Stück auswählen:
Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 14.10.2004

Ludwig Thoma

Moral

Der wohlhabende Bürger Fritz Beermann will als Kandidat für die Liberalkonservativen in den Wiener Reichstag einziehen. Gefördert von christlich-sozialen und deutschnationalen Freunden, wie dem Gymnasialdirektor Wasner und dem Gummiwaren-Fabrikanten Adolf Bolland, soll er als "Überparteilicher" die Stimmen der Nationalen gewinnen und den Sozialdemokraten Paroli bieten. Außerdem bekleidet Beermann ein wichtiges Amt - er ist Präsident der nationalen Liga für Zucht und Ordnung, eine neue Einrichtung, die für die Einhaltung der gesellschaftlichen Moral zu sorgen hat. Da wird die Edelprostituierte Ninon de Hauteville verhaftet, die peinlicherweise Tagebuch über jeden einzelnen ihrer Besucher geführt hat. Polizeirat Ströbel, Chef der Sitte, macht sich energisch an die Aufklärungsarbeit. Beermann, ein eifriger Kunde der Dame, kommt ins Schwitzen und stiehlt das Tagebuch. Mit seinen honorigen Freunden beschließt er, dass der Prozess unbedingt niedergeschlagen werden muss, denn "das Volk soll an die Moral der Höherstehenden glauben, das ist wichtiger, als Moral zu besitzen".

In dieser spritzigen Komödie um Scheinheiligkeit, Tabus und die Fragwürdigkeit der ehrenwerten Herren, spielt Harald Serafin die Hauptrolle, Regie führte Felix Dvorak.

Harald Serafin entzückt als Privatier Beermann. (...) Der alte Operetten-Charmeur und erfolgreiche Mörbisch-Intendant rudert gar köstlich im Dilemma zwischen Separée und Salon und sichert sich die meisten Lacher. So wird anständig Komödie gespielt.
(Die Presse)

Dvorak hat das Stück bieder, aber unterhaltsam, mit Freude am Schrulligen inszeniert. Publikumslieblinge sorgen für eine fröhliche Pointenjagd, allen voran Harald Serafin als Beermann und Dvorak selbst als Polizeirat Ströbel. Ein Duo infernal der Wendehälse. Eine Hetz.
(Kronen Zeitung)

Wenn Serafin in Aktion ist, gewinnt Thomas literarische Attacke auf Scheinmoral, Heuchelei und Spießertum an Fahrt. Denn Serafin ist einfach die Idealbesetzung für den honorigen Sittenwächter Fritz Beermann. Mit Würde zieht sich Gideon Singer aus der amourösen Affäre; auch Friedrich Schwardtmann hat köstliche Momente.
(Kurier)

Regie und Fassung
Felix Dvorak

Bühnenbild
Renate Rieder

Kostüme
Estzer Kovasznay

Musikalische Einrichtung
Michael Rüggeberg

Fritz Beermann, ein wohlhabender Bürger
Harald Serafin

Lina Beermann, seine Frau
Adelheid Picha

Effie Beermann, beider Tochter
Katharina Straßer / Patrizia Köhle

Elvira Lund, Verwandte der Beermanns
Inge Maux

Dr. Moritz Hauser, Rechtsanwalt
Manfred Schmid

Prof. Otto Wasner, Gymnasiumsdirektor
Christian Futterknecht

KommRat Adolf Bolland, Fabrikant
Friedrich Schwardtmann

Klara Bolland, seine Frau
Monika Tajmar

Hans Jakob Dobler, Dichter
Michael Schiemer / Robert Herzl

Melanie Koch-Pinneberg, Malerin
Dessislava Urumova

KonsiRat Anton Hartl, Stadtpfarrer
Robert Grass

Oskar Ströbel, Polizeirat
Felix Dvorak

Josef Risanek, Polizeischreiber
Rudolf Pfister

Baron Simbach, Bezirkspolizeidirektor
Marko Pustisek

Madame Ninon de Hauteville, Private
Nina Gabriel / Nicole Beutler

Bodo Graf von Zürnberg, k.k. Kammerherr und Adjutant
Gideon Singer

Betty, Mädchen bei Beermann
Elke Schwab

Ein Wachmann
Claudio Hiller

Enrico Dellamare, Operntenor
Michael Schiemer