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Theater in der Josefstadt
Premiere: 03.05.2012

Peter Turrini

Endlich Schluß

ca. 1 Stunde, 20 Minuten, keine Pause

Der Mann: Ich habe alle Todesarten überlegt und wieder verworfen. Der Sprung aus dem Fenster schien mir zu unsicher, ich könnte ihn überleben und zum Invaliden werden. Der Gastod fällt aus, seit die Stadtwerke das Gas entgiftet haben. Tabletten habe ich schon genommen, erfolglos. Eine Zeitlang überlegte ich, mit dem Auto gegen eine Wand zu rasen, aber das würde nur die Unfallstatistik erhöhen und meinem Tod das Besondere nehmen. Erhängen finde ich auch zu üblich. Eine Selbstverbrennung ist mir zu pathetisch, außerdem schreit man noch minutenlang vor sich hin. Ein Schuß in den Kopf ist das Vernünftigste. Ein großer Knall, und dann ist es still.

Direktor Herbert Föttinger inszeniert den Monolog "Endlich Schluss" mit Komödiant Alexander Pschill – der auch im tragischen Fach überzeugt.(...) Pschill, zuletzt vorwiegend als teils begnadeter Komödiant in den Kammerspielen ("Ladies Night") zu erleben, nimmt seinen Versuch im tragischen Fach mächtig ernst. Er spielt sich wahrlich die Seele aus dem Leib.(...)Das Stück macht vor allem die Schattenseiten des Erfolgs deutlich, die permanente öffentliche Aufmerksamkeit und die Maske, hinter der der wahre Mensch immer mehr verschwindet, bis er nicht mehr weiß, was von ihm Maske, was echt ist. Das Bühnenbild baute der jüngst verstorbene Rolf Langenfass. Es ist fast unheimlich, diesen düsteren Raum, das ehemalige Kinderzimmer des Journalisten, zu betrachten: Erinnerungsmüll, Fotos. Schaukelpferde tanzen an einer grünen Wand, während ein Mensch in immer größerer äußerer und innerer Düsternis dem Tod entgegengeht: Erst schaut das Tageslicht herein, dann verklebt der Protagonist das Fenster, eine nackte Glühbirne leuchtet, dann ist es vollständig finster.(...)Die Lichtspiele, in denen Pschill – anfangs noch zungenfertiger Selbstdarsteller, dann immer mehr unkenntlich werdender Schmerzensmann – sein Leben Revue passieren lässt, sind ein Trumpf der Aufführung.
(Die Presse)

(...)Der während den Endproben verstorbene Rolf Langenfass hat für die letzten Stunden dieses Mannes einen schäbigen Raum eingerichtet, ein heruntergekommenes Zimmer in einer Altbauwohnung. Symbolstark legen sich die Ränder eines Kreuzes, das wohl früher hier hing, über die Schaukelpferd-Motive einer vergilbten Tapete.(...)In Turrinis aktualisierter Version ist der Suizidkandidat ein selbstgefälliger Bobo, ein narzisstischer Snob in der Midlife-Krise, schlicht: ein eitler Mensch, dessen Verzweiflung aus seiner inneren Leere um dem Kampf ums Überleben in einer Arbeitswelt ohne Solidarität resultiert. Pschill repräsentiert im eleganten Designeranzug und schwarzen Shirt den Typus des coolen Star-Journalisten, dessen Geschwätzigkeit auch in seinen letzten Momenten über die Beziehungslosigkeit hinwegtäuschen soll.(...) Föttinger hat den handlungsarmen Monolog szenisch einfallsreich gelöst: Seine rote Clownsnase hat der Mann immer dabei, auch ein schwarzes Tesa-Band, mit dem er das Fenster verdunkelt, um mit einer nackten Glühbirne den Rest gespenstisch auszuleuchten. Die starke Symbolik wir noch einmal, kurz vorm totalen Schuss, bedient: Er schleppt Gerümpel heran, altes Kinderspielzeug, ein Skateboard(...)und Fotografien, die er verbrennt und deren Asche er sich in die Augen reibt, bevor sie endgültig brechen. Starker Applaus, vor allem für die Leistung(en) von Rolf Langenfass.
(Salzburger Nachrichten)

(...), Alexander Pschill sich von Anfang bis zum Ende mit bemerkenswerter Intensität verausgabt und innerliche Bewegtheit in raumgreifende körperliche Aktionen überführt.
(Wiener Zeitung)

Alexander Pschill erarbeitet mit dem Textmaterial eine plausible Figur: Wir sehen da einen Kerl, der empfänglich ist für Eitelkeiten, aber nicht auf den Kopf gefallen ist.(...)Direktor Herbert Föttinger höchstpersönlich hat im Regiesessel Platz genommen und die Sache gut gemacht.
(Kleine Zeitung)

Peter Turrinis "Endlich Schluß" unter der Regie von Herbert Föttinger ist ein unfassbar aufwühlendes Stück, das an Emotionalität kaum zu überbieten ist. Der Schauspieler Alexander Pschill musste nicht nur sprachliche Höchstleistungen in Form von hypotaktischen Sätzen vollbringen. Diese Rolle war mit Sicherheit auch auf emotionaler Ebene eine große Herausforderung. Die Leistung wurde mit tosendem Applaus gewürdigt. Der Applaus durchbrach die bedrückende Stille, das Scheinwerferlicht holte das Leben auf die Bühne zurück.
(freies magazin - fm5.at)

Regie
Herbert Föttinger

Bühnenbild und Kostüme
Rolf Langenfass

Der Mann
Alexander Pschill