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Theater in der Josefstadt
Premiere: 13.12.2018

Ferdinand Raimund

Der Bauer als Millionär

ca. 2 Stunden, 15 Minuten (Pause nach ca. 75 Minuten)

Was hab ich jetzt von dem verdammten Geld? Ich kanns ja nicht genießen.
Fortunatus Wurzel

Reich geworden durch einen Schatz, den ihm der Neid in die Hände spielte, wird der ehemals arme Bauer Fortunatus Wurzel wortbrüchig gegenüber der Fee Lakrimosa. Denn angesichts des neuen Reichtums denkt Wurzel nicht mehr daran, sein Versprechen einzuhalten, seine Ziehtochter Lottchen mit einem armen Burschen, dem sie ihr Herz geschenkt hat, zu verheiraten. Doch ohne diese Hochzeit kann Lakrimosa, Lottchens leibliche Mutter, nicht aus ihrer Verbannung erlöst werden. In ihrer Verzweiflung bittet sie ihre Freunde in der Feenwelt um Hilfe.

Ferdinand Raimund erzählt in seinem Zaubermärchen eine Geschichte um unerwarteten Reichtum und den daraufhin schnellen Verlust von Moral und Anstand. Berühmt sind bis heute die Szene des Abschieds der Jugend mit dem wunderbaren Duett „Brüderlein fein“ sowie das Aschenlied des zum Aschenmann herabgesunkenen Fortunatus Wurzel. Regisseur Josef E. Köpplinger wird in seiner Inszenierung die Originalpartitur Josef Drechslers verwenden.

Josef E. Köpplinger, der am Theater in der Josefstadt 2015 Der Gockel von Georges Feydeau sehr musikalisch inszeniert hatte, wird in seiner Inszenierung von Der Bauer als Millionär auch Ferdinand Raimunds Couplets in gekonnter Manier zur Geltung bringen.

Diese Produktion ist ein Fest für die ganze Familie.
Köpplingers Personenführung überzeugt. Es geht stets schnell und zügig zur Sache, wobei jede einzelne Figur liebevoll-individuell geschildert wird. Michael Dangl etwa wandelt sich als Fortunatus Wurzel überzeugend vom prassenden Säufer hin zu einem alten, gebrochenen Mann. Sehr anrührend sein Abschied von der Jugend (stark: Theresa Dax). Großartig auch dank des so fabelhaften Wolfgang Hübsch der Eintritt des Alters in die Glamourwelt. Und die vielen Geister? Die muss man einfach gern haben. An der Spitze Alexander Pschill, der als tollpatschiger Ajaxerle nicht nur perfekt schwäbelt. Oder Julia Stemberger, die ihrer Zufriedenheit eine große Noblesse verleiht. Und natürlich Martin Niedermair als köstlicher Neid. Dazu kommen noch Dominic Oley, Alexandra Krismer, Alexander Strömer, Patrick Seletzky, Oliver Rosskopf und Ljubiša Lupo Grujcic. Die Menschenseite wird von Johannes Seilern und Paul Matić tadellos komplettiert; das junge Liebespaar ist bei Tobias Reinthaller (Karl Schilf) und Lisa-Carolin Nemec (Lottchen) sehr gut aufgehoben. Ein Triumph des exzellenten Ensembles.
(KURIER)

In Josef E. Köpplingers wunderbar vitaler Raimund-Inszenierung nützt alles nichts, und doch gewinnen alle alles. Die Jugend tritt endlich einmal nicht als misstönende Kitsch-Gewerbetreibende auf. Sie singt ihr Brüderlein fein als strahlend schöne Sopranistin (Theresa Dax). Das Alter (Wolfgang Hübsch) beginnt Wurzels Maßregelung als Anthony Hopkins des Alpenhauptkamms, nur um sich Sekunden darauf in einen Vampir zu verwandeln. Sonderbarerweise aber schleudert der tiefe Fall des Fortunatus Wurzel den Josefstadt-Schauspieler Dangl in lichte Höhen. Kaum jemals hat man das Aschenlied zurückgenommener gehört, dabei derart sittlich veredelt und von tiefem Nachdenken erfüllt. Das Publikum sollte diese famose Produktion mit Zuspruch belohnen.
Kaum jemals hat man das Aschenlied zurückgenommener gehört, dabei derart sittlich veredelt und von tiefem Nachdenken erfüllt. Das Publikum sollte diese famose Produktion mit Zuspruch belohnen.
(Der Standard)

Josef E. Köpplinger denkt Raimund klug weiter. Ohne den Charme der scheinbaren Naivität zu vertreiben, inszeniert er die Figuren als Ideologieträger im Bogen zwischen Tugendhaft und Böse, Unvernünftig und Vernünftig. Dank vieler Personen- und Textstriche verkünden sich die Botschaften dieser multiplen Besserungs-, zugleich Aufklärungsaktion kantig und direkt.
Michael Dangl zeigt Fortunatus Wurzel rundum mit Untugend bespickt, dabei menschlich nahe, die Brechstange des Volksschauspielers in Watte gepackt auch in den großen Momenten aus dem Kanon des österreichischen Theaters - Auftrittslied, sekundenschnelle Vergreisung, Aschenlied. Dangls schwarzer Wuschelkopf mit Schnauzer, die Stimme aus dem Bauch, steigert die Saufbrüderszenen zu wahren Milieubildern. Theresa Dax reicht als strahlende Jugend ihren Probanden weiter zu Wolfgang Hübsch. Der ist 79, doch einen Finger durch’s Haar gezogen und die Zunge an die Zähne gepresst ist er 99. Nicht der einzige Szenenapplaus an diesem Abend.
"Was reden sie für eine schöne Sprache", rätselt Wurzel, die Fee Zufriedenheit erblickend. Julia Stemberger, elegant im kleinen Schwarzen, spricht mehr als schön: erhaben. Lottchen Lisa Carolin-Nemec ist eine junge Frau, die weiß, was sie will. Ihr Karl, Tobias Reinthaller, beweist, dass sich ein Armer in neuem Luxus nur verbiegen kann. Paul Matic, mehr Wächter als Diener im reichen Haus, sagt mit unheimlicher Weisheit nicht viel mehr als "Schon recht". Hass und Neid, Dominic Olay mit rotem Langhaar und Martin Niedermair in Beamteneleganz raufen um ihr Opfer. Auf Tempo und Witz trainiert die ganze junge Geistermannschaft. Ein Raimund auch für Junge.
(Wiener Zeitung)

Regisseur Josef E. Köpplinger versucht das Tollkühne: Er spielt das Stück, wie es im Buch steht, und gewinnt – ein magisches Original.
Das Stück ist fabelhaft, in seinem Blödsinn nicht weniger als in seinem Tiefsinn, und es ist ein Fundus erstklassiger Rollen, die hier tadellos besetz sind. Michael Dangl ist ein virtuoser, berührender Wurzel, und neben Johannes Seilern und Julia Stemberger ist Wolfgang Hübsch als wahrhaft ereignishaftes, unvergessliches hohes Alter hervorzuheben.
(Kronen Zeitung)

Köpplinger setzt auf die Originalpartitur von Joseph Drechsler und lässt ein fünfköpfiges Bühnenorchester (Musikalische Leitung und Arrangements: Jürgen Goriup) aufspielen. Dieses sorgt gemeinsam mit der jungen Sopranistin Theresa Dax für einen Magic Moment, der alleine bereits lohnt: Ihr als von Fortunatus Wurzel Abschied nehmende Jugend gesungenes "Brüderlein fein" ist musikalisch auf höchstem Niveau, ihr ganzer Auftritt von anrührender Zartheit.
Als energischer, stattlicher Herr tritt Wolfgang Hübsch auf und verwandelt sich ansatzlos in einen mümmelnden Greis, wenn es darum geht, Wurzel seine nahe Zukunft vor Augen zu führen – großer Szenenapplaus.
Lisa-Carolin Nemec beeindruckt als schlichtes, liebenswertes Lottchen. Alexander Pschill als schwäbelnder Ajaxerle, Dominic Oley als erfolgsgewohnter Hass und Julia Stemberger als mütterliche Zufriedenheit stechen aus dem Geisterreigen hervor.
Zweieinhalb Stunden Unterhaltung.
(APA)

Köpplinger setzt auf Raimunds bissigen Wortwitz, würzt das Singspiel durchaus mit dessen Depression, verzichtet auf allzu Liebliches – und das ergibt in Summe mehr Ferdinand Raimund, als andere Inszenierungen von sich sagen können. "Der Bauer als Millionär" an der Josefstadt versteht sich als Unterhaltung. Mit Haltung.
Zwei Höhepunkte des Abends: Wenn Sopranistin Theresa Dax als Jugend ihr "Brüderlein fein" singt, und sich nicht nur stimmlich auf höchstem Niveau, sondern schauspielerisch, angetan mit einem rosa Bubenanzug, als ein androgynes Wesen von anrührender Zartheit präsentiert. Ebenfalls Szenenapplaus gab es für ihr Pendant, Wolfgang Hübsch als das hohe Alter ein Respekt gebietender, resoluter Mann von Welt, der sich unversehens in einen zynischen, zahnlos scheinenden Mummelgreis verwandelt, sowie er Wurzel die nun anstehenden Zipperlein vor Augen führt. Hübschs trockener Humor ist geradezu das Paradebeispiel für die Köpplinger-Handschrift dieser Aufführung.
(Mottingers Meinung)

Josef E. Köpplinger schöpft aus dem Vollen, um das biedermeierliche Singspiel mit all seinen allegorischen Anspielungen und menschlichen Irrungen sanft zeitgemäß in Szene zu setzen. Musikalisch belässt er das Stück unter Verwendung von Joseph Drechslers Vorlage in der Entstehungszeit. Das kleine, vor der Bühne platzierte Ensemble rund um Jürgen Goriup entführt auf äußerst anmutige Weise ins Wien des frühen 19. Jahrhunderts.
Verdienstvoll auch die Gesangseinlagen, wobei vor allem Theresa Dax als burschikos-androgyne "Jugend" ihr "Brüderlein fein" hervorragend meistert. Bühnenbildner Walter Vogelweider und der für die Kostüme verantwortliche Alfred Mayerhofer umschiffen die Retro-Klippe fantasievoll mit markanten, nicht eindeutig einer Epoche zuordenbaren Details. Michael Dangl ist ein überaus kraftvoller Fortunatus, bis zum versöhnlichen Schluss mehr Schlitzohr als naiver Landwirt. Freude bereiten an diesem ebenso harmlosen wie vergnüglichen Abend zudem einige Darsteller, die aus ihren Rollen kleine Schmuckstücke zaubern. Szenenapplaus erhält Wolfgang Hübsch als "Hohes Alter", der Diener Lorenz des Johannes Seilern ist ein richtig schleimiger Intrigant und die "Zufriedenheit" der Julia Stemberger eine souveräne Problemlöserin von Erdenkinder-Sorgen.
(Tiroler Tageszeitung)

Wolfgang Hübsch begeistert als hohes Alter. Michael Dangl ist sprachlich souverän und zeigt sein Format. Völlig authentisch wirkt Johannes Seilern als Wurzels Kammerdiener Lorenz. Witzig: Alexander Pschill in der Paraderolle des patscherten Ajaxerle. Julia Stemberger erfreut als würdige Zufriedenheit. Exzellent einstudiert ist die Musik, selten sang das Josefstädter Ensemble so harmonisch.
(Die Presse)

Regie
Josef E. Köpplinger

Bühnenbild
Walter Vogelweider

Kostüme
Alfred Mayerhofer

Musikalische Leitung & Arrangements
Jürgen Goriup

Choreografie
Karl Alfred Schreiner

Korrepetition
Belush Korenyi

Dramaturgie
Barbara Nowotny

Licht
Josef E. Köpplinger
Pepe Starman

Musiker
Jürgen Goriup/Belush Korenyi (Musikal. Leitung und Klavier), Ruth Müller/Michaela Wild/Maria Schlieber/Karin Schlechta (1. und 2. Violine), Günter Schagerl/Tina Heumesser (Violoncello), Ingrid Eder/Milos Todorovski (Akkordeon), Wolfgang Trojan/Barbara Haslinger (Klarinette)

Lakrimosa, eine mächtige Fee, verbannt auf ihr Wolkenschloss
Alexandra Krismer

Bustorius, Zauberer aus Warasdin
Patrick Seletzky

Ajaxerle, Lakrimosens Vetter und Magier aus Donaueschingen
Alexander Pschill

Zenobius, Haushofmeister und Vertrauter der Fee Lakrimosa / Afterling
Alexander Strömer

Die Zufriedenheit
Julia Stemberger

Jugend
Theresa Dax
Marina Margaritta Colda

Das hohe Alter
Wolfgang Hübsch

Der Neid
Martin Niedermair

Der Hass
Dominic Oley
Roman Schmelzer

Tophan, Kammerdiener des Hasses / Musensohn
Ljubiša Lupo Grujčić

Nigowitz, ein dienstbarer Geist des Hasses / Schmeichelfeld
Oliver Rosskopf

Fortunatus Wurzel, ehmals Waldbauer, jetzt Millionär
Michael Dangl

Lottchen, seine Ziehtochter
Lisa-Carolin Nemec

Lorenz, ehmals Kuhhirte bei Wurzel, jetzt sein erster Kammerdiener
Johannes Seilern

Habakuk, Bedienter
Paul Matic

Karl Schilf, ein armer Fischer
Tobias Reinthaller

Feen/Zauberer/Schlosser/Tischler/Geister der Nacht/Grabsteine/Diener des Hasses/Bedienstete bei Wurzel
Tamim Fattal
Marina Margaritta Colda, Theresa Dax, Inés Voigt, Christian Peter Kotsis, Lukas Müller