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Theater in der Josefstadt

Elfriede Jelinek

Rechnitz (Der Würgeengel)

Premiere
09.01.2021

Kurz vor Kriegsende – in der Nacht auf den Palmsonntag 1945 – findet auf dem Schloss der Gräfin Margit von Batthyány, Tochter des Barons Heinrich Thyssen-Bornemisza, im burgenländischen Rechnitz ein ausgelassenes Fest statt, an dem auch einige ranghohe NSDAPMitglieder teilnehmen. Im Laufe des Abends werden an mehrere Gäste Waffen verteilt und 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Am nächsten Tag verlässt Margit von Batthyány Rechnitz. Sie wird fortan in der Schweiz leben.

Die Täter des Massakers wurden nie zur Verantwortung gezogen, der Fall Rechnitz blieb unaufgeklärt. Die Lage des Massengrabs, in dem die Opfer verscharrt wurden, ist bis heute unbekannt. Zwei Hauptzeugen der Verbrechen wurden 1946 ermordet. Mit Rechnitz (Der Würgeengel) setzt Elfriede Jelinek dem kollektiven Verschweigen und Verdrängen einen sprachgewaltigen und eindringlichen Text gegenüber.

"Indem man diese Sünden der Väter und Großväter gebetsmühlenhaft immer wieder hervorholt, ohne ihnen wirklich analytisch auf den Grund gehen zu wollen oder ihr Fortwirken in der Gegenwart zu untersuchen, deckt man Geschichte zu, statt ihr die Kleider vom Leib zu reißen. Indem man sich also letztlich geschichtslos und mythologisierend, also sie mit vielen Worten bloß verhüllend, diesen Verbrechen stellt, kann man nicht wirklich die historische Wahrheit für diejenigen, die nichts mehr darüber wissen, auch emotional nachvollziehbar machen. Dann erschöpft es sich in bloßem Gerede. Dieses Gerede versuche ich zu demaskieren."
Elfriede Jelinek

Regie
Anna Bergmann

Bühnenbild
Katharina Faltner

Kostüme
Lane Schäfer

Musikalische Leitung
Heiko Schnurpel

Video
Sebastian Pircher

Dramaturgie
Barbara Nowotny

Mit
Michaela Klamminger
Sona MacDonald
Elfriede Schüsseleder
Robert Joseph Bartl
Tamim Fattal
Dominic Oley
Götz Schulte
Martin Vischer