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Theater in der Josefstadt
Premiere: 28.01.2010

Iwan Turgenjew

Ein Monat auf dem Lande

Natalja, die Frau des gutmütigen, aber arbeitsbesessenen Gutsbesitzers Islajew, Mutter eines zehnjährigen Jungen, langweilt sich und sehnt sich nach etwas Ungewissem. Auch der gebildete Hausfreund Rakitin kann ihr mit seiner matten Erotik keine Zerstreuung bieten, obwohl oder weil er sie vergöttert. Man spricht zwar von Liebe, ist aber von der Liebes-Tat weit entfernt. Da schlägt gleich einem Blitz der junge, lebhafte Student Beljajew, als Lehrer für den kleinen Kolja angestellt, in die schläfrige Schein-Idylle dieser Sommergesellschaft ein. Denn Natalja verliebt sich besinnungslos in den jungen Mann. Aber auch Nataljas Pflegetochter Vera sucht in unbewusster Zuneigung Beljajews Nähe.

Turgenjews Komödie, 1855 erstmals publiziert, ist eine meisterhafte Gratwanderung zwischen Tragik und Komik: Sie streift die Katastrophe, die hinter den Liebesverstrickungen lauert, bekennt sich aber wirkungsvoll zum Lustspiel mit doppelbödigem Humor.

Als eine der Stoffgrundlagen für das Dreigestirn im Stück - Ehemann, Ehefrau, Hausfreund - diente Turgenjews leidenschaftliche Liebe zu der verheirateten Sängerin Pauline Viardot. Der Schauspielerin Marija G. Sawina, die in der gefeierten Petersburger Aufführung 1879 die Vera spielte, erklärte der Dichter: "Rakitin bin ich. Ich stelle immer mit dem unglücklichen Liebhaber mich selbst dar."

Das ausgezeichnete und von Mohr ausgezeichnet geführte Ensemble hat sich auf Wanderschaft durch Turgenjews Seelenlandschaft begeben und dabei eine Menge für sich entdeckt.
(Kurier)

(...) eine erfrischende Angelegenheit. Die in keiner Sekunde langweilige Aufführung steht Zimmerschlachten wie "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" deutlich näher als Tschechows weiten Seelenlandschaften.
Aus dem ausgezeichnet geführten Ensemble stechen zwei Leistungen hervor: Andre Pohl verleiht dem Hausfreund Rakitin tragische Größe, Hilde Dalik bekommt als sympathisch-natürliches Mädchen gleich bei der erster Ferienliebe mit der Hausherrin eine erbitterte Rivalin. Sie lernt ihre harte Lektion: Die Liebe ist ein seltsames Spiel und die Ehe eine Endlagerungsstätte der Gefühle, tief unter Tag. Stephanie Mohrs Inszenierung saust wie ein Frühlings-Sturm durch das Theater in der Josefstadt.
(APA)

Stephanie Mohr haucht Turgenjews müßiger Komödie Leben ein und animiert das Ensemble zu ungewohnter Prägnanz. Berührend und amüsant. Best of Josefstadt. Ein Filetstück für echte Josefstädter.
(Die Presse)

Plötzlich erscheint Turgenjew ganz untröstlich gegenwartsnah.
(Standard)

Maria Köstlinger brilliert in Turgenjews melancholischer Komödie in der Josefstadt.
(Österreich)

Kultiviert gespielt.
(Kronen Zeitung)

Regie
Stephanie Mohr

Bühnenbild
Miriam Busch

Kostüme
Alfred Mayerhofer

Musik
Joachim Steffenhagen

Arkadij Sergejitsch Islajew, reicher Gutsbesitzer
Peter Scholz

Natalja Petrowna, seine Frau
Maria Köstlinger

Kolja, ihr Sohn
Skye MacDonald / Simon Morzé

Verotschka, ihre Pflegetochter
Hilde Dalik

Anna Semjonowna Islajewa, Islajews Mutter
Sigrid Marquardt

Lisaweta Bogdanowna, Gesellschafterin
Sona MacDonald

Michajlo Alexandrowitsch Rakitin, Freund des Hauses
André Pohl

Alexej Nikolajewitsch Beljajew, Student, Koljas Lehrer
Rasmus Borkowki

Afanassij Iwanowitsch Bolschinzow, benachbarter Gutsbesitzer
Christian Futterknecht

Ignatij Iljitsch Spigelskij, Arzt
Toni Slama

Matwej, Bediensteter
Oliver Huether

Katja, Dienstmädchen
Eva Mayer