Stück auswählen:
Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 16.10.2014

Erwin Steinhauer und Seine Lieben

Hand aufs Herz

Eine musikalische Odyssee

ca. 2 Stunden, eine Pause

Vom großen Erfolg ihres ersten gemeinsamen Musikprogramms FEIER.ABEND ermutigt, begeben sich nun Erwin Steinhauer & Seine Lieben auf große Fahrt und stechen in See.

Hand aufs Herz ist eine musikalische Odyssee über das Scheitern, das wirkliche und das scheinbare, mit wahren und fast wahren Lied- Geschichten, voller Humor, Poesie und dem, was wirklich ist. Mit Musik und Rhythmen, so bunt wie eine Weltreise. Erzählt von einem Sänger, der zum Lachen und zum Weinen bringt. Mit einer Band, die nie von seiner Seite weicht – auch wenn das Schiff sinken sollte … Und am Ende … Hand aufs Herz … erfahren Sie vielleicht die ganze Wahrheit.

Bandleader Erschy Heart kreuzt mit seiner legendären Combo "My Beloved Ones" auf dem Kreuzfahrtriesen SM Alcatraz quer durch die Weltmeere. Zwischen Nordsee und Karibik überzeugt man das routinierte Touristen-Publikum wieder einmal mit gemütlichen Schlagern und ruft zum Tanz in eine heile Welt, die es längst nicht mehr gibt. Denn dem Kommerz-Schrecken ohne Ende droht ein jähes Ende mit Schrecken, und die Reise verläuft schließlich etwas anders als geplant: nicht unter die karibische Sonne, sondern in eine furchterregende Unterwelt, in der kein Stein der Zivilisation mehr auf dem anderen bleibt.
Hat man sein Glück bisher nur in der Gier gesucht und auf die Liebe schnell verzichtet: jetzt vollzieht sich bei Band und Publikum ein im wahrsten Sinne des Wortes tiefgehender Wandel, der – Hand aufs Herz! – auch schon längst fällig war!

Ja, so kann’s einem gehen. Da landete man 1969 mit der Beatband "The Rolling Bones" und dem Hit "That is Fiction" auf dem sensationellen 53. Platz  der Ö3-Charts. Und dann ist’s aus. Vorbei. Für den wilden Hund vom Alsergrund. Schiffbruch beruflich wie privat – und außerdem … genau. Also lässt man sich als Entertainer auf den Kreuzfahrtalbtraum SM Alcatraz engagieren – zweiterer Begriff selbsterklärend, angesichts dieser schwimmenden Gemeindebauten, wo man jeden Tag die gleichen Gfriser sieht, ersterer von manchem die Üppigkeit nicht mehr fassenden Bikini (Arsch-frisst-Hose-Syndrom) abgeleitet. Wenn das nicht Sado ist. Und Erschy Heart der Maso.
Erwin Steinhauer & Seine Lieben haben nach dem Erfolgsprogramm "Feier.Abend" natürlich nicht ebendiesen gemacht. Die Gang, Georg Graf, Joe Pinkl und der sagenhafte Perkussionist und Ideengeber Peter Rosmanith, fanden sich stattdessen zur Uraufführung von "Hand aufs Herz" in den Kammerspielen, sprich: auf dem Luxusliner, ein. Weil: Wir haben schon viele Lokale leergespielt. Um es gleich klar zu machen: Dieses nicht, das Publikum forderte Zugabe um Zugabe. Worauf die Lieben selbstverständlich vorbereitet waren. Kennt ja a Erfolg werdn, des Ganze. Steinhauer hatte sich die Crème de la Crème für sein neues Programm geholt: Heli Deinböck zeichnete für Buch und gemeinsam mit Heinz R. Unger für die Liedtexte verantwortlich – und die sind vom Feinsten, wenn sich zwa mit Pfeilen durchbohrte Weanerherzen zur gesellschaftspolitischen Abwatschung der Zuschauer treffen. An den Conférencen schrieb Fritz Schindlecker mit; die Kompositionen stammen von Otto Lechner, Klaus Trabitsch und den Lieben.
Erschy Heart, der Kapitän der Wohlfühlzone, tangoed, swingt, bluest, jived und rumbat sich so souverän, teils angetan mit Stromgitarre, teils mit der Ukulele, durch die tragischen Momente des Lebens, dass es zum Lachen ist. Gebt dem Mann die Stadthalle, schickt ihn zum Song Contest, lasst’s ihn wenigstens die Vorgruppe vom Gabalier sein, weil, samma sich’s ehrlich, in dem Business is a jeder a Hur’. Gegenderte Bundeshymne her, Belohnung mit TV-Show hin. Erschy hat Biss. Von seiner Mama. Die da meinte, nur die Harten kommen durch und von denen nur zehn Prozent. Erzieherischer Darwinismus, vergeudet an einen, den nichts interessiert hat. Aber das mit Inbrunst. Da sticht einer nicht in See, da sticht sich einer ins Herz. Und man schwimmt in seinem Herzblut, ein warmer Strom, dessen Ryhthmus sich auf die eigene Pumpe überträgt. Pump It Up, Erschy! Für die bundesdeutschen Bordgäste gibt’s übrigens einen Dialektworkshop, wenn’s beispielsweise um den "Schrebergarten im Meidllling" geht: Apfel mit an Lll, gell. Aber es kann nicht alles lllustig sein. Humor ist bekanntlich ein Abfallprodukt der Intelligenz und "I hob’ mi heut’ deppert g’lacht" eine Schutzbehauptung.
Also hauen Deinböck/Unger mit der Polit-Pratzn hin. Vom maroden Bildungswesen bis zum Problem, das wir mit Flüchtlingen haben. Nicht zu verwechseln mit dem Unwort "Flüchtlingsproblematik". Erschy singt den Intoleranzblues, ein Loblied aufs Buffett, wo gefressen wird, dass sich die Balken biegen, während man an Küsten vorbeigleitet, deren Bewohner für ein Stück Brot und einen Schluck Wasser … Er erscheint als sinistrer Glücksspielteufel: Novomatic. Wir bringen Kultur ins Spiel. So a Slogan muass an erst amoi einfallen, so an tollen hat die Schuldnerberatung ned. Und weil er immer noch hypotnisierit ist, kommen ein paar Cover von STS "Jörg-Voda" bis Wolferl "Gezeichnet fürs Leben"-Aktie, ein bissl Celentano-Blau, also "Azzurro", und a wengerl Glockengeläut à la Mendt.
Nach der Pause. Schiffbruch. Wird’s unterwassrig. Die Töne sind bedämpft, die Songs besinnlich. Es geht Erschy um die Liebe. Zu seinen Frauen und seiner Tochter – berührend, wie er sie vor einer Männerwelt warnt, in der nur diese "Räuber und Gendarm" spielen. Da geht’s um die eine, zu der man immer Nein gesagt hat, weil sie der schärfste Zahn ist, die Zeit. Ein Glück. Bevor alle absaufen, kommt ein Helicopter und rettet erst einmal die Inselmänner. Die haben nämlich noch einen Auftritt. Lassen sich aber zu den Zugaben "Mercedes Benz" – Steinhauer kann fast so schön kreischen wie Janis Joplin – und dem Schlager aus "Feier.Abend", "Der Putin is a Witz", überreden. Nie war der Song aktueller. Und im Saal ging die Post ab. Und die Leute summten, pfiffen, brummten ihn noch beim Hinausgehen. Die Karriere von Erschy Heart dürfte in den Kammerspielen also einen Riesensprung nach vorne (nein, nicht in Maos Sinne, Klugscheißer!) gemacht haben. Es wäre dem Jungtalent zu wünschen, dass er endlich den Durchbruch, also künstlerisch, nicht Blinddarm, schafft. Die CD folgt hoffentlich bald.
(Mottingers Meinung)

Erwin Steinhauer wird seinem Prototyp in Geist, Gestus und boshafter Beiläufigkeit der Botschaft – Helmut Qualtinger sel. – auf so unheimliche wie anheimelnde Art immer ähnlicher. Man hat quasi jeden Grund, zuzuhören, ob er nun Witz und Wahrhaftigkeit als "Wuchtel" weghaut oder Opinion-Lieder mit meisterhafter Musikalität intoniert – es stimmt halt einfach alles.
In ein virtuoses Ensemble an Könnern eingebettet ("Die Lieben" Georg Graf, Joe Pinkl, Peter Rosmanith) geht seine selbstironische Kreuzfahrt in der dicken Haut des alternden Egos Erschy Heart, Mutterseelen-Alleinunterhalter, nie unter. Nicht einmal dann, als das Schinakl tatsächlich versinkt. Zauberwort zur zerzausten Karriere: "Als Beau war ich zu schiach, als Typ zu untypisch." Die sagenhaften Songtexte von Heli Deinboek berühren, Oneliner von Heinz R. Unger schaukeln den Luxusliner.
(Kurier)

Steinhauer spiegelt die Spießigkeit seines Publikums im eigenen Charakter: Als schmieriger Entertainer gibt er einmal den Modernitätsverweigerer, ein andermal den senilen Alten, dann das bequeme Muttersöhnchen. Immer wieder veräppelt er sich selbst als eloquenter Antiheld. Mit Gute-Laune-Jazzmusik werden so verschiedene österreichische Typen vorgestellt und von Steinhauer hollywoodreif besungen.
Richtig animierend wirkt die musikalische Unterstützung: Georg Graf, Joe Pinkl und Peter Rosmanith untermalen den Gesang unter anderem mit Blasinstrumenten, Schlüsseln und sogar ein wenig "Beatboxing". So werden mit einer hohlen Schüssel Unterwasserklänge hergestellt, die nicht nur stimmungsmachend sind, sondern gar eine authentische Seefahrtslaune aufkommen lassen.
(Der Standard)

Idee
Peter Rosmanith & Erwin Steinhauer

Buch
Heli Deinboek

Liedtexte
Heli Deinboek & Heinz R. Unger

Mitarbeit
Fritz Schindlecker

Komposition
Joe Pinkl, Otto Lechner, Klaus Trabitsch & Die Lieben

Sounddesign
Robin Gillard

Bühnenbild und Kostüme
Enid Löser

Mit
Erwin Steinhauer

Musiker
Georg Graf (Saxopohne, Klarinetten, Bass), Joe Pinkl (Keyboard, Posaune, Tuba, Melodica), Peter Rosmanith (Perkussion, Hang)