Historisches
Theater in der Josefstadt
Sträußelsäle
Kammerspiele

Theater in der Josefstadt
1788 errichtet Karl Mayer, der Schwiegersohn des Wirten "Bey den goldenen Straußen" in dessen Garten das erste Theatergebäude, heute die älteste noch bestehende, ständig bespielte theatralische Institution auf Wiener Boden. Die Eröffnung findet am 24. Oktober mit Liebe und Koketterie statt.

1822 Der vom Biedermeier-Architekten Kornhäusel errichtete Neubau des zu klein gewordenen Theaters wird am 3. Oktober mit Beethovens Ouvertüre Die Weihe des Hauses, dirigiert vom Komponisten persönlich, eröffnet.
Der ehemalige Theatereingang mit der Fassade von Josef Kornhäusel ist heute nur mehr Teil des Innenhofes, da zwischen das Theater und das Wohnhaus Josefstädter Straße 26 (in dem seit 1840 Direktion und Verwaltung untergebracht sind) später erweiterte Publikumsgarderoben und das heutige Foyer gebaut wurden.

1829 Wiener Debüt von Johann Nestroy als Schauspieler und Bühnenautor: Die Verbannung aus dem Zauberreich oder Dreißig Jahre aus dem Leben eines Lumpen

1834 Uraufführung von Raimunds Der Verschwender am 20. Februar mit dem Dichter selbst als Valentin.
Wenig später: Eröffnung des "Sträußel Saales" durch einen Ball, bei dem Johann Strauß Vater zum Tanz auffordert; in der Folge viele Freitags-Reunionen und Sonntagsbälle mit Strauß, Lanner und anderen.
Im weiteren zahlreiche Wiener Opernerstaufführungen, in der zweiten Jahrhunderthälfte Glanzzeit der Operette mit Franz von Suppé als Bühnenkompositeur und Kapellmeister, die aufgehenden Sterne Marie Geistinger und Josefine Gallmeier debütieren in der Josefstadt.

1857 Erstaufführung des für die Hofoper zu sittenlosen Tannhäuser von Richard Wagner (im damals zum Theater in der Josefstadt gehörenden Thaliatheater)

ca. 1840 bis 1860 Auch die berühmten Tänzerinnen Fanny Elßler und die Spanierin Pepita de Oliva treten auf.

1899 bis 1923 Direktion Josef Jarno, der das historische Verdienst für sich in Anspruch nehmen darf - finanziert durch einen Spielplan der seichten Unterhaltung - das Wiener Publikum mit der literarischen Avantgarde jener Zeit wie Strindberg, Ibsen, Wedekind, Hofmannsthal und Shaw bekanntgemacht zu haben.
Die deutschsprachige Erstaufführung von Molnárs Vorstadtlegende Liliom mit Josef Jarno in der Titelrolle am 28. Februar 1913 ist die Grundlage zum Welterfolg des heute immer wieder gespielten Stückes.

1924 Adaption des Hauses und der Nebenräume in Anlehnung an das berühmte Teatro La Fenice in Venedig durch Carl Witzmann, Reaktivierung der Sträußelsäle (wurden als Kulissendepot verwendet) als Pausenräume. Primat der Schauspieler: "Die Schauspieler im Theater in der Josefstadt unter der Führung von Max Reinhardt".
Eröffnungsvorstellung der Ära Max Reinhardt mit Goldonis Der Diener zweier Herren am 1. April; dritte Eröffnungspremiere: Der Schwierige von Hugo von Hofmannsthal

1926 Der Theaterregisseur, Intendant und Kunstsammler Emil Geyer übernimmt die Subdirektion Reinhardts für das Theater in der Josefstadt. Uraufführung von Dorothea Angermann von Gerhart Hauptmann unter der Regie Max Reinhardts.

1933 Otto Preminger übernimmt die Subdirektion Reinhardts für das Theater in der Josefstadt.

1935 Ernst Lothar kauft Reinhardts Anteile an der Josefstadt, wird deren neuer Direktor, behält aber den Namen „Die Schauspieler im Theater in der Josefstadt unter der Führung von Max Reinhardt“ bei.

1937 Im Oktober findet mit Franz Werfels In einer Nacht die letzte Inszenierung Reinhardts auf europäischem Boden statt. Max Reinhardt emigriert in die USA.

19. März 1938 Ernst Lothar wird gezwungen, die Direktion des Theaters in der Josefstadt niederzulegen. Die ehemaligen Ensemblemitglieder Robert Valberg, Robert Horky und Erik Frey - alle NSDAP-Mitglieder - führen die „Arisierung“ der Bühne durch.

Mai 1938 Der kommissarische Leiter der Josefstadt, Robert Valberg, wird abgesetzt. Er übernimmt die Reichstheaterkammer Wien.

August 1938 Heinz Hilpert übernimmt, in Verbund mit dem Deutschen Theater und den Kammerspielen Berlin, die Salzburger Festspiele und die Direktion des Theaters in der Josefstadt. Damit ist Hilpert der Nachfolger des Reinhardt-Imperiums während der NS-Diktatur.

Emil Geyer wird im August 1942 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet, im November 1943 stirbt Max Reinhardt im US-Exil. 

1945 Nach Kriegsende übernimmt der Hilpert-Schüler Rudolf Steinböck die Direktion des Theaters in der Josefstadt.

1953 bis 1958 Ernst Haeusserman und Franz Stoß sind, zum Teil gemeinsam, zum Teil alleine, bestrebt, die Tradition Max Reinhardts weiterzuspinnen, ein Theater der Schauspieler - und des Publikums - zu kultivieren, ein Theater der Festlichkeit, der Menschlichkeit, der Wahrheit und des schönen Scheins zugleich...

1958 bis 1972 Alleindirektion Franz Stoß

1972 bis 1977 Franz Stoß und Ernst Hauesserman gemeinsam

1977 bis 1984 Alleindirektion Ernst Haeusserman

1984 bis 1987 nach dessen Tod am 11. Juni 1984 übernimmt Heinrich Kraus die Direktion. Der designierte Direktor Boy Gobert stirbt unerwartet am 30. Mai 1986, Heinrich Kraus führt die Direktion weiter bis Dezember 1987.

1988 bis 1997 Direktion Otto Schenk und Robert Jungbluth

1997 bis 1999 Direktion Helmuth Lohner und Robert Jungbluth

1999 bis 2003 Direktion Helmuth Lohner und Alexander Götz

2003/04 Direktion Hans Gratzer und Alexander Götz

2004 bis 2006 Direktion Helmuth Lohner und Alexander Götz

seit Sept. 2006 Direktion Herbert Föttinger und Alexander Götz

2007 Am 20. Oktober wurde das Haus nach einer vier monatigen Generalrenovierung wiedereröffnet. Dank der Renovierung und Restaurierung aller öffentlicher Räume und der Fassade des Theaters erstrahlt die Josefstadt in neuem Glanz. Lesen Sie mehr über die Generalrenovierung.
Sträußelsäle
1834 Vom Besitzer des Theaters in der Josefstadt, Wolfgang Reischel, im hinteren Trakt seines Gasthauses "Zum goldenen Straußen" angrenzend an das Theater als "Sträußelsäle" erbaut. Eröffnung am 1. Juni mit einem großen Ball, bei dem Johann Strauß Vater dirigierte, der schon vorher "Josephstädter Tänze" geschrieben hatte.
Es wird bald darauf eines der beliebtesten Lokale, dessen Freitagsreunionen und Sonntagsbälle viel Publikum anzogen, neben Strauß und vielen anderen Walzerzelebritäten konzertiert häufig auch Josef Lanner.

1850 Erstmals Schließung des Vergnügungslokals wegen "zweifelhaften Publikums"

1873 Zur Wiener Weltausstellung nochmals großer Aufschwung

1884 Nun "Josephstädter Orpheum" genannt, werden die Räume als Singspielhallen und für Gymnastikproduktionen verwendet und nach neuerlichem Niedergang nur mehr als Kulissen- und Requisitendepot verwendet.

1924 Reinhardt lässt durch Carl Witzmann auch die Sträußelsäle glanzvoll erneuern, der Raum ist mit dem Theater und dem "Straußen"-Nachfolge-Restaurant "Weißer Hahn" verbunden und lädt mit Tischen und Stühlen nach der Vorstellung zum Souper ein.

1983 Wiederherstellung der ursprünglichen Wandgliederung - nach Vazquez' Plan - und Anbringung des ursprünglichen Ornamentschmucks nach gelungener Freilegung der alten Originale; Versuch, mit dem "Rasumofsky-Grün" die Biedermeierfarbe wiederzufinden.

2007 Renovierung der Sträußelsäle im Zuge der Generalrenovierung des Theaters in der Josefstadt.
Kammerspiele
1910 Die Wiener Kammerspiele werden nach einem Entwurf von Franz Freiherr von Krauss und Josef Tölk gebaut.

1916
wird die Direktion und die Spielleitung an Herbert Jhering übergeben, anschließend leitet Alfred Bernau das Theater, das damals zum ersten Mal als "Wiener Kammerspiele" bezeichnet wird. 

1919
Die Kammerspiele kommen unter die Zentralleitung des Deutschen Volkstheaters.

1925 Ludwig Körner leitet die Wiener Kammerspiele und es kommt zu einer Interessensgemeinschaft mit den "Reinhardt-Bühnen" in Wien und Berlin. Unter Körners Leitung werden die Kammerspiele die Zweitbühne des Theaters in der Josefstadt, dem sie seitdem, mit einigen Jahren Unterbrechung, angehören. Betriebsführung, Ensemble und Rechtsträger sind seither identisch mit dem Theater in der Josefstadt.

1973 Neugestaltung durch den Architekten Prof. Otto Niedermoser.
Grund für den großen Erfolg der Kammerspiele sind und waren populäre Schauspieler und ihre Leidenschaft, Komödien zu spielen: Susanne Almassy, Senta Berger, Karlheinz Böhm, Walter Giller, Johannes Heesters, Christiane Hörbiger, Gertraud Jesserer, Ossy Kolmann, Cissy Kraner, Georg Kreisler, Lotte Ledl, Helmuth Lohner, Marianne Mendt, Karl Merkatz, Fritz Muliar, Susi Nicoletti, Christine Ostermayer, Elfriede Ott, Gunter Phillip, Otto Schenk, Ernst Stankovski, Erwin Steinhauer, Nadja Tiller, Peter Weck, Klaus Wildbolz, Bibiana Zeller u.v.a.

Unvergessene Stars der Kammerspiele: Max Böhm, Alfred Böhm, Fritz Eckhardt, Richard Eybner, Adrienne Gessner, Erik Frey, Heinz Conrads, Vilma Degischer, Axel von Ambesser, Paul Hörbiger, Lotte Lang, Hans Jaray, Maria Andergast, Marte Harell, Hans Holt, Hilde Krahl, Nicolin Kunz, Albert Bassermann, Siegfried Lowitz, Carl Merz, Hans Moser, Dorothea Neff, Elisabeth Neumann-Viertel, Jane Tilden, Karl Paryla, Helmuth Qualtinger, Gerhard Riedmann, Annie Rosar, Leopold Rudolf, Marianne Schönauer, Karl Schönböck, Kurt Sowinetz, Georg Thomalla, Hans Thimig, Helene Thimig, Luise Ullrich, Ernst Waldbrunn, Guido Wieland, Hugo Wiener, Grete Zimmer, Kurt Heintel u.v.a.