Tiedemann inszeniert seine Zweieinhalb-Stunden-Version sehr präzise, mit viel Sinn für die Musikalität des Textes, hat interessante optische und akustische Ideen. Bravo! Er gibt seinen Darstellern den Takt vor. (...) Hervorragend Michael Degen als Robert Schuster, der die Attacken gegen die Alpenrepublik mit Charme und Witz und ein wenig Trottelei vorträgt. Marianne Nentwich ist eine wunderbar zickige Haushälterin Frau Zittel, Sona MacDonald großartig als verbitterte Tochter Anna.
Regisseur Tiedemann hat ein feines Gefühl für Musikalität, stellt der Bernhard’schen Komposition wohl deshalb eine Percussiongruppe bei. Klirren, Klappern und Bürstgeräusche mit Armreifen, Schubladen und Schuhputzzeug. Gläser werden auf den Esstisch geknallt – ein Geräusch wie von SS-Stiefeln. Small Talk wird mehr und mehr zu Sieg-Heil-Rufen. Gleich einem Dirigenten gibt der Regisseur den Takt dieser Inszenierung vor.
Michael Degen ist Bernhards Beschwerdeführer gegen die österreichischen Zustände. Als Robert Schuster trägt er dessen Attacken auf die Alpenrepublik stets mit einem Augenzwinkern vor – das ist Alterserscheinung und Spitzbüberei zugleich.
(Kurier)
Im Kern aber bleibt eine unsterbliche Bühnengestalt von großer Traurigkeit: Professor Robert Schuster, heimgekehrter Emigrant und Bruder eines Selbstmörders, der an der österreichischen Realität zerschellt, wird von Michael Degen grandios verkörpert. (...) Seine Redeschwälle sind von grandioser rhetorischer Schärfe. Er gibt den Hanswurst im Narrenkostüm des Bernhard-Krüppels und verleiht der Gestalt doch enorme tragische Dimension. (...) Kompliment an den Regisseur Philip Tiedemann, der seinem Lehrer Peymann etwas entgegenzusetzen hat.
(News)
Michael Degen brilliert in "Heldenplatz". Eine hochkonzentrierte und selten so präzise Schauspielkunst bringt einen (...) irrwitzigen Suada-Tonfall zuwege, der der Motor des Stücks ist. Dafür stehen an erster Stelle Michael Degen als Professor Schuster und Marianne Nentwich als Haushälterin Zittel.
Ein Schauspieler wie Michael Degen, der in hochtemperierten, zielsicher anschwellenden Sätzen spricht und dabei seiner der Rede innewohnenden Müdigkeit immer rechtzeitig nachgibt, so ein Schauspieler hält das Bernhard’sche Mantra von sich aus so kunstvoll angehoben in Betrieb, dass es keines (…) szenischen Kommentars bedarf.
(Standard)
Die mehr oder weniger familienhasserfüllten Kurzauftritte des ungehobelten Siegfried Walther als Professorensohn, der verbissenen Gertraud Jesserer als Professorenwitwe, der zerquälten Elfriede Schüsseleder als Professorentochter oder des robusten Wolfgang Pampel als Professorenkollege geraten dabei zu Kabinettstücken, die zeigen, wie man eigentlich nur dem Ungeschriebenen, zwischen den Zeilen Improvisierten bei Bernhard so etwas wie Psychologie anbringen kann.
(FAZ)
Zentren der Aufführung werden Marianne Nentwich, die als Haushälterin Frau Zittel den hübsch durchchoreographierten ersten Akt dominiert und deren Bügel-Ballett Silvia Meisterle mit Schuhputz-Stakkatos untermalen darf, und Sona MacDonald als sehr präsente, klarsichtige Nichte Anna, die ihre Schwester (Elfriede Schüsseleder) auf freundlich-perfide Weise dominiert.
(APA)
Philip Tiedemanns angenehm zurückhaltende Regie hat die Zeichen einer gewandelten Zeit erkannt (...). Michael Degen, der sich selbst als jüdisches Kind jahrelang vor den Nazis verstecken musste, gestaltet nun diesen Berufsbeleidiger und rettungslosen Österreicher Robert Schuster voll Sympathie neu: als grazile, auf ihren Krücken mal tänzerische, mal selbstverliebt hinfällige Kunstfigur.
(FAZ)
Eine makellose Inszenierung, die auf die nach wie vor gültige Aussagekraft des geschickt eingekürzten Textes vertraut.
Ihren Höhepunkt erreicht die Inszenierung im großartig ausgeleuchteten zweiten Bild, wenn der Bruder des Toten und dessen Töchter auf der Rückkehr vom Begräbnis am Döblinger Friedhof im nebelverhangenen Volksgarten Station machen.
Die den Abend charakteristische schmerzhaft-böse Melancholie bringt deutlicher als aggressive Österreich-Scheltreden die Isolation von Menschen in einer allem "Fremden" misstrauenden Gesellschaft zum Ausdruck. Ein großer Abend für das Theater in der Josefstadt und ein großer Abend für Thomas Bernhard.
(Wiener Zeitung)
Regisseur Philip Tiedemann und seinem Ensemble ist eine hervorragende Interpretation gelungen, die vor allem Michael Degen als Professor Schuster zu einer Hommage an den sterbenden Dichter macht. Auch durch Marianne Nentwich als Wirtschafterin des verstorbenen Professors Josef Schuster und Sona MacDonald als dessen Tochter Anna wird dieser Abend zum Erlebnis. Sie setzen die Musikalität wirkungsvoll um.
Die schönste Szene am Schluss, am Ziel, gibt es für Gertraud Jesserer. Sie spielt die Witwe mit einem tragischen Gesicht, das man nicht vergessen wird.
(Presse)
Herausragend (...) ist Michael Degen als Robert Schuster: mit welcher Geschmeidigkeit und Schelmenhaftigkeit er jene Rolle anlegt, die Bernhard zur größten Österreich-Beschimpfung ausholen lässt.
(Profil)