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Theater in der Josefstadt
Premiere: 15.10.2020

Hermann Bahr

Das Konzert

ca. 2 Stunden, 10 Minuten (Pause nach ca. 70 Minuten)

Also Punkt eins wäre abgemacht. Sie lieben meine Frau und meine Frau liebt Sie. Und nun sehen Sie, wie gut das zusammen geht! Denn denken Sie: ich liebe Ihre Frau und Ihre Frau liebt mich! Was wir vier eigentlich für ein Glück haben! Und da können wir ja jetzt gleich am selben Tage Hochzeit machen.
Dr. Jura

Das Konzert ist gar kein Konzert!
Vielmehr dient es dem Pianisten Gustav Heink seit Jahren als Täuschungsmanöver, wann immer er in einer Berghütte das Wochenende mit einer Geliebten verbringen will. Die Liebesworte, die der Virtuose den wechselnden Damen ins Ohr flüstert, sind so eingespielt wie das Verhalten seiner duldsamen Ehefrau. Alles ändert sich an einem Tag im Frühling, als eine Schülerin des Meisters herausfindet, was wirklich hinter dem Konzert steckt.

Janusz Kicas Inszenierung von Hermann Bahrs Lustspiel ist vielleicht die beste Inszenierung dieses viel gespielten Stückes seit Langem. Janusz Kica hat tief hineingeleuchtet in die Konflikte zweier Paare und einiges zutage gefördert, was sonst nicht zu sehen ist.
Alma Hasun spielt Delfine als selbstbewusste, exzentrische junge Frau, deren klar artikulierte Bedürfnisse Männer überfordern. Martin Vischer spielt Franz Jura, diesen geckenhaft gewandeten, neunmalklugen Partyschreck.
Als Clou der Aufführung der Auftritt von Sandra Cervik und Herbert Föttinger, ein Paar im echten Leben, als Theaterpaar läuft bestens. Frau Marie ist die heimliche Paraderolle im "Konzert", die offizielle ist der Dr. Jura. Marie, der leidgeprüften Gefährtin des großen Künstlers Heink, hat Bahr die größte Breite und Tiefe der Gefühle geschenkt. Cervik spielt diese Gattin, die ständig gezwungen ist, sich zu verbiegen und für den Mann etwas "hinzubiegen", in allerlei Schattierungen zwischen Romantik, Ironie und leiser Trauer. Herbert Föttinger zeichnet Gustav Heink sehr überzeugend. Heink kann sich unberechenbar aufführen, weil seine Gefährtin ihm seine Kapriolen stets durchgehen ließ. Jetzt hat Marie genug. Heink ist verstört. Auch in dieser modernen Nuance – die Frau lässt sich nichts mehr gefallen – wirkt die Inszenierung erfreulich unsentimental und präzise.
Verstärkt hat Kica die Spiegelung der bürgerlichen Sitten in den Figuren auf der Hütte im Gebirge: Frau Pollinger (Susanna Wiegand) leidet offen darunter, dass ihr Mann (Siegfried Walther) lieber ins Wirtshaus geht, als ihr ein wenig Zärtlichkeit oder mehr zu schenken. Auch diese zwei sind goldrichtig besetzt.
Bahrs Lustspiel schillert und schimmert, und es zeigt die Akteure von ihrer besten Seite.
(Die Presse)

Hervorragende Schauspielleistungen!
(KURIER)

Gespielt wird famos und das unterhält! "Josefstadt"-Prinzipal Herbert Föttinger und seine Frau Sandra Cervik sind die Heinks, ein ideal auf einander eingespieltes Team. Cervik ist die Künstlergattin, die über allem steht und doch verletzlich ist. Föttinger zeigt den Altersflüchtling, den Künstler mit einer wohltuenden Dosis an Distanz und Selbstironie. Präzises Schauspiel ist das. Martin Vischers Dr. Jura steht ganz in der Gegenwart, changiert zwischen Menschenfreund und Sonderling. Er unterhält glänzend. Alma Hasun karikiert als Delfine eine verwöhnte Tochter aus gutem Hause. Zwei Stunden Entertainment, und das kann man in diesen Zeiten nicht hoch genug schätzen.
(news.at)

In der Josefstadt spielt ein reales Ehepaar das Ehepaar aus dem Stück, und sie machen das ausgezeichnet. Sandra Cervik ist souverän und abgeklärt, man weiß, dass sie alles durchschaut, die Fäden in der Hand hält. Und Herbert Föttinger gibt den Maestro, der einfach nicht alt sein möchte, als aberwitzige Karikatur. Martin Vischer spielt Dr. Jura wie einen Fremdkörper, als wäre er aus dem 21. Jahrhundert ins alte Wien gebeamt worden. Ein selbstreflexiver Komiker, der es doch sehr ernst meint: ein Highlight des Abends.
(Wiener Zeitung)

Die interessanteste und originellste Persönlichkeit hat sich Martin Vischer für seinen Dr. Jura erarbeitet. Sein betrogener Ehemann ist ein fröhlicher Sonderling, von dem man nie recht weiß, ob er besonders naiv oder besonders raffiniert ist. Vieles spricht für das Letztere: Der erklärte Menschenfreund ist in Wahrheit ein Realist und verkappter Zyniker, der die Schwächen der anderen gnadenlos in eigene Stärken zu verwandeln versteht. Wunderbar, welche Begeisterung er in seinem Rivalen zu entfachen versteht.
(APA)

Regie
Janusz Kica

Bühnenbild und Kostüme
Karin Fritz

Musik
Matthias Jakisic

Dramaturgie
Matthias Asboth

Licht
Manfred Grohs

Gustav Heink, Pianist
Herbert Föttinger

Marie, seine Frau
Sandra Cervik

Dr. Franz Jura
Martin Vischer

Delfine, seine Frau
Alma Hasun

Eva Gerndl
Michaela Klamminger

Pollinger
Siegfried Walther

Frau Pollinger
Susanna Wiegand

Fräulein Wehner
Anna Laimanee

Fräulein Selma Meier
Lisa Weidenmüller

Miss Garden
Martina Stilp

Frau Claire Floderer
Alexandra Krismer

Frau Fanny Mell
Marlene Hauser

Herr Dr. Kann
Jakob Elsenwenger