Die Wiener Kammerspiele zeigen mit bestem Resultat Ferdinand von Schirachs packendes Sterbehilfe-Drama "Gott". Die Expertisen des Juristen (Paul Matić), des Arztes (Alexander Strömer) und des Priesters (Robert Meyer!) sind keine Minute zu lang. Raphael von Bargen glänzt als Anwalt. Was dem Regisseur Julian Pölsler mit sicherer Hand und starker Personenführung gelingt, ist heute selten: ein solider, spannender Theaterabend ohne Belehrungsgekreisch.
(Kronen Zeitung)
Das Interessante des Abends liegt im buchhalterisch peniblen Anführen und Abwägen von Perspektiven. Der Autor nimmt sein Publikum an der Hand und führt es mittels eines Ratsvorsitzenden (Michael König) und eines Befragers (André Pohl) durch Gesetzestexte und Kirchenlehren. Von Bargen ist ein Anwalt, wie man ihn sich wünscht: gefinkelt, scharf, und in der Inszenierung von Julian Pölsler mit einer spitzbübischen Freude am Überraschen ausgestattet. Robert Meyer steht als Bischof auf der Seite des Leidens als Lebenssinn. Spannend wie ein Thriller.
(Der Standard)
Raphael von Bargen spielt den Anwalt mit Feuer und tiefschwarzem Witz.
(KURIER)
Robert Meyer bringt als Bischof subtil seine Verzweiflung darüber zum Ausdruck, welche weitreichenden Folgen eine Entscheidung auch für junge Menschen haben könnte. In Meyers Dialog mit dem Anwalt des Suizidwilligens entsteht ein emotionsgeladenes Pingpong-Spiel. Den Rechtsvertreter gibt Raphael von Bargen gefinkelt und schlagfertig. Sichtlich lustvoll treibt er die Sachverständigen in Sackgassen ihrer Gebiete, blättert auf, dass vieles nicht so in Gesetzbuch oder Bibel steht, wie gern behauptet wird. Er stellt dabei nicht nur den Dialogpartnern die richtigen Fragen, er verunsichert auch das Publikum. Komplettiert wird das Ensemble von Michael König als souveränen Vorsitzenden des Ethikrates, André Pohl als dessen Mitglied.
(Die Presse)
In dem auf die Bühne transferierten Ethikrat, in dem jeder Standesvertreter – neben Kirche auch Justiz und Ärzteschaft – Richard Gärtners Anliegen beleuchtet, brilliert vor allem Raphael von Bar gen als dessen Anwalt. Ihm gelingt es, in diesem von Julian Pölslers bedachter Regie geleiteten, rechtschaffen Thesenstück immer wieder, im Zwiegespräch mit den jeweiligen Sachverständigen die Aufmerksamkeit zu fokussieren. Damit geraten die Plädoyers nachvollziehbar, die Paul Matić als Jurist, Alexander Strömer als Ärztefunktionär sowie André Pohl und Michael König als Vertreter des Ethikrates halten. Schön anzusehen und stimmig sind die immer wieder den Bühnenhintergrund zierenden, Vergänglichkeit und Tod umkreisenden Porträtbilder des Südtiroler Künstlers Gotthard Bonell. Viel Applaus und beim Verlassen des Theaters vernehmbarer Nachbesprechungsbedarf beschließen die Aufführung.
(Tiroler Tageszeitung)