Stück auswählen:
Theater in der Josefstadt
Premiere: 10.01.2002

Franz Grillparzer

Sappho

Sappho, die berühmteste Dichterin der griechischen Antike, kehrt siegreich vom Dichterwettstreit in Olympia auf ihre Heimatinsel Lesbos zurück. Zum Erstaunen ihres Lehrers und Vertrauten Rhamnes und ihrer Dienerin Eucharis wird Sappho von Phaon, einem jungen Mann, den sie bei den olympischen Wettkämpfen kennenlernte, begleitet. Sie stellt ihn als neuen Herrn in ihrem Hause vor. Mit ihm will sie als erfüllte Frau und Dichterin ein neues Leben beginnen. Von der Reise und den Begrüßungszeremonien erschöpft und verwirrt, zieht Phaon sich zurück. Er wird Zeuge der Klagen der jungen, bei Sappho lebenden Melitta, die im Kindesalter aus ihrer Heimat entführt und von Sappho gekauft und gerettet wurde. Das Schicksal des Mädchens berührt den jungen Mann, als Trost und Zeichen seiner Zuneigung steckt er Melitta eine Rose an und verlangt eine andere als Geschenk von ihr. Beim Versuch, eine hochhängende Blüte zu erreichen fällt Melitta in Phaons Arme. Er hält sie fest und drückt einen Kuß auf ihre Lippen. Sappho hat die Szene beobachtet; sie schickt Melitta auf ihr Zimmer und warnt Phaon vor weiteren unbedachten Schritten. Später bittet sie Melitta zu sich und fordert von ihr jene Rose, die Phaon dem Mädchen geschenkt hat. Melitta weigert sich die Rose herzugeben, und Sappho bedroht Melitta mit einem Dolch. Als sich Phaon schützend vor das Mädchen stellt, beschließt Sappho Melitta heimlich von der Insel fortbringen zu lassen. Doch Phaon vereitelt den Plan, er flieht mit Melitta. Nach Stunden gelingt es den Bewohnern von Lesbos, das junge Paar einzuholen und zurückzubringen. Phaon sagt sich von Sappho los und erfleht ihren Segen für seine Verbindung mit Melitta. Sappho hat ihren Lebensinhalt, den Mann, den sie liebt und die an Kindes statt angenommene Melitta verloren. Sie sieht keinen anderen Ausweg und stürzt sich ins Meer.

Die Liebestragödie der griechischen Dichterin Sappho und ihr missglückter Versuch, den unauflösbaren Widerspruch zwischen Kunst und Leben aufzuheben, wurde von Janusz Kica inszeniert. Die Rolle der Sappho spielt die vom Hamburger Thalia-Theater nach Wien heimgekehrte Ulli Maier, die an der Josefstadt bereits als Agathe in Der Mann ohne Eigenschaften beeindruckte.

Die Uraufführung der Sappho 1818 im Burgtheater war eine Sensation. "Höchstens meinten einige, das Stück sei nicht griechisch genug, was mir sehr recht war, da ich nicht für Griechen, sondern für Deutsche schrieb. Ebenso war es mit einem weiteren Tadel: Ich hatte in Sappho mehr das Weib als die Dichterin geschildert. Ich war nämlich immer ein Feind der Künstlerdramen. Künstler sind gewohnt, die Leidenschaft als einen Stoff zu behandeln. Dadurch wird auch die wirkliche Liebe für sie mehr eine Sache der Imagination, als der tiefen Empfindung. Ich wollte aber Sappho einer wahren Leidenschaft und nicht einer Verwirrung der Phantasie zum Opfer werden lassen."

Regie
Janusz Kica

Bühnenbild
Kaspar Zwimpfer

Kostüme
Marie-Thérèse Jossen

Musik
Arturo Annecchino

Sappho
Ulli Maier

Phaon
Heiko Raulin

Eucharis, Sapphos Dienerin
Marianne Nentwich

Melitta
Silvia Schuh / Maria Köstlinger

Rhamnes
Hermann Schmid

Landmann
Peter Moucka / Peter Scholz