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Theater in der Josefstadt

Josefstädter Neujahrskonzert

Sonntag, 6. Jänner 2019, 11.00 Uhr

Karten: € 7,- bis € 49,-


Carl Michael Ziehrer: (1843-1922)*
"Hereinspaziert", Walzer op. 518

Wolfgang Amadeus Mozart: (1756-1791)
Konzert für Violine und Orchester B-dur, KV 207
I. Allegro moderato
II. Adagio
III. Presto
Solist: Christoph Koncz

Johann Strauss Vater: (1804-1849)*
Neujahrs-Polka op. 199
Eduard Strauss: (1835-1916)*
Mit Extrapost, Polka schnell op. 259

Pause

Johann Strauss Sohn: (1825-1899)*
Ouvertüre zur Operette "Der Zigeunerbaron"
Leichtes Blut, Polka schnell, op. 319
"Wo die Zitronen blühn", Walzer op. 364
Lob der Frauen, Polka mazur op. 315
Josef Strauss:*
Winterlust, Polka schnell op. 121
Johann Strauss Sohn:*
Ritter Pásmán, Csárdás op. 441
Johann Strauss Sohn:*
"An der schönen blauen Donau", Walzer op. 314

Sämtliche mit * bezeichneten Arrangements des Programms stammen von Josef Reif.

Solisten der Wiener Philharmoniker
Christoph Koncz, Violine
Adela Frasineanu, Violine
Elmar Landerer, Viola
Franz Bartolomey, Violoncello
Herbert Mayr, Kontrabass
Silvia Careddu, Flöte
Gregor Hinterreiter, Klarinette
Sophie Dervaux, Fagott
Manuel Huber, Horn

ZUM PROGRAMM

Mit seinem eigenen Orchester unternahm Carl Michael Ziehrer unzählige Konzertreisen und veranstaltete von 1896 bis 1904 die Ronacher-Konzerte in Wien. 1908 wurde er nach Johann Strauss Vater, Johann Strauss Sohn und Eduard Strauss als vierter und letzter Musiker zum Hofball-Musikdirektor bis 1918 ernannt. Er komponierte insgesamt 19 Operetten und ca 600 (!) Märsche, Walzer und Tänze. Ziehrers Militärmusik war so beispielgebend, dass nach seinem Vorbild in England, Spanien und Amerika Militärmusikkapellen eingerichtet wurden. Neben "Weana Mad‘ln", "Das ist der Zauber der Montur" und dem "Schönfeld-Marsch" gehört sein Walzer Hereinspaziert zu seinen bekanntesten Werken.

Die Werke, in denen Mozart Streichinstrumente solistisch einsetzt, sind vor allem in den Jahren 1773 bis 1779 entstanden. Von besonderer Bedeutung innerhalb dieses Zeitraumes aber sind die Jahre 1773 und 1775: In diesen beiden Jahren sind die fünf Konzerte für Violine und Orchester sowie einige Einzelsätze für dieselbe Besetzung entstanden. Anlass hierzu war zum einen die längere Anwesenheit Mozarts in Salzburg, die ihn bewogen haben dürfte, auf Gegebenheiten und Erfordernisse zu reagieren, schließlich stand er immer noch als Konzertmeister in fürsterzbischöflichen Diensten; zum anderen war nun für Mozart die Möglichkeit gegeben, seine während der dritten Italienreise und eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Wien (Juli bis September 1773) gesammelten kompositorischen Erfahrungen auszuwerten.

Ungeachtet der wirtschaftlichen Sorgen der Menschen, feierte man beim Sperl ausgelassen eine Silvester-Fest-Soiree. Direkt zum Jahreswechsel und dem traditionellen "Gott erhalte" griff Johann Strauss Vater zum Taktstock und dirigierte seine soeben im Druck erschienene Neujahrs-Polka, zu deren Musik die Gesellschaft heiter das Neue Jahr 1847 begrüßte. Niemand ahnte, dass es das letzte Jahr der Ruhe und gewohnten Ordnung war...

Im Herbst 1887 trug Eduard Strauss seinen Galopp Mit Extrapost zum ersten Male vor. Der "schöne EDI" wie der jüngste der Strauss-Brüder genannt wurde, stand seit 1862 zunächst abwechselnd mit Josef an der Spitze der Kapelle.
Es hatte sich viel verändert in der Kaiserstadt: Die Pflege der wienerischen Komponisten wie Lanner und Strauss-Vater war längst entglitten und den Militärkapellmeistern überlassen worden.
Es gab kaum mehr Zivilorchester in den Tanzsälen und in den Gärten der Etablissements. Auch die Strauss-Kapelle musste nun die Sommer über im Ausland gastieren, um zu überleben. Mitte Oktober 1887 kehrte Eduard mit den Musikern aus Süddeutschland zurück und präsentierte beim ersten Konzert am 23. Oktober im Musikverein gleichsam als Reiseerinnerung seine neue "Extrapost".

Die Ouvertüre zur Operette "Der Zigeunerbaron" von Johann Strauss Sohn fasst souverän alle Hauptmelodien der gesamten Operette zusammen. Dabei achtet der Komponist darauf, die späteren Schlager des Werkes nur ganz kurz hervortreten zu lassen wie z.B. das Werberlied. Ein Kritiker aus der Zeit beschreibt den Beginn der Ouvertüre: "Mit den ersten vier Takten klingt der Akkord der Ungarnwelt auf, beginnt das Mollreich der Synkopen, der Fermaten, freien Kadenzen, beginnt das Cymbalhafte, Rhapsodische, das in einen idealen Gegensatz zum späteren beschworenen Wienertum tritt." Die konzertante Uraufführung des ganzen Werkes erfolgte am 8. November durch Eduard Strauß im Wiener Musikverein. Seither gehört die Ouvertüre zur musikalischen Weltliteratur.

Für die Konzerte in Paris, die Johann Strauss Sohn im Sommer 1867 in Paris zu veranstalten gedachte, fehlte dem Komponisten zur Ergänzung seiner Meisterwalzer "An der schönen blauen Donau" und "Künstlerleben" ein effektvoller neuer "Reisser".
Er lieferte ihn am Ende des Karnevals 1867 nach. Die Schnellpolka Leichtes Blut begeisterte sofort das Publikum, zuerst in Wien, dann in Paris und schließlich auf der ganzen Welt.

Im Mai 1874 unternahm Johann Strauss Sohn eine Kunstreise durch Italien, 21 Konzerte in verschiedenen Städten zwischen Mailand, Neapel und Triest waren vorgesehen. Am 9. Mai 1874 spielte er im Teatro Regio in Turin jenen Walzer zum ersten Mal öffentlich, den er für diese Tournee komponiert hatte: "Bella Italia". Für Österreich änderte der Komponist den Namen in Wo die Citronen blüh’n. Diesen Titel entlehnte er bei Goethe "Kennst Du das Land, wo die Citronen blüh’n". Und unter diesem Titel wurde der Walzer veröffentlicht und wurde zu einem besonders charmanten Walzer von Johann Strauss.

Seine brillante Polka Mazur Lob der Frauen dirigierte Johann Strauss Sohn zum ersten Mal am 17. Februar 1867 im Wiener Volksgarten. Dieses Stück war wohl bereits für die Konzerte bestimmt, die Strauss im Sommer 1867 in Paris und London zu veranstalten plante. In beiden Städten hatte die elegische und trotzdem lebensvolle Polka Mazur ebenso wie in Wien den erwarteten Erfolg. Sie hat ihn noch heute.

Im langen Fasching des Jahres 1862 waren die Maskenbälle des Unternehmers Hassa im Dianasaal eine Sensation. Neben einem "Maskenball mit Schlittschuhtanz", fand kurz darauf auch ein "Maskentreiben bei Schneegestöber" statt, dafür schrieb Josef Strauss eine "Schlittschuh-Polka". In seinem Tagebuch findet man den Eintrag einer Winterlust-Polka und es ist anzunehmen, dass es sich dabei um das gleiche Stück handelt.

Ritter Pásmán ist die einzige Oper von Johann Strauss Sohn. Das Libretto basiert auf der ungarischen Erzählung Pázmán lovag von János Arany und spielt in Ungarn zur Zeit der Renaissance. Die Uraufführung der dreiaktigen komischen Oper fand am 1. Januar 1892 an der Wiener Hofoper statt, sie wird aber heute nicht mehr gespielt. Einige Nummern daraus, wie einen Walzer, eine Polka sowie eine Ballettmusik und eine Quadrille und eben den berühmten Csárdás hat Strauss separat unter Opus 441 herausgebracht.

Johann Strauß Sohn verfasste den Donauwalzer 1866 nach der österreichischen Niederlage bei Königgrätz, quasi als Medizin für die angeschlagene Volksseele der Österreicher. Dieser Walzer sollte schon bald zu ihrer "wortlosen Friedensmarseillaise" werden. Ursprünglich war der gebrochene D-Dur Dreiklang des Beginns jedoch nicht "wortlos", sondern ein Chorwalzer, komponiert für den Wiener Männergesangverein im Auftrag seines Dirigenten Johann Herbeck. Noch heute singen die Wiener Sängerknaben und andere Chöre gelegentlich eine spätere Textierung des Donauwalzers mit dem Anfang "Donau so blau", der ursprüngliche Text aber, der zur Uraufführung im Februar 1867 erklang, begann mit folgenden kuriosen Versen:

Wiener seid froh! Oho wieso?
No so blickt nur um! I bitt warum?
Ein Schimmer des Lichts! Wir sehn noch nichts.
Ei! Fasching ist da! Ah so, na ja!

Es ging also auch in diesem berühmtesten aller Walzer um den Karneval und seine Tanzvergnügen, deren ungekrönter König Johann Strauß Sohn damals schon war. Übrigens hat er den Donauwalzer nach der Wiener Uraufführung im Sommer 1867 anlässlich der Pariser Weltausstellung dirigiert und - mit englischem Text (man weiß es nicht genau) - wenig später auch in London. Beide Aufführungen waren so erfolgreich, dass der Walzer sofort zum Schlager wurde. Der erste Welthit der Musikgeschichte.

Bis zum heutigen Tag gilt der Walzer An der schönen blauen Donau als Wiener Hymne im Dreivierteltakt und als musikalisches Wahrzeichen Österreichs.

Mechthild Bartolomey