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Theater in der Josefstadt
Premiere: 25.04.2015

Ein Projekt von Elmar Goerden

"Kafka"

Uraufführung

ca. 1 Stunde, 30 Minuten, keine Pause

Aus den Schriften von Franz Kafka.

"Jetzt werde ich Ihnen eine Bitte vortragen, die wahrhaftig wahnsinnig aussieht. Es ist aber auch schon die stärkste Probe, auf die man den gütigsten Menschen stellen kann. Also ich bitte: Schreiben Sie mir nur einmal in der Woche und so, dass ich Ihren Brief Sonntag bekomme. Ich ertrage nämlich Ihre täglichen Briefe nicht, ich bin nicht imstande, sie zu ertragen. Ich antworte z.B. auf Ihren Brief und liege dann scheinbar still im Bett, aber ein Herzklopfen geht mir durch den Leib und weiß von nichts als von Ihnen. Wie ich DIR angehöre, es gibt wirklich keine andere Möglichkeit es auszudrücken und die ist zu schwach. Aber eben deshalb will ich nicht wissen, wie Du angezogen bist, denn es wirft mich durcheinander, dass ich nicht leben kann."
(Brief von Franz Kafka an Felice Bauer vom 11.11.1912)

Der Regisseur Elmar Goerden konzentriert sich in seinem Projekt auf die zu Lebzeiten Kafkas unveröffentlichten Texte. Briefe an die Verlobte Felice Bauer, die zwischen enormer Sehnsucht und gleichzeitigem Wunsch nach räumlicher Distanz schwanken, bilden ebenso wie Tagebucheintragungen und abgebrochene Prosa, in denen sich die Zweifel Kafkas an seiner schriftstellerischen Arbeit spiegeln, einen grundlegenden Pfeiler der Textauswahl. Einem verletzlichen, selbstzweifelnden, aber auch ironischen und manchmal sehr komischen Kafka geht das "Kafka"-Projekt von Elmar Goerden auf die Spur – abseits der bekannten Werke des großen Schriftstellers.

Nestroy-Nominierung für beste Regie und für Alexander Absenger als Nachwuchsschaupieler

Ein ganz großer Erfolg.
Und der ganz große Jubel vom Premierenpublikum.
Fünf (wirklich großartige) Darsteller, eine bis auf ein weißes Streifenmuster völlig kahle Bühne, ein paar Bilderrahmen und Kopfpolster, Kafkas Sprache und eine Familienpackung herrlich absurden Humors: Mehr braucht Regisseur und Projektleiter Elmar Goerden nicht, um einen packenden Theaterabend zu montieren.
Goerden, der an der Josefstadt 2012 mit Ibsens "John Gabriel Borkman" (Helmuth Lohner!) einen großen Erfolg feierte, montierte Texte aus dem riesigen Nachlass von Kafka - vor allem aus Briefen, Fragmenten, Tagebucheintragungen - zu einer frei assoziierenden, aber nie den Faden verlierenden Collage.
Entscheidend für das Gelingen dieses großartigen, 90 Minuten kurzen Abends ist Goerdens Sinn für Humor. Dabei gelingen ihm fast Monty-Python-artige Bilder. Gleich der Beginn ist hinreißend: Ein Darsteller baut sich aus verschieden langen Kerzen eine Art Schmerzens-Orgel. Er hält die Hand über die Flammen, stößt Schmerzenslaute in verschiedenen Tonhöhen aus, während die anderen "Froh zu sein bedarf es wenig" im Kanon singen.
An Jacques Tati erinnert die Szene, in der sich ein Darsteller die Badehose unter dem Bademantel auszieht, während es ein anderer schafft, die lange Hose unter der Badehose anzuziehen, ohne, dass man etwas Nacktes sieht - ein umwerfend komisches, artistisches Ballett der Verklemmung.
Größtes Lob gilt den Darstellern: Maria Köstlinger, Toni Slama, André Pohl, Alexander Absenger und Peter Kremer spielen sich virtuos kreuz und quer durch Kafkas seelische Irrgärten.
(Kurier)

Tragisch und komisch. Äußerst stimmige Inszenierung.
(Der Standard)

Elmar Goerdens beachtliche Uraufführung zeigt den Dichter als vielschichtiges Wesen. Humorvoll, liebend, verzweifelt.
Diese beachtliche Inszenierung ist raffiniert vielschichtig.
Sprachlich überzeugend. Stück für Stück wird das Phänomen Kafka auf originelle Art präsentiert und zwar als Engführung, die sich auf einige Aspekte dieses kurzen Lebens konzentriert - auf Kafkas Beziehungsangst, auf den Komplex, nicht zu genügen, weder anderen Menschen, noch der Literatur. Nicht der Prozess des Schreibens steht im Fokus, sondern alles, was davon ablenkt.
(Die Presse)

Aus Schriften von Franz Kafka hat Elmar Goerden den Versuch unternommen, der Person nachzuspüren. Herausgekommen ist bei dem Projekt ein durchaus auch vergnüglicher Abend, der neue, andere Facetten Franz Kafkas zeigen will.(...)Aus Briefen (vornehmlich an Kafkas "Liebe auf Distanz" Felice Bauer), aus Tagebucheintragungen und Notizen hat Goerden ein konzentriertes Bild gezeichnet, dabei Klischees vermieden und den Schriftsteller mit all seinen Sorgen und Nöten in ein modernes Licht gestellt. Heiter etwa Kafkas Manie nach Post, die er fast in komischer Art eines Karl Valentin von seinen Briefpartnerinnen immer wieder einfordert.
(...)Goerden und das Josefstädter Ensemble holen Kafkas Regungen und Erregungen aus dem Dämmerlicht zurück: Alexander Absenger, Peter Kremer, André Pohl und Toni Slama exekutieren dabei nicht nur Zitate und Textfragmente, sie nähern sich zwischen Kinderspiel und Verweigerung der Wirklichkeit, den Seelen- und Geistesnöten eines Großen der schreibenden Zunft.
Kafka in vierfacher Ausführung - und jeder zimmert sich ein eigenes Bild zurecht, steckt sein Konterfei in den passenden Rahmen, der bei Einem klein bleibt, vom Anderen in großem Standbildformat auf die Bühne geschleppt wird. Als Kafkas Über-Ich geistert ab Mitte des Abends Maria Köstlinger durch die männerlastige Szenerie: Sie bringt mehr die ernsten, düsteren Züge des leidenschaftlichen Briefschreibers ins Spiel, vervollständigt so das unterhaltsame Portrait. Jubel!
(Kronen Zeitung)

Regie
Elmar Goerden

Bühnenbild
Silvia Merlo, Ulf Stengl

Kostüme
Lydia Kirchleitner

Mit
Maria Köstlinger, Alexander Absenger, Peter Kremer, André Pohl, Toni Slama