Was sind uns die Menschenrechte wert?
Menschenrechte gelten als unbezahlbar. Doch dieses Wort ist doppeldeutig: Es kann bedeuten, dass etwas unersetzlich und von unschätzbarem Wert ist. Es kann aber auch die Behauptung enthalten, dass etwas zu kostspielig geworden sei. Genau an diesem Spannungsverhältnis setzt die Gesprächsreihe „Unbezahlbar. Die Menschenrechte“ an.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde 1948 als gemeinsame Grundlage für Freiheit, Gleichheit und ein Leben in Würde verabschiedet. Heute werden ihre Grundsätze zunehmend infrage gestellt. Forderungen nach Schutz, Solidarität und gesellschaftlicher Teilhabe werden häufig gegen wirtschaftliche Interessen oder vermeintliche Sachzwänge ausgespielt. Die Vorstellung, dass Demokratie und Menschenrechte eine Belastung darstellen könnten, ist längst nicht mehr ausschließlich an den äußersten politischen Rändern zu finden. Sie ist bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen.
„Unbezahlbar.“ greift diese Entwicklung auf und schafft einen Raum für Widerspruch, Auseinandersetzung und gemeinsames Nachdenken. In vier Gesprächskonzerten werden unterschiedliche Ansprüche beleuchtet, die sich auf die Menschenrechtskonvention berufen. Zwei Abende finden in den Kammerspielen der Josefstadt statt, zwei weitere im Wiener Konzerthaus. Das Projekt verbindet gesellschaftspolitische Debatte mit musikalischer Erfahrung und führt damit zwei Ausdrucksformen zusammen, die auf unterschiedliche Weise berühren, herausfordern und neue Perspektiven eröffnen.
Durch die Abende führt Sven Hartberger, langjähriger Intendant des Klangforum Wien und gesellschaftspolitisch engagierter Autor. Er begegnet wechselnden Gesprächspartnerinnen in drei kurzen, bewusst konfrontativ angelegten Diskussionsrunden. Anschließend wird das Gespräch für das Publikum geöffnet. Die Besucherinnen sind eingeladen, Fragen zu stellen, Positionen zu prüfen und sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.
Musikalisch begleitet wird der gesamte Zyklus von Werken Friedrich Cerhas. Der österreichische Komponist, der 1944 im Alter von 19 Jahren unter Lebensgefahr aus der deutschen Wehrmacht desertierte, trat in seinem Leben und seinem künstlerischen Schaffen entschieden für Humanität, Demokratie und die Rechte diskriminierter Menschen ein. Seine Musik wird zum eigenständigen Bestandteil der Abende – als Resonanzraum für das Gesagte und als wohltuende Unterbrechung, wenn die Debatte besonders hitzig wird.
„Unbezahlbar.“ ist eine Kooperation des Theaters in der Josefstadt mit dem Wiener Konzerthaus. Die Termine in den Kammerspielen sind für den 10. Dezember 2026 und den 19. März 2027 vorgesehen.