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Theater in der Josefstadt
Premiere: 09.09.2021

Franz Grillparzer

Medea

ca. 1 Stunde, 50 Minuten, keine Pause

Kreusa: Wie hiess die?

Ein Barbarenname war’s

Medea: Medea

Kreusa: Medea

Jason: Medea


Schuld und Fluch bringt Medea der Liebe wegen über sich und das Goldene Vlies. Jason scheint es wert zu sein, doch erweist sich die leidenschaftlich begonnene Beziehung als nicht alltagstauglich. Zudem entpuppt sich die Zuflucht im fremden Land als trügerisches Idyll: Die Integration wird Medea schlichtweg verwehrt, als Mensch wird sie nicht anerkannt, sie ist und bleibt das Fremde, dem keine Chance auf Anerkennung zuteil wird.

Die große Tragödie des Lebens ist es, die Grillparzer mit dem Schicksal Medeas schildert. Das Schicksal einer Frau, die vor den Scherben ihrer Existenz steht, deren Verzweiflung sich in einen tödlichen Vernichtungswahn wandelt, unumkehrbar, unverzeihlich, unabwendbar. "Ein Schicksal, dem zu begegnen wir nicht Jahrtausende zurückzugreifen, nicht nach Griechenland uns zu v ersetzen brauchen", wie Grillparzer es beschreibt.

Immer wieder kommt es zwischen dem Paar zu bösen Szenen einer (längst gescheiterten) Ehe. Dank des virtuosen Joseph Lorenz und der alle Emotionen in die Waagschale werfenden Sandra Cervik als Medea sind dies die stärksten Momente der Aufführung. Dass Goerden nebenbei noch große Themen wie Schuld und Sühne oder # Me Too anschneidet, stört nicht. Denn dank der exzellenten Darsteller (auch Katharina Klar als Kreusa und Wolfgang Hübsch als Kreon) geht sich dieser Spagat zwischen allen Ebenen gut aus.
(KURIER)

Regisseur Elmar Goerden versucht, Medea nicht nur als monströse Kindsmörderin zu porträtieren, sondern will die Bühnenfigur in ihrer Vielschichtigkeit ergründen. Augenfälligster Anknüpfungspunkt für dieses Vorhaben ist Medeas soziale Ächtung, von der griechischen Gesellschaft wird sie als Barbarin gedemütigt und als Hexe gefürchtet. Auch beschreibt Grillparzer die Ehekrise zwischen Jason und Medea, wie Cervik und Lorenz sich in Goerdens Inszenierung nach allen Regeln der Kunst in die Haare geraten, gehört gewiss zu den Höhepunkten der Inszenierung. Goerdens Deutung stützt sich indes nicht nur auf Grillparzer, sondern verwebt die stark bearbeitete Vorlage noch mit der feministischen Lesart etwa von Ursula Haas ("Freispruch für Medea", 1987) und Christa Wolf ("Medea. Stimmen"; 1996), in deren Romanbearbeitungen Medea als Sündenbock dargestellt wird. Cervik gelingt hier ein packender Monolog über die undankbare Rolle als Gattin und Mutter. Mitreißende Momente.
(Wiener Zeitung)

Überzeugend stellt Sandra Cervik die Kindsmörderin Medea vor, selbstbewusst, eine Kämpferin mit rauchigem Timbre, die als Mutter und Ehefrau geben möchte und doch weiß, dass sie ihre Grenzen hat, ja haben muss. Den Jason an ihrer Seite gibt Joseph Lorenz, elegant, geschmeidig und grausam schwach, wenn er sich, seine aus dem "barbarischen" Kolchis stammende Gattin Medea verratend, mit seinen dressierten Söhnen König Kreon andient, um Aufnahme in Korinth zu finden. Katharina Klar, schön angelegt als junge, Medea gegenüber interessierte wie intrigante Gegenspielerin. Freude bereitet auch Wolfgang Hübsch, der seinem König Kreon eine joviale Gefährlichkeit verleiht, die schaudern lässt.
(Tiroler Tageszeitung)

Welch faszinierender Autor! Sprachlich hat er sich hoffnungslos am Vorbild Goethe aufgerieben. Aber nur wenige haben die Qualen eines kreativen Kopfs im Wien der Metternich-Ära eindrücklicher beschrieben. In den heute gern genommenen 100 Minuten galoppiert der Regisseur Elmar Goerden nicht ohne Fortüne durch die Ereignisse. Auf minimalistischer Bühne baut sich ein harter, kalter, sarkastischer und doch das Herz zerreißender Theaterabend auf. Die Ereignisse sind ins Heute verlegt, das Resultat gefällt. Gespielt wird vorzüglich.
(Kronen Zeitung)

Es ist dies der Abend der Sandra Cervik. Wie sie ihr Gefühlsbrodeln lange Zeit unterdrückt, um die Ratio walten zu lassen, wie der Zorn, die Verzweiflung plötzlich aus ihr bricht, wie sie dem Publikum die entblößte Schmerzensbrust darbietet, die Barbarin der zivilisierten Gesellschaft. Wie sich Kolchis‘ zauberkundige Königstochter schließlich auf ihre Sitten und Riten besinnt, einen Insektenschwarnm entfesselt und Kreusa unter einer Blutdusche zu Tode bringt, das ist grandiose Kunst. Mit Joseph Lorenz als Jason und Michael König als Medeens Amme Gora scheint einem die Besetzung anfangs ungewöhnlich, doch – Wolfgang Hübsch gibt den Kreon, Katharina Klar die Kreusa – der Schein trügt, sie ist schlichtweg ideal. Und Feinziselierer Goerden hat Grillparzers Figuren tiefenpsychologisiert.
(Mottingers Meinung)

Das Ensemble bringt den Text konzentriert zu Gehör, prägnante Bilder durchlüften die spannungsreichen Dialoge.
(Falter)

Regie
Elmar Goerden

Bühnenbild
Silvia Merlo
Ulf Stengl

Kostüme
Lydia Kirchleitner

Dramaturgie
Matthias Asboth

Licht
Manfred Grohs

Kreon, König von Korinth
Wolfgang Hübsch

Kreusa, seine Tochter
Katharina Klar

Jason
Joseph Lorenz

Medea
Sandra Cervik

Gora, Medeas Amme
Michael König

Medeens Kinder
Moritz Hammer/Tommy Neumayer/Johnny Waldeck/Bruno Schiel/Michael Nes