist das vielleicht eine Oper?
Und ob das, was da alles am Würstelstand passiert, wirklich "eh wurscht" ist, das werden Sie auch erst rauskriegen, wenn Sie selbst hingehen.
Franz Wittenbrink

Der deutsche Komponist und Regisseur Franz Wittenbrink, der mit seinen einzigartigen szenischen Liederabenden (bisher u. a. im Burgtheater zu sehen) eine Art neues Theatergenre geschaffen hat, beschenkt nun auch die Josefstadt mit einem temporeichen, mitunter zum Brüllen komischen musikalischen Arrangement: In "Eh wurscht", einem ironischen Streifzug durch ein paar Jahrhunderte Musikgeschichte (ganz salopp kommt man von Mozart zu den Berliner Youtube-Rappern Icke und Er) regiert der Wiener Schmäh.
In den zum Großteil und mit viel Wortwitz umgedichteten Hits aus Jazz, Musical, Oper und Pop gibt jedes Ensemblemitglied sein Bestes: Oliver Huether stellt als Saubermann der MA 48 (der "schönste Feger von Wien"!) umfassende Kenntnisse italienischer Opern unter Beweis; Sona McDonald brilliert mit kraftvollem Timbre als Jazz-Diva in der Rolle einer amerikanischen Millionärsgattin; Martin Hemmer gelingt als obdachlosem Student mit "Richtig geil" einer der besten Auftritte des Abends. Schräge Komödie spielen Ruth Brauer-Kvam mit einer fantastisch-irrwitzigen Märchenstunde und Siegfried Walther, der als Gemüsehobelvertreter aus "Lollipop" schlicht "Gurke ab, Gurke weg" macht.
Am Ende tritt noch Josefstadt-Intendant Herbert Föttinger (als schnauzbärtiger Rosenverkäufer mit DJ-Ötzi-Kapperl) auf. Quer durchs Programm sind die Soli authentisch, originell und komisch zugleich: Sie erzählen in gelassenem Ton ("Eh wurscht!") von tapfer gescheiterten Existenzen, über große und kleine Dramen, über Liebe und Einsamkeit. Die Band - am Premierenabend am Donnerstag saß Wittenbrink selbst am Klavier - hält über zwei Stunden ein hohes Tempo durch. Ein voller Erfolg. Mit tosendem Applaus eroberte sich das begeisterte Premierenpublikum drei Zugaben!
(Standard)

Ein gelungener Abend. Frenetischer Applaus, Jubel, Lacher.
(APA)

Halten wir uns an die hübschen Momente von "Eh wurscht“" ein verfrühter Silvesterspaß, der bei der Premiere das Publikum enorm amüsierte. Jeder Akteur hat mindestens einen tollen Auftritt am rot-weiß-roten Würstelstand: Kurt Sobotka heischt Mitleid als Simandl, unter der Knute seiner hundenarrischen Gattin (Elfriede Ott); Ruth Brauer-Kvam entzückt als schräges Aschenbrödel; Oliver Huether parodiert als Saubermann von der städtischen Müllabfuhr einen gewissen H.-C. Strache. Michael Dangl spielt einen melancholischen Russen; Maria Köstlinger amüsiert als Braut, die sich nicht traut, weil sie ihrem Angebeteten etwas vorgemacht hat; Eva Mayer leidet hinreißend als einsames, drogensüchtiges Punkgirl. Martin Hemmer findet als No-Future-Bube artig fast alles "geil". Großartig apokalyptisch in seiner Wut, seinem Elend wirkt Toni Slama als Säufer.
(Presse)

Franz Wittenbrinks "Eh wurscht" wird im Theater in der Josefstadt zu einem Triumph des tollen Ensembles. (...) Hervorzuheben ist hier niemand; zu gut sind alle Beteilligten (...) und haben merklich Spaß, stellen faszinierende Typen auf die Bühne und singen zwischen sehr gut und hinreißend. (...) Fazit: Ein hinreißendes Ensemble rockt die Josefstadt.
(Kurier)

Großer Spaß mit unerwartet hohem gesanglichen Niveau garantiert.
(Falter)

Regie
Franz Wittenbrink

Musikalische Leitung
Franz Wittenbrink / Christian Frank

Bühnenbild
Thomas Oláh

Kostüme
Nini von Selzam