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Daniel Kehlmann

Heilig Abend

Uraufführung

Premiere
02.02.2017

Inhalt

Sie sind mit falschen
Pässen nach Ecuador
eingereist. Wenn Sie
wüssten, wie viel wir
herausfinden, wenn wir
uns für jemanden
interessieren.

Thomas


Eine Gefahr, eine Ermittlung. Und die wie immer zu schnell vergehende Zeit.

Es ist halb elf. 24. Dezember. Eine Frau wird verhört. Sie weiß angeblich nicht, warum. Judith, so heißt sie, wird von Thomas, so heißt er, ins Visier genommen. Man hat sie auf dem Weg zu ihren Eltern aus einem Taxi geholt und zur Polizeistation gebracht. Thomas weiss offensichtlich alles über sie. Und er behauptet auch zu wissen, dass Judith einen geplanten terroristischen Anschlag um Mitternacht in die Tat umsetzen wird. Auch Judith beginnt, ihr Gegenüber mit gezielten Fragen aus dem Konzept zu bringen. Die Zeit schreitet voran. Es ist Viertel vor elf. Thomas, dessen Alltag davon bestimmt ist, Dschihadisten nicht zu unterschätzen, sieht sich einer Intellektuellen gegenüber, die das bestehende politische System in Frage stellt.

Daniel Kehlmann über sein Stück:
"Seit meiner Kindheit habe ich "High Noon" geliebt, und zwar nicht so sehr wegen Gary Cooper oder der Revolverduelle, ja nicht einmal wegen Grace Kelly, sondern wegen der Uhr. Am Anfang sieht man da die Uhrzeit, man weiß, dass zur Mittagsstunde die Mörder kommen werden, und von da an zählt man die Sekunden und folgt dem Sheriff bei seiner vergeblichen Suche nach Bundesgenossen. "High Noon" ist einer der wenigen perfekten Filme - nicht zuletzt weil er in Echtzeit stattfindet, weil in ihm die erzählte Zeit und die Zeit, in der der Film selbst vergeht, auf die Sekunde identisch sind.
So etwas wollte ich auch machen, immer schon. Das war der eine Antrieb zu Heilig Abend: die Idee von einer Uhr an der Wand, deren Zeiger sich auf den entscheidenden Moment zu bewegen, offen und groß, im Blickfeld der Bühnenfiguren wie des Publikums. Der andere Antrieb, das war meine Verblüffung über die Dinge, die Edward Snowden aufgedeckt hatte: das Ausmaß der staatlichen Überwachung in der elektronischen Welt, die Willkür der Geheimdienste, die Möglichkeit der Polizei, unsere Leben in einem Ausmaß zu beobachten, wie wir es uns früher nicht hätten vorstellen können. Also schrieb ich zum ersten Mal etwas im weitesten Sinn Aktuelles, ein Stück, das auf die Ereignisse in den Schlagzeilen reagieren sollte - wenn auch auf eine verschobene, gewissermaßen spiegelverkehrte Art.
Aber wichtiger noch: Ich wollte die Reduktion auf die Grundsubstanz des Theaters. Ein Konflikt zwischen zwei Menschen. Eine Gefahr, eine Ermittlung. Und die wie immer zu schnell vergehende Zeit."

Besetzung

Regie
Herbert Föttinger

Bühnenbild
Walter Vogelweider

Kostüme
Birgit Hutter

Dramaturgie
Ulrike Zemme

Licht
Emmerich Steigberger

Thomas
Bernhard Schir

Judith
Maria Köstlinger

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