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Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 30.03.2017

Torsten Fischer und Herbert Schäfer

Lenya Story - Ein Liebeslied

Uraufführung

ca. 2 Stunden (Pause nach 50 Minuten)

"Surabaya-Johnny", die Rache-Vision der "Seeräuber-Jenny", der "alte Bilbao-Mond" und der "Moon of Alabama" ...  Generationen von Europäern und Amerikanern wies Lotte Lenya den "Weg in die nächste Whisky-Bar".

"Ich hatte nie Gesangsunterricht. Wissen Sie, jede Wienerin kann singen. Es liegt ihr im Blut, wirklich."

Karoline Wilhelmine Charlotte Blamauer, aufgewachsen in der Ameisgasse im 14. Wiener Bezirk Penzing, Tochter eines Fiakerkutschers und einer Wäscherin, wird als Lotte Lenya die berühmteste Wiener Künstlerin des Zwanzigsten Jahrhunderts.
Erste Theatererfahrungen sammelt sie in Zürich und in Berlin, wo sie im Vorort Grünheide dem Komponisten Kurt Weill begegnet: Der Beginn einer großen, unkonventionellen Lebens- und Liebesgeschichte.
Nach einem Vorsingen bei Bertolt Brecht wird sie die legendäre Jenny der "Dreigroschenoper"-Uraufführung.

Im aufkommenden Nationalsozialismus und Antisemitismus wird die Arbeitssituation für Weill in Deutschland unerträglich. "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" führt zu Tumulten in den Opernhäusern, weitere Aufführungen seiner Werke werden verboten.  Das inzwischen geschiedene Paar wandert gemeinsam nach Amerika aus, in die Emigration und einer zweiten Ehe entgegen.

"Ich möchte das, was ich bin, an dich verschwenden. Du solltest es nehmen, mit beiden Händen. Es ist kein Geschenk von mir, denn es lebt nur für dich.  Aber es könnte dein Geschenk an die Menschheit werden."
Kurt Weill

Weill arbeitet in Hollywood und am New Yorker Broadway.
Nach Weills Tod lebt Lotte Lenya zurückgezogen, heiratet noch zweimal und feiert späte Triumphe als die unvergessene lesbische KGB-Agentin Rosa Klebb im James Bond-Film "Liebesgrüße aus Moskau"  und in der Uraufführung des Musicals "Cabaret" - die Rolle des Fräulein Schneider wurde für sie geschrieben, die Songs für sie komponiert.

Ihr Leben widmete Lotte Lenya dem musikalischen Erbe der Musik Kurt Weills, "für seine Musik zu kämpfen, sie am Leben zu erhalten".

"Sie kann keine Noten lesen, aber wenn sie singt, dann hören die Leute zu wie bei Caruso."
Kurt Weill

"Es ist schön, als Legende bezeichnet zu werden. Warum sollte ich etwas dagegen haben?"
Lotte Lenya

MacDonald singt schrill oder mit tiefem Timbre, immer mit ungeheurer Intensität, wenn es sein muss, mit Sentiment und sogar melodramatisch. Eine Überwältigung.
Torsten Fischer (Regie) und Herbert Schäfer (Bühne und Kostüme) haben ein perfekt auf diese Darstellerin abgestimmtes Stück geschrieben, das aus 17 Liedern und Textübergängen besteht. In einer flotten Show wird in ca. zwei Stunden eine große Liebe in modernen Zeiten vorgeführt. Sie reißt mit, sie rührt und reizt auch immer wieder zum Lachen. Sie ist um keine einzige Nummer zu lang.
Arango zeigt sich äußerst wandelbar. Er spielt auch Brecht, einen Impresario und die späteren Männer der Lenya. Er gibt den Szenen mit raffinierten kleinen Gesten und Nebensätzen Pfiff. Sogar dem Tod der Ehemänner gewinnt er in absurder Verfremdung kleine Gags ab. Vor allem lässt er seiner Partnerin Raum. Den braucht eine, die von Penzing und Berlin bis Bilbao oder Alabama kommen will.
(Die Presse)

Es schlägt die Stunde Sona MacDonalds, der größten Sänger-Schauspielerin Wiens. Sie bewegt sich als Lotte Lenya in den Kammerspielen wie auf dem schwankenden Boden eines auseinanderbrechenden Kahns. Sie schleudert den Elementen ihren wohllautenden Gesang entgegen. Der Witz liegt im Understatement. So sicher tremolierend wie die MacDonald hat die Lenya ihr ganzes Leben lang nicht gesungen. Im Schnelldurchlauf wird die Liebesgeschichte absolviert: Arango ist ein perfekter Brecht-Schauspieler, der Weills Unbedenklichkeit in Sachen Ehehygiene als bürgerlichen Witz erzählt. Als Brecht hängt er den Sehnsuchtsmond an die Drahtleine. Und erst in MacDonalds Liedinterpretationen (perfekte Band: Christian Frank) wird das Lenya-Drama greifbar: Ihr Leben bestand (auch) aus heruntergeschluckten Enttäuschungen. Das Publikum riss es zu Recht von den Sitzen. Romantisch geglotzt hat übrigens niemand.
(Der Standard)

Sona MacDonald in ihrem Element, dafür gab’s Donnerstagnacht in den Kammerspielen der Josefstadt Standing Ovations. "Lenya Story – Ein Liebeslied" heißt der Abend, den Torsten Fischer und Herbert Schäfer für die Ausnahmekünstlerin geschaffen haben. MacDonald "kann" die Lenya mit ihren eigenwilligen Tönen, die mal hell klirren wie zerstoßenes Glas, mal wund und rau sind, wie mit Sandpapier geschmirgelt. Sie kann ihren unbändigen Elan und den puren, rohen Sex-Appeal, sie changiert zwischen schutzsuchendem Mädchen und rotzfrecher Straßengöre. Wie sie da auf der Bühne steht, scheint auch sie eigens geschaffen zur Heldin der Brecht-Weillschen Gossenwelt mit ihren Lumpen, Gaunern und leichten Madämchens.
Fischer, ein Experte für solcher Art Aufführungen, fügt geschickt die Zeitgeschichte hinzu. Entlang von Lenyas Biografie und der Weill-Musik macht er die politischen Machtverhältnisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts greifbar. Ein hervorragendes Musikerquartett, Christian Frank, Herbert Berger, Andy Mayerl und Klaus Pérez-Salado, interpretieren einiges an Neu- und Wiederentdeckungen so stimmig, wie die Gassenhauer aus der "Dreigroschenoper", "Mahagonny" oder "Happy End".
Was dieses Sona-MacDonald-Fest aber vor allem anderen auszeichnet, ist ihr Bühnenpartner Tonio Arango. Mit ihm wird das Solo für Sona zum Psychogramm eines komplizierten Künstlerpaares. Er schlüpft in die Rollen aller Lenya-Männer.
(Mottingers Meinung)

Ihr liebster war Kurt Weill. Aber auch manch anderer Herr entzückte die Wienerin Lotte Lenya, berühmt seit 1931 als Seeräuberjenny im "Dreigroschenoper"-Film. Auf diese männerverängstigende Schlussnummer von "Lenya-Story: Ein Liebeslied" folgten bei der Premiere Standing ovations für Sona MacDonald und Tonio Arango. Bert Brecht erfand das schräge Wort "Misuk". Ein Bravo den Misukanten mit Christian Frank als Chef.
Phantasievoll das Buch, ausgefeilt die Ausstattung und Regie von Torsten Fischer und Herbert Schäfer.
(Wiener Zeitung)

Sona MacDonalds und Tonio Arangos Stimme fließen berührend ins Geschehen ein und lassen die Erzählung mal als Komödie, mal als Tragödie erscheinen. In 90 Minuten versteht man jedes Wort, jede Bewegung, jeden Gesichtsausdruck. Sona MacDonald geht bis an ihre Grenzen und vermittelt Schmerz, Erinnerungen, Gedankenspiele. Mit ihren Bewusstseinsspiegelungen verweben sich Weills Musik – hervorragend dargeboten von Christian Frank, Herbert Berger, Andy Mayerl, Klaus Pérez-Salado – um ein Gefühl zu fassen, das immer wieder entgleitet. Intensiv die Bilder inmitten einer betont sachlichen Dekoration.
Viele gute Einfälle, effektvolle Spieltempi, eindrucksvolle schauspielerische Leistungen!
(Kronen Zeitung)

Die fabelhafte Sona MacDonald hat sich Lotte Lenya in Stimme, Gestik, Gang und Mimik virtuos angeeignet – und wie!, in den Rollen all ihrer Männer macht Tonio Arango nicht nur als Kurt Weill eine sehr gute Figur. Torsten Fischer (auch Regie) sowie Herbert Schäfer und Vasilis Triantafilopoulos haben eine ideale Bühnenschräge geschaffen, hinter der die vierköpfige ganz exzellente Live-Band unter der Leitung von Christian Frank platziert ist.
Eine grandiose Aufführung, die Herz und Hirn gleichermaßen anspricht, die Lust auf mehr macht.
Chapeau!
(KURIER)

Verrucht gut! Begleitet von einer tollen Jazz-Combo unter der Leitung von Christian Frank geben Sona MacDonald als Lenya und Tonio Arango ein wundervolles, aus der Zeit gefallenes Liebespaar. Nicht nur Weill-Lieder, auch Zitate aus Briefen der beiden aneinander machen daraus eine formidable, mitreißende Aufführung.
(Falter)

Regie
Torsten Fischer

Bühnenbild und Kostüme
Herbert Schäfer
Vasilis Triantafillopoulos

Musik
Christian Frank

Dramaturgie
Herbert Schäfer

Licht
Manfred Grohs

Klavier
Christian Frank

Reeds
Herbert Berger

Kontrabass
Andy Mayerl

Schlagzeug
Klaus Pérez-Salado

Sie
Sona MacDonald

Er
Tonio Arango