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Theater in der Josefstadt
Premiere: 10.06.2010

Klaus Pohl

Einmal noch

Uraufführung zum 80. Geburtstag von Otto Schenk

ca. 2 Stunden, 30 Minuten, eine Pause

Karl Meier, ehemaliger Stardirigent, hat der Bühne schon seit Jahren den Rücken zugekehrt. Mit einem Paukenschlag hatte er das Podium verlassen, weil die Leistung des Orchesters seinen Ansprüchen nicht gerecht werden konnte. Nun lebt er auf der Straße und ist obendrein auch dem Alkohol verfallen. Als eine berühmte Sängerin stirbt, die unter seiner Leitung traumhafte Aufführungen gesungen hatte, beginnt die fieberhafte Suche nach dem verschollenen Genie Meier, der das Abschiedskonzert bei ihrer Trauerfeier dirigieren soll.

Interview mit Otto Schenk von Michael Dangl zum Anhören:
> Link

Otto Schenk läuft zur Hochform auf, wenn er – von Dangl am Flügel unterstützt – zahlreiche Werke der Musikgeschichte "dirigiert" und sarkastische Kommentare zur Interpretation einzelner (fiktiver) Musiker abgibt.
(APA)

Da parodiert er Musiker und Sänger, kurzum den ganzen Musikbetrieb mit einer Verve, dass kein Auge trocken bleibt.
(Falter)

Schenk (...) entzückt wohl nicht nur seine Freunde und Fans. Als Alkoholiker wirkt er naturgemäß etwas unglaubwürdig, als Verzweifelter begeistert er umso mehr – und vollends als Dirigent. Das Bild wie Karl Mayer, der frühere Sandler, sich noch einmal entschließt, für die verehrte und 17 Jahre lang vergeblich geliebte Diva das Pult zu erklimmen, wird man niemals vergessen: die rundliche, vertraute Gestalt, die sich halb im Schatten, halb im Licht, langsam im Kreise dreht – Wunder des Theaters. Es gibt auch sonst immer wieder berückend magische Momente an diesem Abend. Michael Dangl ist in der Tat ausgezeichnet. Er holt das Äußerste an Seele aus seiner (...) Rolle als vernachlässigter Sohn der Diva, Christopher, heraus (...).
(Presse)

Mit leisem Lächeln lauscht er nur für ihn hörbaren Sphärenklängen, unternimmt nach der Nachricht von Annas Tod, die für ihn – vor allem als Isolde – die Inkarnation der Musik schlechthin bedeutet, einen skurrilen Selbstmordversuch und lässt sich widerstrebend zu seinem letzten Auftritt überreden. Beeindruckend die Momente vor dem Hinaustreten vors Orchester, wenn er – ein Schnapsglas in der Hand – von der (ihm seit jeher bekannten) Angst vor dem Versagen übermannt wird, sich schließlich aber aus künstlerischer Verantwortung den tröstlichen Schluck versagt.
(Wiener Zeitung)

Vor allem ist "Einmal noch" eine sehr liebenswerte Hommage an Otto Schenk und dessen große Liebe, die Oper. Und natürlich bekommt Schenk auch Gelegenheit zum Parodieren und Blödeln. Michael Dangl beeindruckt in der Rolle des Komponisten durch tolles Klavierspiel, Therese Lohner und Eva Mayer steuern sehr schöne sprachliche Töne bei. Schenk selbst spielt sparsam, und das tut ihm gut, er gewinnt an Klarheit und Aufrichtigkeit. Eine starke Darstellung. (...) Der Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Klaus Pohl schrieb Schenk zum Geburtstag ein entzückendes Stück auf den Leib. (...). Dieses Stück ist eine sehr gescheit und bühnengerecht geschriebene, sehr dezent an Thomas Bernhard erinnernde Hommage an die Musik – und an Otto Schenk. Der Text ist Schenk so geschickt in den Mund gedichtet, dass dessen oft klischeehaft kritisierte Sprache – die Verzögerungen, die Pausen, die synkopoerten Vokale – hier die einzig richtige Möglichkeit der Interpretation darstellt. Otto Schenk läuft wie bestellt zur Höchstform auf, großartig, auch am Klavier, unterstützt von Michael Dangl.
(Kurier)

Schenk, wie er leibt, lebt und das Theater mit ganzem Wienerherzen liebt. (...) Mit dramaturgisch einfachem Faden verknüpft Pohl die schönen, passenden Sätze zur Geschichte von einem, der die Künstlerehre verlor und sie mit Hilfe Christophers (gefällt, auch als Pianist: Michael Dangl), des Sohnes der Primadonna und dessen Verlobter Lucie (erfrischend: Therese Lohner) für einen triumphalen Abend lang wiedererlangt. Pohl hat das alles auch als Regisseur in eine ungekünstelte Form gebrach, lässt die Charaktere im perfekt funktionierenden Bühnenbild von Rolf Langenfass für sich sprechen, selbst die wienerischen Nebentypen wie Gideon Singer als Agent, Peter Moucka als Würstelverkäufer und Eva Mayer als "junge Frau ohne Mann".
(Kronen Zeitung)

(...) der Otti Schenk absolvierte sein Einpersonenstück für sechs Schauspieler derart frisch, hochkonzentriert und mit seinem typisch larmoyanten Raunzen, dass man bei jedem ehrfürchtigen Szenenapplaus an Maradona denken musste (...).
(FAZ)

Er grantelt, weisheitelt, pointelt, sarkastelt, weltschmerzlt und sehnsüchtelt vor sich hin – und ist ganz in seinem Element. Otto Schenk ist Otto Schenk.
(Salzburger Nachrichten) 

Regie
Klaus Pohl

Bühnenbild und Kostüme
Rolf Langenfass

Lucie Schmitt, arbeitslose Tänzerin, Verlobte von Christopher
Therese Lohner

Karl Meier, Sandler, früher Stardirigent
Otto Schenk

Christopher Denezki, Komponist
Michael Dangl

Siggi Blaustein, Agent
Gideon Singer

Walter, Würstelverkäufer
Peter Moucka

Erika, junge Frau ohne Mann
Daniela Golpashin / Eva Mayer