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Theater in der Josefstadt

Thomas Bernhard

Ein Fest für Boris

Premiere
28.05.2020

Wir sind ins Asyl und haben
ihn uns ausgesucht
Und ich habe ihn geheiratet
ihn
ihn
Sagen Sie dass wir ihn uns
ausgesucht haben
Sie haben mich gezwungen
Er fühlt nichts
er ist nichts und er fühlt nichts
Er weiß nichts
Mein Geschöpf

Die Gute

"Die Gute" hat nach einem Unfall ihren Ehemann – und ihre Beine verloren. Nicht unvermögend, egozentrisch und ausschließlich nach ihren Launen und Wünschen lebt sie ihr tägliches, strikt reglementiertes Leben begleitet von Johanna, ihrer schweigsamen Pflegerin / Bediensteten / Vertrauten / Freundin? Und – mit Boris , ihrem neuen Ehemann, ein mittelloser "beinloser Krüppel", den "Die Gute" aus dem "Krüppelasyl" herausgeholt und geheiratet hat. In Erinnerungen und Machtspiele verstrickt, scheinen die beiden Frauen ein alltägliches Ritual zu zelebrieren: "Die Gute", in ihrem Redefluss wie in ihr en Wünschen und Befehlen nicht enden wollend und Johanna, scheinbar servil und geduldig. Das bevorstehende Geburtstagsfest für Boris wird besprochen und organisiert. Auftritt Boris: auch er bleibt stumm, lässt den Redefluss der "Guten" über sich ergehen. Opfer? Oder Täter? Ist er wirklich glücklich, dass die "Gute" ihn zu sich aus dem Heim holte? Dankbar über sein privilegiertes Leben? Hilflos, sprachlos – immer hungrig und äußerst liebesbedürftig scheint sich ein zartes Verhältnis zwischen dem "Krüppel" und Johanna zu entspinnen – voll Argwohn, Misstrauen und Eifersucht betrachtet von der "Guten".

Thomas Bernhard schreibt 1966 für die Salzburger Festspiele sein erstes Theaterstück Ein Fest für Boris. Die Reaktionen sind verstörend, ablehnend, feindlich. Eine Frau ohne Beine und ihre Bedienerin mit dreizehn "beinlosen Krüppeln aus dem Asyl" ein Geburtstagsfest feiern zu lassen, sei eine Persiflage auf Salzburgs JEDERMANN – und überhaupt unerträglich und untragbar.

Nach der Lektüre von Ein Fest für Boris reist Peymann spontan nach Ohlsdorf um den Autor des Stückes persönlich kennen zu lernen. 1970 findet schließlich Peymanns umjubelte Uraufführung im Hamburger Schauspielhaus statt. Bernhard wird als Theaterautor entdeckt und gefeiert, sowohl von der Kritik als auch vom Publikum. Bernhard und Peymann – eine künstlerische Verbindung, die Theatergeschichte geschrieben hat.