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Theater in der Josefstadt
Premiere: 22.10.2009

Henrik Ibsen

Gespenster

"Ich war nur ein geringes Werkzeug in der Hand des Höheren."
(Zitat aus Gespenster)

1881 schrieb Ibsen mit einer gewissen Vorahnung der Dinge, die da kommen sollten, an Hegel: "Die Gespenster werden wahrscheinlich in einigen Kreisen Alarm schlagen, aber das mag geschehen. Würden sie es nicht tun, dann wäre es unnötig gewesen, das Stück zu schreiben." Dies entfachte einen Sturm des Abscheus und des Zornes, wie ihn Ibsen in diesem Ausmaß nie zuvor erlebt hatte. Man warf ihm Nihilismus vor, einen Angriff auf die grundlegenden Werte der Kirche, die Verteidigung der freien Liebe und die Verletzung von Tabus wie Inzest und Syphilis. Ibsen hat in Gespenster die Wahrheit über die totenähnliche Erstarrung der Gesellschaft und die bigotte Pflichtfrömmelei vor allem der Kirche schonungslos ausgesprochen und jegliche Illusion bürgerlicher Wohlanständigkeit und Konvention vernichtet. Die Wahrheit ist unerträglich, weil hinter ihr die Erkenntnis steht, das ganze Leben falsch gelebt zu haben. Wer sie schließlich ausspricht, erkauft sich die Freiheit der eigenen Person mit der Vernichtung seiner Umgebung.

Eine kongeniale Jonasson, in der Rolle einer Frau, die um die Überwindung der Konvention kämpft. (...) Drassl spielt mit Verve ein lebenshungriges Mädchen, tanzt so sehnsüchtig wie berechnend. (...) Siegfried Walther gibt diesen Engstrand präzis als Ekel voller Geilheit und krimineller Energie. Die Rollen sind durchaus gut besetzt, auch Teichtmeister bewältigt die seine als hoffnungslos Leidender spielend.
(Die Presse)

Florian Teichtmeister gelingt eine beeindruckend unpathetische Studie dieses jungen Malers (...).
(Wiener Zeitung)

Das Ensemble setzt das ingeniöse Werk präzise um. Im Zentrum von Kaspar Zwimpfers eindrucksvoller Bühne zeigt Andrea Jonasson als Übermutter Alving überragende Präsenz und fulminantes Können. Wie sie ihren todkranken Sohn Osvald ins unabwendbare Sterben begleitet, das wird man nicht so bald vergessen können. Diesen Sohn, der die Krankheit vom verworfenen Vater geerbt hat, spielt Florian Teichtmeister mit beeindruckender Hingabe. Joachim Bissmeier ist ein moralisierender Pastor wie aus dem Gesangsbuch. Gerti Drassl (Regine) und Siegfried Walther (Engstrand) zeigen ausgeprochen gutes Handwerk.
(News)

Ibsens Gespenster ist ein Stück für große Schauspieler. Die Josefstadt verfügt über solche: Joachim Bißmeier, Andrea Jonasson, Florian Teichtmeister und Gerti Drassl beherrschen die Kunst des psychologischen Durchdringens ihrer Figuren blendend.
(Österreich)

Diese spannende Lebensgeschichte (...) fordert von einer Schauspielerin enorme Kraft und Wandlungsfähigkeit: Andrea Jonasson hat beides! (...) Besonders im Innehalten, im Erkennen der Wahrheit überrascht die Jonasson. (...) Kongenialer Partner ist Joachim Bißmeier. Andrea Jonasson und Joachim Bißmeier [sorgen] für spannende Stunden: als ebenso "gottsjämmerliche, lichtscheue" Wesen, wie die Gespenster, die aus der Vergangenheit auftauchen. Jubel für beide!
(Kronen Zeitung)

Mit Andrea Jonasson hat die Josefstadt eine zugkräftige Besetzung in der Rolle der Frau Alving, sie strahlt Eleganz und Haltung aus, kleine Gesten, ein kurzes Aufrichten, sie ist enorm präsent. (...) Joachim Bißmeier spielt den feigen moralinsauren Eiferer virtuos. (...) Florian Teichtmeister als Osvald, voller Lebenshunger und Verzweiflung, ist ebenfalls eine glaubwürdige Unglücksfigur, die das bittere Erbe des Vaters wie eine Erbsünde trifft. Das Finale lässt kein Pathos aus. Gerecht verteilter Applaus.
(Salzburger Nachrichten)

Die Inszenierung von Janusz Kica greift, bewusst oder unbewusst, diese Ambivalenz auf. Sie wirkt altmodisch-verstaubt wie modern-angriffig gleichzeitig. (...) Toll spielen sie alle.
(Kurier)

Frau Alving, von der brillanten Andrea Jonasson unsentimental und kühl gespielt. (...) Stärker als sonst drängen in diese Inszenierung die beiden Proletarier ins Geschehen: Siegfried Walther als Tischler Engstrand und Gerti Drassl als seine Tochter liefern in unverhohlenem, hässlichem Zynismus ihren Überlebenskampf, den sie gegen die Reichen und Mächtigen führen. Auf diese Art wird der alte Ibsen spannender und relevanter, als man zu hoffen gewagt hätte.
(Neues Volksblatt)

Regie
Janusz Kica

Bühnenbild
Kaspar Zwimpfer

Kostüme
Karin Fritz

Helene Alving
Andrea Jonasson

Osvald, ihr Sohn
Florian Teichtmeister

Manders, Pastor
Joachim Bißmeier

Engstrand, Tischler
Siegfried Walther

Regine Engstrand, seine Tochter
Gerti Drassl