Theater in der Josefstadt

Jägerstätter

Uraufführung

von Felix Mitterer

ca. 2 Stunden, 25 Minuten, eine Pause

Premiere:
20.06.2013


Besetzung

Franz Jägerstätter
Gregor Bloéb
Franziska, seine Frau
Gerti Drassl
Rosalia, seine Mutter
Elfriede Schüsseleder
Theresia, Mutter des ledigen Kindes von Franz
Michaela Schausberger
Oberlehrer, Ortsgruppenleiter
Michael Schönborn
Pfarrer Fürthauer
Matthias Franz Stein
Bürgermeister
Stefan Lasko
Rudi, Großbauernsohn
Christian Dolezal
Bischof von Linz
Peter Scholz
Offizier, älterer Oberst in Enns
Peter Drassl
Dr. Feldmann, Offizier und Anwalt von Franz in Berlin
Dominic Oley

Stab

Regie
Stephanie Mohr
Bühnenbild
Miriam Busch
Kostüme
Alfred Mayerhofer
Musikalische Leitung und Choreinstudierung
Stefan Lasko
Dramaturgie
Ulrike Zemme
Licht
Manfred Grohs
Regieassistenz
Volker Tenta
Video
JÄGERSTÄTTER
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In Zusammenarbeit mit dem Theatersommer Haag 

Der oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter träumte im Jänner 1938 von einem Zug, in den immer mehr Menschen einstiegen, und er hörte eine Stimme sagen: "Dieser Zug fährt in die Hölle." Dies deutete Jägerstätter als Warnung vor dem Nationalsozialismus. Bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs gab er die einzige Nein-Stimme in seinem Ort ab. Am 1. März 1943 erhielt er die Einberufung zur Wehrmacht nach Enns und verweigerte dort den Kriegsdienst. Er wurde verhaftet und nach Berlin gebracht, dort verurteilte man ihn am 6. Juli wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode. Zahlreiche gutmeinende Menschen, darunter Freunde, Familie, Kleriker und auch Nazis, redeten ihm zu, die Verweigerung zurückzunehmen und damit sein Leben zu retten. Der sture Bauer aus St. Radegund gab aber nicht nach. So wurde er am 9. August 1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Noch Jahrzehnte nach dem Krieg wurde Jägerstätter von vielen als Feigling, Verräter und "Bibelforscher" denunziert. 2007 endlich wurde ihm offiziell Gerechtigkeit zuteil, indem ihn die römisch-katholische Kirche selig sprach. Die Verachtung vieler blieb, die Familie spürt das noch heute. Vom Weg dieses sturen Bauern, dieses mutigen Mannes, der "Nein" sagte zu einem verbrecherischen Regime, "Nein" sagte zu den Massenmördern, wird das Stück handeln. Und von seinen Zweifeln und Ängsten, von seinen inneren Kämpfen, und von seiner Konsequenz, die uns weniger Mutigen ein Stachel im Fleisch ist. 
(Felix Mitterer)

Herzallerliebste Gattin. Und alle meine Lieben,
heute sind es nun 4 Wochen, da wir uns zum letzten Mal auf dieser Welt gesehen. Heute früh um zirka halb 6 Uhr hieß es sofort anziehen, das Auto wartet schon, und mit mehreren Todeskandidaten ging dann die Fahrt hierher nach Brandenburg, was mit uns geschehen wird, wussten wir nicht. Erst zu Mittag teilte man mir mit, dass das Urteil am 14. bestätigt wurde und heute um 4 Uhr nachmittags vollstreckt wird. Will euch nun kurz einige Worte des Abschiedes schreiben. Liebste Gattin und Mutter. Bedanke mich nochmals herzlich für alles, das Ihr mir in meinem Leben für mich getan, für all die Liebe und Opfer, die Ihr für mich gebracht habt, und bitte Euch nochmals, verzeiht mir alles, was ich Euch beleidigt und gekränkt habe, sowie Euch auch von mir alles verziehen ist. Es war mir nicht möglich, Euch von diesen Schmerzen, die Ihr jetzt um meinetwegen zu leiden habt, zu befreien. Ich danke auch unsrem Heiland, dass ich für ihn leiden durfte und auch für ihn sterben darf. Und vertraue auch auf seine unendliche Barmherzigkeit, dass mir Gott alles verziehen hat und mich auch in der letzten Stunde nicht verlassen wird. Grüßet mir auch noch herzlich meine lieben Kinder, ich werde den lieben Gott schon bitten, wenn ich bald in den Himmel kommen darf, auch für Euch alle ein Plätzchen anzuschaffen. Und nun alle meine Lieben lebet alle wohl und vergesset meiner nicht im Gebet.
(Franz an Franziska Jägerstätter, Brandenburg, 9. August 1943, Abschiedsbrief)

Im Haymon Verlag erscheint Anfang Juni das Buch zum Stück "Jägerstätter" von Felix Mitterer.
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