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Theater in der Josefstadt

Ausblick Premieren 2022/23

Pre­mieren 2022/23

"Leben und Sterben in Wien", Thomas Arzt, Uraufführung
In seinem Auftragswerk für das Theater in der Josefstadt entwirft der Dramatiker Thomas Arzt ein gleichermaßen blutiges wie poetisches Bild der österreichischen Zwischenkriegszeit. Hauptfigur des Stücks ist die junge Magd Fanni, deren katholisch geprägtes Leben durch die Begegnung mit der rätselhaften Sara eine Wende nimmt und sie die Radikalisierung einer Gesellschaft, das Zerbrechen jeglicher Solidarität und den sprachlichen "Nährboden" für Faschismus und Nationalsozialismus hautnah miterleben lässt.
Über ein Dutzend Figuren ruft Thomas Arzt dafür auf den Plan, lässt sie in Liedern aus der Handlung heraustreten und spinnt dennoch ein feinteiliges Netz rund um die "völlig frei erfundene" Geschichte einer Frau, die sich von ihren Wurzeln emanzipiert.
Regie: Herbert Föttinger

"Jeder stirbt für sich allein", Ein musikalisches Schauspiel von Franz Wittenbrink nach dem Roman von Hans Fallada, Libretto von Anne X. Weber und Susanne Lütje, Uraufführung
Hans Fallada zeichnet in seinem Roman ein vielschichtiges Bild des Alltags im Dritten Reich zwischen Bedrohung, Verführung und Mitläufertum – vom Gelegenheitsgauner bis zum gefeierten Filmschauspieler, vom Widerstandskämpfer bis zum überzeugten Nazi. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Quangel, das auf ganz persönliche Art Widerstand leistet und dabei sein Leben aufs Spiel setzt. Franz Wittenbrink vermischt in seiner Musik Elemente aus Jazz, Tango, Blues und Gassenhauern mit klassisch dramatischen Klängen. Von überbordender Stimmung im Nachtlokal "Paprika" bis zum tragischen Ende der Quangels. Anklänge an Kurt Weill oder John Kander (Cabaret), in deren Tradition sich Wittenbrink sieht, sind unüberhörbar.
Regie: Josef E. Köpplinger

"Bis nächsten Freitag", Peter Turrini, Uraufführung
Zwei Freunde, beide um die 65, treffen sich einmal die Woche in einem Lokal mit dem Namen „Zur tschechischen Botschaft“. Sie kennen sich von Jugend an, waren miteinander im Internat des Erzbischöflichen Gymnasiums einer Provinzstadt. Später sind sie in die Großstadt gegangen, der eine ist Buchhändler geworden, der andere Dozent für Romanistik. Zwischendurch haben sie sich aus den Augen verloren, seit einiger Zeit treffen sie sich wieder, jeden Freitag. Sie reden über vergangene Zeiten, kommentieren die Vorkommnisse der Gegenwart und produzieren jede Menge Meinungen. Der Dozent wird immer radikaler und politisch rechter, der Buchhändler verteidigt seine sozialen Überzeugungen, verliert sich zwischendurch aber immer wieder in Geschichten.

"Ritter, Dene, Voss", Thomas Bernhard
In seiner 1982 erschienenen Erzählung Wittgensteins Neffe schildert Thomas Bernhard seine Freundschaft zu Paul Wittgenstein, dem Neffen des Philosophen Ludwig Wittgenstein. Der Nachkomme einer der reichsten Familien Österreichs und Enfant terrible der Wiener Gesellschaft verbrachte viele Jahre seines Lebens in psychiatrischen Anstalten. 1986 machte Bernhard den Freund zum Protagonisten eines Theaterstücks, das seinen Titel den Darstellern der Uraufführung verdankt.
Regie: Peter Wittenberg

"Sommergäste", Maxim Gorkij
Man könnte es als groteskes Panorama der bürgerlichen Intelligenzija bezeichnen, diese in ihrer selbst gewählten Langeweile festsitzende Gemeinschaft, die Maxim Gorkij am Vorabend der russischen Revolution 1904 auf Sommerfrische schickt. Weder Existenzängste noch Beziehungsprobleme können hier wirklich verhandelt werden, denn die Unfähigkeit sich aus bestehenden privaten wie sozialen Mustern zu lösen, bringt Gorkijs Figuren in eine generelle Furcht vor dem Leben, die auch gesellschaftliche Auswirkungen nach sich zieht.
Dabei wirft er seinen groteskkomischen Blick bewusst auf eine Bevölkerungsschicht, die es aus historischer Notwendigkeit eigentlich besser wissen müsste: Ich wollte jenen Teil der russischen Intelligenz darstellen, der aus den demokratischen Schichten hervorgegangen war und, nachdem er eine gewisse Höhe der sozialen Stellung erreicht hatte, die Verbindung mit dem ihm blutsverwandten Volk verlor, dessen Interessen – nämlich dass es die Tore des Lebens vor dem Volk weit zu öffnen galt – vergaß …
Regie: Elmar Goerden

"Ein Volksfeind", Henrik Ibsen
Welchen Wert haben Wahrheit und moralische Verpflichtung in einer durchökonomisierten Gesellschaft? Diese Frage stellt sich ganz besonders im Angesicht der Klimawende und der "Fridays For Future"-Bewegung. Wie kann ein gesellschaftlicher Wandel stattfinden, wenn die Angst vor Arbeitsplatzverlust und wirtschaftlichem Abstieg überwiegt? Schließen sich Wirtschaftlichkeit und Moral automatisch aus? In Ibsens 1882 veröffentlichtem Stück Ein Volksfeind stehen wirtschaftliches Interesse und moralische Verpflichtung einander unvereinbar gegenüber. Als der Arzt Dr. Stockmann entdeckt, dass das Heilwasser des Kurortes durch Fabrikabwässer verseucht wird, will er diese Erkenntnis zum Wohle aller publik machen. Doch die Stadtverwaltung setzt auf Vertuschung, man fürchtet um die wirtschaftliche Prosperität des Ortes. Aber Stockmann drängt auf Aufklärung und nimmt dafür sogar gesellschaftliche Ausgrenzung in Kauf. Es geht ihm nicht mehr allein um das Heilbad, sondern um die Gesellschaft an sich. Stockmann hält eine Brandrede gegen die Machenschaften der Behörden, prangert das korrupte politische System und die Verlogenheit der Gesellschaft an. In seinem verbissenen Ringen um Wahrheit wird er zur Zielscheibe öffentlicher Anfeindung – zum Volksfeind.
Mit Ibsens Ein Volksfeind eröffnet Regisseur David Bösch seine politische Ibsen-Trilogie im Theater in der Josefstadt. Bösch, einer der führendsten Regisseure der Gegenwart, wird zum ersten Mal im Theater in der Josefstadt inszenieren.

"Der große Diktator", Charlie Chaplin
Die groteske Verwechslung des tomanischen Diktators Adenoid Hynkel mit einem jüdischen Barbier bildet den Ausgangspunkt von Charlie Chaplins erstem Tonfilm: eine bitterböse, dabei aber umwerfend komische Satire, die es mitten im Zweiten Weltkrieg wagte, das pure Böse direkt zu verspotten. Chaplin setzt der Hass gebärenden Rhetorik des megalomanen Führers die Aufrichtigkeit des namenlosen Frisörs entgegen, der mit seiner weltbekannten Schlussrede ein ewig gültiges Plädoyer für Menschlichkeit und Frieden hält.
Mit Alexander Pschill u.a.
Regie: Dominic Oley

"Die Kleinbürgerhochzeit", Bertolt Brecht
In dem 1926 uraufgeführten Einakter schildert Brecht auf vergnügliche Weise, wie eine Hochzeitsfeier völlig außer Kontrolle gerät. Das Brautpaar präsentiert stolz die vom Bräutigam selbst gezimmerten Möbel, doch nach und nach beginnen sowohl die gute Stimmung der Hochzeitsgesellschaft als auch das Mobiliar zu bröckeln. Der Brautvater nervt mit langweiligen alten Geschichten, die Gäste geraten in Streit, die Schwangerschaft der Braut wird aufgedeckt, dazwischen krachen Stühle zusammen, der Tisch verliert zwei Beine, und als das junge Paar schließlich allein ist, verabschiedet sich auch das Bett mit lautem Krachen. Der Beginn einer Ehe, wie niemand ihn sich wünschen kann!
Regie: Philip Tiedemann