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Theater in der Josefstadt
Premiere: 18.10.2012

Oscar Wilde

Lady Windermeres Fächer

ca. 1 Stunde, 45 Minuten, keine Pause

Es gibt Momente, in denen muss man sich entscheiden, ob man sein eigenes Leben leben will, ganz und gar – oder ob man irgendeine platte, verlogene, erniedrigende Existenz fortsetzen will, nur um der Welt in ihrer Heuchelei zu genügen.
(Lord Darlington in "Lady Windermeres Fächer")

Nichts sollte einen Menschen schädigen können, es sei denn er selbst. Nichts überhaupt sollte einen Menschen ärmer machen können. Was in ihm ist, das hat der Mensch wirklich. Was draußen ist, sollte ohne Bedeutung sein.
(Oscar Wilde, "Der Sozialismus und die Seele des Menschen")

Gelangweilt von dem ermüdenden und belehrenden Gespräch derer, die weder den nötigen Witz für die Übertreibung noch das Talent für die Romantik besitzen, gelangweilt von jenen intelligenten Personen, deren Träume über die Vergangenheit immer auf der Erinnerung aufbauen, deren Äußerungen ausnahmslos von der Wahrscheinlichkeit beschränkt sind und die wahrscheinlich jederzeit von dem geringsten, zufällig anwesenden Philister bestätigt werden können, muss die Gesellschaft sich früher oder später wieder dem kultivierten und faszinierenden Lügner zuwenden. Denn der Lügner hat das Ziel, zu verzaubern, zu erfreuen, Genuss zu erzeugen. Er ist die wahre Grundlage der zivilisierten Gesellschaft. Nur er kennt das Geheimnis, dass die Wahrheit völlig und absolut eine Frage des Stils ist, während das Leben – das armselige, wahrscheinliche, uninteressante menschliche Leben – welches es satt ist, sich ständig zugunsten von wissenschaftlichen Historikern und Verfassern von Statistiken im allgemeinen zu wiederholen, ihm geduldig folgen wird. Es wird in seiner eigenen, einfachen und ungebildeten Art versuchen, einige der Wunder zu reproduzieren, von denen er erzählt.
(Oscar Wilde, "Der Niedergang der Lüge")

Soweit ich feststellen kann, bin ich der einzige Mensch in London, der sich nicht hinsetzen und auf Anhieb ein Oscar-Wilde-Stück schreiben kann. Die Tatsache, dass seine Stücke, obwohl sie offensichtlich einträglich sind, unter diesen Umständen einzigartig bleiben, spricht für die Enthaltsamkeit unserer Autoren. Oscar Wilde ist der wahre Schauspielautor, denn er spielt mit allem: mit dem Geist, der Philosophie, dem Drama, mit Schauspielern und Publikum, mit dem ganzen Theater.
(George Bernard Shaw)

Mit einer schlanken, zeitlosen Inszenierung von Oscar Wildes "Lady Windermeres Fächer" setzt das Theater in der Josefstadt seinen erfolgreichen Saisonauftakt fort. Regisseur Janusz Kica bewies bei der Premiere gestern, Donnerstag, Abend Mut zum Strich und entlockte dem Ensemble starke Leistungen. Dafür gab es nach knapp 100 Minuten viel Applaus. (...) Der wahre Trumpf des Abends sind jedoch die intensiven schauspielerischen Darbietungen: Allen voran Andrea Jonasson, die es als unnahbare, kokette Mrs. Erlynne vermag, alle Menschen um sie herum wie Marionetten zu ihren Gunsten durch die Szenerie zu bewegen. Von ähnlicher intrigantischer Souveränität ist Herzogin von Berwick, die Sona MacDonald mit viel Leidenschaft gibt. Pauline Knof als Lady Windermere wächst während der 100 Minuten glaubwürdig von der naiven Puritanerin zur die Abgründe der Liebe erahnenden Ehefrau.(...)
(APA)

Und wenn die große Andrea Jonasson - in der Rolle der "gefallenen" Mrs. Erlynne - mit ihrem Charisma das Haus füllt, ist Widerstand sowieso zwecklos.(...)Ebenfalls stark: Martin Niedermair als Frauenheld Lord Darlington, Bernd Christian Althoff als zynischer Cecil Graham oder Raphaela Möst als naive Lady Agatha.
(Kurier)

Alle Skepsis wurde ausgelöscht, denn Janusz Kica und ein ausgewogenes Ensemble, angeführt von Andrea Jonasson, Pauline Knof und Christian Nickel, gelang ein heiter-ironisches Spiel der Bonmots und Lebensweisheiten.(...)Pauline Knof gefällt als junge Lady Windermere im Zweifel um die Treue ihres Gatten. Christian Nickel spielt diesen mit Zurückhaltung. Andrea Jonasson brilliert als elegante Mrs. Erlynne, verführt, brüskiert und zeigt letztendlich auch Herz. Perfekt!
(Kronen Zeitung)

Zudem lässt Kica ohne Pause durchspielen. Das hingegen tut dem Abend gut. Denn dieser vermag sich von Akt zu Akt zu steigern - mit der zunehmenden Verweildauer von Andrea Jonasson.(...)So dürfen die Nebenrollen glänzen. Sona MacDonald spritzt als exaltierte Herzogin von Berwick mit zusammengekniffenen Augen Gift; Alexander Waechter serviert als Mr. Dumby jeden Satz knochentrocken.(...)Andrea Jonasson aber, gekleidet wie die Dietrich, spielt sie alle an die Wand: Nicht nur die Männer auf der Bühne verfallen ihr. Selbstbewusst setzt sie sich über gesellschaftliche Konventionen hinweg - und zum Schluss brechen zarte (Mutter-)Gefühle aus ihr heraus. So nebenbei animiert sie im vierten Akt auch Knof und Nickel zur Profilierung. Bravo.
(Der Standard)

(...)die heimliche Hauptperson dieser mit den berühmtesten Wilde-Bonmonts gespickten Komödie auf: Mrs. Erlynne, gleichermaßen Madame-Sens-Gêne wie Madame Scandaleuse. Schwer vorstellbar, dass es eine idealere Besetzung für diese Dame als Andrea Jonasson gibt, die zwar zurückhaltender agiert als sonst, vielleicht auf Anweisung der Regie agieren muss, aber allein mit ihrer verführerischen Stimme und ihrer Erscheinung prunkt sie, speziell bei ihrem zweiten Auftritt im Twenties-Anzug mit weißem Hut.
(Die Presse)

In der Josefstadt spielt man nun die bissige Komödie "Lady Windermeres Fächer" einfach pur - und auch das funktioniert bestens: Wilde verfügt selbst ohne Bearbeitung über reichlich bösen Witz. Der polnische Regisseur Janusz Kica setzt auf ein reduziertes, kühles Salon-Bühnenbild, er lässt zerrissene Figuren mit ihren verlogenen Idealen ringen. Was dabei noch Tugend ist und was bereits Laster, gerät naturgemäß zunehmend durcheinander.(...)Sona MacDonald brilliert als Klatschkönigin, und Andrea Jonasson weíß als gefallene Salonlöwin ihre Divenrolle gekonnt auszuspielen.
(Profil)

Im Gegensatz dazu schlägt Janusz Kica nun in seiner Inszenierung von "Lady Windermeres Fächer" einen ganz anderen Weg ein: Er zeigt keine sensationelle Revitalisierung, sondern präzise abschnurrendes Nobel-Boulevardtheater. Das gelingt, von einigen Einschränkungen abgesehen, dank eines vorzüglichen Ensembles recht gut.
(Wiener Zeitung)

Pauline Knof spielt die Titelheldin als bezauberndes Geschöpf, das auch am Ende die Zusammenhänge nicht versteht. Wunderbar ist Andrea Jonasson als gurrende, lachende, alles durchschauende Mrs. Erlynne. Sona MacDonald als boshafte Herzogin von Berwick liefert ein Gustostückerl ihrer Komödienkunst. Viel Applaus.
(Österreich)

Pauline Knof(...)zum ersten Mal im Josefstädter Theater. Als Lady Windermere gestaltet sie linientreu das Bild der höheren Tochter.(...)Ihren Ehemann Arthur spielt Christian Nickel.(...)Ihm gelingt die Spannung zwischen Gutmensch, Moralapostel und ehrlich liebendem, zweifelnden, wütenden Ehemann, mit wohltuender Ironie. Andrea Jonasson verzaubert in dieser Rolle alle Herren der Gesellschaft. Sie spielt eine mondäne, unnahbare, ab und zu kokette Frau, die jeglichen weiblichen Rollenmuster widerspricht und über die wilde Vermutungen kursieren. Eine Rädelsführerin der Intrige ist die von Sona MacDonald fabelhaft gespielte Herzogin von Berwick.
(Salzburger Nachrichten)

Regie
Janusz Kica

Bühnenbild und Kostüme
Karin Fritz

Lord Windermere
Christian Nickel

Lady Windermere
Pauline Knof

Mrs. Erlynne
Andrea Jonasson

Lord Darlington
Martin Niedermair

Herzogin von Berwick
Sona MacDonald

Lady Agatha
Raphaela Möst

Lord August Lorton
André Pohl

Cecil Graham
Bernd-Christian Althoff

Mr. Dumby
Alexander Waechter

Mr. Hopper
Matthias Franz Stein

Parker
Gideon Singer