Pressestimmen
Zu erleben ist ein spannender, interessanter, von Daniel Kehlmann ausgezeichnet und sehr klug geschriebener Theaterabend, der in Echtzeit abläuft, in einem Raum. Bernhard Schir und Maria Köstlinger spielen das Psycho-Duell brillant, Hausherr Herbert Föttinger hat mit viel Gefühl inszeniert.
(KURIER)
So spannende, zu eigenen Gedanken über Staat und Gewalt inspirierende neunzig Minuten hat man lange nicht auf einer Bühne gesehen. Eine formidable Leistung von Maria Köstlinger und Bernhard Schir.
(FAZ)
Kehlmanns Zweipersonenmanifest gegen den Überwachungsstaat ist klug ins Kafkaeske überhöht. Der Plot ist spannend und der Dialog geschliffen, ohne den genialen Schwung Kehlmann’scher Prosa nehmen zu können. Herbert Föttinger bewährt sich als glänzender Regisseur. Die Ereignisse sind in einen klaustrophobischen Glaskasten verlegt, Mikrofone verfremden den spannenden, sich ständig verdichtenden Dialog, der von Bernhard Schir und Maria Köstlinger auf exzellente Höhe gespielt wird.
(Kronen Zeitung)
Eine mutmaßliche Terroristin aus der besten Gesellschaft im polizeilichen Verhör: Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger hat "Heilig Abend" inszeniert, mit einem guten Gefühl für exakte Dialog-Regie und motivierten Schauspielern. Maria Köstlinger und Bernhard Schir liefern einander ein temperamentvolles Duell im modischen Glaskasten.
(Die Presse)
Kehlmann ist eine scharfsinnige und gleichzeitig unterhaltsame, irgendwie wienerische Abhandlung gelungen.
Regisseur Herbert Föttinger inszeniert das Verhör zurückhaltend als dichtes Kammerspiel und platziert die beiden Schauspieler in einem Glaskobel (Bühne: Walter Vogelweider), der das Publikum, wie aus US-TV Serien bekannt, als Beobachter hinter einer mutmaßlichen Spiegelwand zurücklässt. Eine Entscheidung so naheliegend wie in ihrer Einfachheit wirkungsvoll.
Bernhard Schir ist als Ermittler so schleimig wie schlagkräftig. Seine Brutalität wirkt aber selbst subtil, wenn er die Frau gegen die Wand knallt. Vor allem Schir hat auch das perfekte Timing für überraschend viele Ponten, die dieser Abend auch bereithält. Maria Köstlinger gelingt es, die Ambivalenz der schlüssigen akademischen Argumentation und der gar nicht so harmlosen Aussagen wie "Eine Bombe ist ein Ruf, der am weitesten hallt" nuanciert zu vermitteln.
(Wiener Zeitung)
Daniel Kehlmann antwortet auf die Fragen der Zeit von Terror und totaler Überwachung mit einem kompakten, exzellent gebauten Thriller. Die Einfachheit des Geschehens ist bestechend, der Text ingeniös, Maria Köstlinger und Bernhard Schir virtuos. Die Ausgewogenheit eines wohl dosierten Quantums an Humor und beklemmender Thrillerspannung zeichnet diesen aus.
(NEWS)
Kehlmann denkt, jenseits von Gut und Böse, nicht in Schwarz und Weiß, er bewegt seinen Text durch die Grauzone dessen, was das Allzumenschliche vom Unmenschlichen trennt. "Heilig Abend" ist ein starkes Stück, eines, das aktueller nicht sein könnte. Kehlmann war noch nie so dezidiert politisch wie diesmal. Das Auftragswerk für die Josefstadt ist ein einwandfreier Thriller, man meint mitzufühlen, wie die Luft im Glaskasten - Bühnenbildner Walter Vogelweider hat einen hermetisch abgeschlossenen Glaskubus geschaffen, darin sind die Darsteller, denn der Kontakt zum Publikum ist ihnen so verwehrt, ganz auf sich selbst zurückgeworfen, was ihr Spiel prägnant und sehr präzise macht - immer weniger wird, die Feindseligkeiten nehmen zu, aus verbaler Gewalt wird physische.
"Heilig Abend" ist eine rundum geglückte Aufführung: ein spannender Plot, eine exzellente Regie und zwei überragende Schauspieler. Bravo!
(Mottingers Meinung)
Daniel Kehlmann verhandelt in seinem Text die Überwachungsmechanismen zur Terrorbekämpfung sowohl aus staatlicher wie philosophischer Sicht, die drohende Bombe steht zwar im Zentrum der Befragung, das Thema ist jedoch weniger die konkrete Bedrohung als das Verhandeln von Privatsphäre in Zeiten des gläsernen Menschen.
Ob man eine Echtzeit-Situation auch auf die Bühne übertragen könnte, war Daniel Kehlmanns Frage an Direktor Föttinger, als er ihm den Auftrag zu einem Stück gab. Seit gestern ist klar: Es geht, und wie.
Effekthascherei in dieser 90-minütigen Inszenierung keine Option - Herbert Föttinger setzt auf die beiden größten Ressourcen, die ihm zur Verfügung stehen: Auf Kehlmanns klar gearbeiteten Text und seine beiden Schauspieler, die die Spannung halten.
(APA)
Bernhard Schir brilliert als zynischer Ermittler Thomas, der Freude daran hat, die terrorverdächtige Judith zu quälen. Maria Köstlinger ist ihm als verängstigte und aufmüpfige Intellektuelle eine kongeniale Partnerin.
(Österreich)
Die große Leistung von Kehlmanns Well-Made-Play „Heilig Abend“ besteht nicht nur darin, dass es das Dilemma ob der Zweck die Mittel heiligt, so spannend ausbreitet, sondern dass es richtige und wichtige Fragen stellt, die möglichen Antworten aber als gleichwertig gegeneinander stellt. Und weil sich der Autor Sympathien und einfachen Worten entschlägt, ist der Zuschauer aufgefordert, sich auseinanderzusetzen. Etwas Besseres kann Theater kaum leisten.
(Die Furche)
Daniel Kehlmanns tadellos gebauter Verhörthriller wurde im Wiener Josefstadt-Theater von Hausherr Herbert Föttinger routiniert, aber gekonnt aus der Taufe gehoben.
Kehlmann zeigt, was aus der Buchgelehrtheit unserer Linken geworden ist: sprödes Lesefutter für Überwachungsspezialisten der mittleren Intelligenzstufe. Das ist eine grandiose Pointe. Hier wird der subversiven Kraft von Theorie ein Abschiedsständchen nachgesungen.
Zeit, Lob auszusprechen.
(Der Standard)