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Theater in der Josefstadt

Josefstädter Neujahrskonzert

Montag, 6. Jänner 2020, 11.00 Uhr

Karten: € 7,- bis € 49,-

Programm
Johann Schrammel (1850–1893)
"Wien bleibt Wien"

Marsch Joseph Hellmesberger (1855–1893)
"Leichtfüssig"

Polka schnell Johann Strauss Sohn (1825–1899)
"Draussen in Sievering blüht schon der Flieder" Aus der Operette "Die Tänzerin Fanny Elßler"

Rudolf Sieczynski (1879–1952)
"Wien, du Stadt meiner Träume"

Franz Lehár (1870–1948)
Gold und Silber, Walzer op. 79

Joseph Lanner (1801–1843)
Tarantel-Galopp op. 125

Pause

Robert Stolz (1880–1975)
"Gruß aus Wien", Marsch op. 898
"Im Prater blühn wieder die Bäume", Wienerlied
"Du sollst der Kaiser meiner Seele sein", aus der Operette "Der Favorit"

Johann Strauss Vater (1804–1849)
Chineser Galopp, op. 20

Josef Strauss (1827–1870)
"Dynamiden", Walzer op. 173

Eduard Strauss (1835–1916)
Mit Extrapost, Polka schnell op. 259

Johann Strauss Sohn
"An der schönen blauen Donau", Walzer op. 314

Sämtliche Arrangements des Programms stammen von Josef Reif.

Solisten der Wiener Philharmoniker
Ben Morrison, Violine
Adela Frasineanu, Violine
Elmar Landerer, Viola
Franz Bartolomey, Violoncello
Herbert Mayr, Kontrabass
Wolfgang Breinschmid, Flöte
Stefan Neubauer, Klarinette
Sophie Dervaux, Fagott
Manuel Huber, Horn

Stargast: KS Ildikó Raimondi

Solisten der Wiener Philharmoniker
Eine Gruppe von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker, die sich auf den ersten Positionen dieses Orchesters etabliert haben, hat sich zu einem außerordentlichen Kammermusikensemble, den SOLISTEN DER WIENER PHILHARMONIKER, zusammengefunden.
Die Formation besteht aus einem Streichquintett mit Flöte, Klarinette, Fagott und Horn und widmet sich in dieser solistischen Besetzung vor allem der Musik der Familie Josef, Johann und Eduard Strauss, Joseph Lanner, Carl Michael Ziehrer u.a.
Die Solisten der Wiener Philharmoniker gestalten u.a. das jährlich stattfindende Josefstädter Neujahrskonzert, welches traditionell immer am Dreikönigstag im Theater in der Josefstadt stattfindet, sowie das Attergauer Neujahrskonzert innerhalb der Attergau Kultur.

Ildikó Raimondi ist nicht nur eine gefeierte Sängerin auf der Opernbühne, sondern auch eine bekannte Liedinterpretin und Konzertsängerin. Seit 1991 gehört sie der Wiener Staatsoper an. An diesem Haus hat sie mehr als 50 Opernpartien gesungen, wie die Dame (Cardillac), Donna Elvira (Don Giovanni), Rosalinde (Die Fledermaus), Pamina (Die Zauberflöte), Alice (Falstaff), Musetta (La Bohème) und die Gräfin (Capriccio). Gastspiele führten die Künstlerin an sämtliche großen Opernhäuser Europas wie Berlin, Dresden, München, Zürich, Valencia und an das Bolschoi Theater Moskau u.a. Dazu kamen zahlreiche Konzerte, Rundfunk- und TV-Auftritte in Europa, Japan, New York und Israel. Sie tritt regelmäßig bei den internationalen Festivals in Salzburg, Bregenz, Edinburgh, dem Richard-Strauss-Festival Garmisch, dem Beethovenfest Bonn u.v.a. auf. Ildikó Raimondi wendet sich mit großer Vorliebe der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zu. Ihr Repertoire umfasst Werke von Franz Schmidt, Arnold Schönberg, Alexander von Zemlinsky, Egon Wellesz, Ernst Krenek, Gottfried von Einem, Friedrich Cerha und Thomas Daniel Schlee. Ihre Liederabende auf den großen Bühnen Europas setzen immer wieder Maßstäbe der Interpretation und Programmgestaltung.
Ildikó Raimondi ist österreichische Kammersängerin und Integrationsbotschafterin. Seit 2015 ist sie Professorin für Sologesang an der Universität Mozarteum Salzburg.

Josefstädter Neujahrskonzert 2020

Mit dem Namen Schrammel verbinden die meisten Menschen wahrscheinlich das so genannte Schrammel-Quartett, dessen Klang überall auf der Welt als urwienerisch empfunden wird. Dass zu den heute noch gespielten Kompositionen von Johann Schrammel (1850–1893) auch ein weltberühmter Marsch gehört, wissen dagegen nur die echten Blasmusikfreunde. 1886 feierten die Brüder Schrammel ihr 25jähriges Jubiläum als Musiker. Dabei wurde auch der durch und durch wienerische Marsch "Wien bleibt Wien" von Johann Schrammel aus der Taufe gehoben, der seitdem als Juwel unter den österreichischen Märschen betrachtet wird.

Joseph Hellmesberger, auch "Pepi" genannt, war Komponist, als Geiger u.a. auch Primarius des legendären Hellmesberger-Quartetts und Pro- fessor am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien sowie einer der Abonnement-Dirigenten der Wiener Philharmoniker, wo er von 1901 bis 1903 in der Nachfolge Gustav Mahlers die philharmonischen Konzerte leitete. Neben zahlreichen weniger berühmten Operetten komponierte er auch einige rasante Polkas, darunter Leichtfüssig.

"Die Tänzerin Fanny Elßler" ist eine postume Operette von Johann Strauss Sohn. Im Nachlass des Komponisten fanden sich zahlreiche Entwürfe und die Familie Strauss trug sich mit dem Gedanken, daraus eine Operette erstellen zu lassen, das Libretto dazu verfasste Hans Adler. Das Werk wurde am 22. Dezember 1934 in Berlin uraufgeführt, einer der musikalischen Höhepunkte daraus ist das Walzerlied "Draußen in Sievering blüht schon der Flieder".

Rudolf Sieczynski war österreichischer Landesbeamter, Schriftsteller und Komponist. Als Dr. jur. arbeitete er in der niederösterreichischen Landesregierung. Daneben schrieb er kultur- und sittengeschichtliche Bücher (Sittengeschichte mit Humor u.a.) und verfasste Texte zu zahl- reichen Wienerliedern, von denen "Wien, du Stadt meiner Träume" – mit dem Refrain "Wien, Wien, nur du allein" (zu dem er auch die Musik komponierte!) – das bekannteste ist und unter der Opus Nummer 1 nahezu unsterblich wurde.

Franz Lehár zählt zu den bedeutendsten Komponisten der späten Operetten-Ära. Der Walzer "Gold und Silber" nimmt eine spezielle Stellung im Schaffen Lehárs ein: 1899 komponiert, ist es das letzte große Werk des Meisters, das mit einer Opus Zahl versehen ist. Ab diesem Zeitpunkt schreibt Lehár nur mehr große Bühnenmusiken.

Joseph Lanner war Tanzgeiger, Kapellmeister und Komponist. Ab 1819 gründete und leitete er sein eigenes Ensemble, in dem auch Johann Strauss Vater spielte. Innerhalb weniger Jahre wuchs daraus ein Orchester. Joseph Lanner und Josef Strauss waren Jugendfreunde und prägten entscheidend den Wiener Walzer in seiner "klassischen" Form und schrieben damit Musikgeschichte. Mit dem schwungvollen Tarantel- Galopp wird in diesem Jahr der erste Teil des Konzertes beendet.

Der aus Graz gebürtige Robert Stolz komponierte im Lauf eines halben Jahrhunderts sechzig Operetten, dazu viele Chansons und Wiener Lieder, wie u.a. das berühmte "Im Prater blühn wieder die Bäume" – Stücke, die durch ihre gefällige und sehr persönliche Note das Publikum in ihren Bann zogen und echte Welthits geworden sind.

Johann Strauss Vater ist ein österreichischer Komponist und Kapellmeister. Um Verwechslungen mit seinem gleichnamigen Sohn, dem "Walzerkönig", zu vermeiden, wird er meist Johann Strauss Vater genannt. Sein bis heute bekanntestes Werk ist der 1848 uraufgeführte Radetzky-Marsch, mit dem, allerdings nicht in seiner originalen Instrumentation, sondern einer Bearbeitung von Leopold Weninger, traditio- nellerweise das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker schließt. Daneben gehören viele wunderschöne Walzer, wie der Kettenbrücke- Walzer, zahlreiche Galoppe und Quadrillen zu seinem OEuvre.

Josef Strauss studierte an der Technischen Universität Maschinenbau, wurde ein viel gefragter Bauingenieur und Erfinder einer Maschine zur BartolomeyStraßenreinigung, die in Wien sogar eingesetzt wurde. Als er für den erkrankten Vater einsprang und das Strauss-Orchester so glänzend dirigierte, dass ihn die Wiener schlicht nicht mehr vom Podium ließen. Gerne hätte Josef Strauss weiter Brücken und Straßen gebaut, aber völlig unverhofft und ungeplant begann seine Karriere als "Walzerprinz" im Schatten des ungekrönten Bruders.
In manchem seiner Walzer träumte er seinen Traum weiter, wie etwa in den Dynamiden oder den Geheimen Anziehungskräften, seinem berühmtesten Walzer, wo er seine beiden Leidenschaften verarbeiten konnte: Aus einem geheimnisvollen "Urnebel" heraus kommt es durch die Anziehungskraft der Atome zu einer Art "Urknall", und die Musik haucht den Maschinen "wahrhaft dramatisches Leben" ein.
Uraufgeführt auf dem "Industrialistenball" im Jänner 1865 im großen Redoutensaal der Hofburg, übte dieser Walzer auf die Zuhörer regel- rechte magische Anziehungskräfte aus.

Im Herbst 1887 trug Eduard Strauss seinen Galopp Mit Extrapost zum ersten Male vor. Der "schöne EDI" wie der jüngste der Strauss-Brüder genannt wurde, stand seit 1862 zunächst abwechselnd mit Josef an der Spitze der Kapelle.
Es hatte sich viel verändert in der Kaiserstadt: Die Pflege der wienerischen Komponisten wie Lanner und Strauss-Vater war längst entglitten und den Militärkapellmeistern überlassen worden.
Es gab kaum mehr Zivilorchester in den Tanzsälen und in den Gärten der Etablissements. Auch die Strauss-Kapelle musste nun die Sommer über im Ausland gastieren, um zu überleben. Mitte Oktober 1887 kehrte Eduard mit den Musikern aus Süddeutschland zurück und präsentierte beim ersten Konzert am 23. Oktober im Musikverein gleichsam als Reiseerinnerung seine neue "Extrapost".

Johann Strauss Sohn verfasste den Donauwalzer 1866 nach der österreichischen Niederlage bei Königgrätz, quasi als Medizin für die angeschlagene Volksseele der Österreicher. Dieser Walzer sollte schon bald zu ihrer "wortlosen Friedensmarseillaise" werden. Ursprünglich war der gebrochene D-Dur Dreiklang des Beginns jedoch nicht "wortlos", sondern ein Chorwalzer, komponiert für den Wiener Männergesang- verein im Auftrag seines Dirigenten Johann Herbeck. Noch heute singen die Wiener Sängerknaben und andere Chöre gelegentlich eine spätere Textierung des Donauwalzers mit dem Anfang "Donau so blau", der ursprüngliche Text aber, der zur Uraufführung im Februar 1867 erklang, begann mit folgenden kuriosen Versen:
Wiener seid froh! Oho wieso?
No so blickt nur um! I bitt warum?
Ein Schimmer des Lichts! Wir sehn noch nichts.
Ei! Fasching ist da! Ah so, na ja!
Es ging also auch in diesem berühmtesten aller Walzer um den Karneval und seine Tanzvergnügen, deren ungekrönter König Johann Strauss Sohn damals schon war. Übrigens hat er den Donauwalzer nach der Wiener Uraufführung im Sommer 1867 anlässlich der Pariser Weltausstellung dirigiert und – mit englischem Text (man weiß es nicht genau) – wenig später auch in London. Beide Aufführungen waren so erfolgreich, dass der Walzer sofort zum Schlager wurde. Der erste Welthit der Musikgeschichte.
Bis zum heutigen Tag gilt der Walzer An der schönen blauen Donau als Wiener Hymne im Dreivierteltakt und als musikalisches Wahrzeichen Österreichs.
Mechthild Bartolomey